KEEP IT TRUE RISING II - Würzburg

KITRIS2 2022

Festival vom 30.09. - 02.10.2022
Mit: SAXON, DIAMOND HEAD, GRIM REAPER TRIBUTE, VENOM INC., RIOT V, SATAN, CLOVEN HOOF, BLITZKRIEG, TYTAN, SARACEN, KEV RIDDLES BAPHOMET , AVENGER, DEMON PACT, QUARTZ, TORCH TYRANT, GRAVESTONE, PAUL DI ANNO, HOLOCAUST, MYTHRA, TYGERS OF PAN TANG u. v. m.

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KEEP IT TRUE

Rising High on Keep It True Rising II...

Der Zug kommt erst etwa gegen 18:30 an, WITCH CROSS standen bereits auf der Bühne, etwa gegen 18:35 bin ich auf dem Gelände und komme knapp fünf oder zehn Minuten zu spät, um noch wenigstens etwas vom Gig mitzu erleben, weshalb sie mir knapp entgehen. Direkt vom Bahnhof zieht es mich auf's Gelände. Die Posthalle wartet schon... Das Underground-NWOBHM-Gipfeltreffen ist eröffnet.

Gleich am Eingang bekomme ich vom freundlichen Security-Team den STEVE GRIMMET-Gedenkbutton in die Hand gedrückt. Was geschieht damit? Andächtig nickend nehme ich von der Aktion beeindruckt ohne zögern das Ding entgegen, es wird noch ehe mein Gusto das Ambiente betritt, gleich am Eingang auf die Kutte über den Rand vom BLUE ÖYSTER CULT... Patch gedreht... wo es jetzt seinen sicheren Stamm-Ehrenplatz hat. Manchmal braucht es lange, bis bestimmte Patches oder Buttons die man als Metaller heiß und innig liebt, an geeigneter Stelle platziertsind, in dem Fall ging es wirklich schneller als gedacht. Vielleicht liegt es am unmittelbar durch die Luft schwebenden Geist der NWOBHM, deren Spirit mich packt, wenn ich vor Betreten der Location erneut den Blick über den Gesamtplan schweifen lasse und mir vergegenwärtige, was da für ein Hammer-Programm draufsteht! Und wenn einer soviel Anerkennung verdient hat, ist es STEVE GRIMMET, dessen Organ zu den markantesten Stimmen des klassischen Heavy Metal-Sektors zählte. Auch als Musiker Live on Stage war Steve eine markante Persönlichkeit, Geist, Herz und Seele von GRIM REAPER zugleich gab er auf der Bühne immer sein Bestes. Feiner Gedenkbutton für Kuttenträger und -rinnen, den jeder treu und überzeugte NWOBHM-Anhänger auf dem Battlejacket haben sollte!

Freitag, 29.9.2022
Gehörnte Engelshexen, Sarazenenalarm und ein Tribut ganz besonderer Art

Draußen ist es warm. Bekannte Gesichter sind schon auf dem Platz zu sehen und kommen mir in der Halle entgegen. Das schwermetallische Familientreffen der Underground-Metalfangemeinde verspricht etwas ganz Besonderes zu werden. Als nächstes wird ein erforderlicher Kaffee geordert und ab ins Abenteuer... los geht’s!

KEV RIDDLES BAPHOMET
Wenn die zweite Band am frühen Abend vom ersten Festivaltag spielt, erwartet man im Regelfall nicht allzuviel. Dem entsprechend groß der Überraschungseffekt als ich frisch bei „Sweet Danger“ das Ambiente betrete, ist die gesamte Halle am Kochen! Das sich mir bietende Bild wirkt ganz so als wären KEV RIDDLES BAPHOMET Headliner in Würzburg, zumindest als heimlicher dürfen sie sich mit dieser bockstarken Vorstellung fühlen. Mit einem Lächeln der Genugtuung auf den Lippen quittiert der Bandboss diesen wichtigen Erfolg. Der Ex-ANGELWITCH-Bassist Kevin „Skids“ Riddles ist über dieses Ergebnis sichtlich erfreut wie überrascht was das öfters über sein Gesicht huschende Grinsen bestätigt. Die Idee, die Musik zu machen, die er mit ANGEL WITCH aufnahm lockt zahlreich Fans.

Egal, was auch immer zunächst angesagt und gebracht wird: KEVIN RIDDLES BAPHOMET werden von einer am frühen Abend wahrhaft gewaltig erscheinenden Fanmasse frenetisch abgefeiert. ANGELWITCH-Knaller Marke „Confused“, „Sorceress“, „Gorgon“, „White Witch“ oder die wieder mal binnen zehn Sekunden den ganzen Saal zum Durchdrehen bringende Über-Hithymne „Angelwitch“ dröhnen so druckvoll, heavy laut bombastisch-voluminös durch's Ambiente, wie Gitarren und Schlagzeug es nur zulassen Das Ambiente mitsamt Hallendecke bebt, während Tony Coldham sein vielseitiges von gefühlvoll bis rauen, melancholischenund aggressiven Tonlagen geprägtes Stimmbandvolumen zeigt und hervorragend den ANGEL WITCH-Fundus intoniert. Fünfundvierzig Minuten fesselnder NWOBHM-Kult-Klassiker-Tobak meisterhaft wie aus dem Lehrbuch zelebriert.

In solchen Momenten brennt die Luft – kein Wunder bei soviel unwiderstehlichem 80er Jahre Spirit, dessen Flair sich unaufhaltsam in Geist, Herz und Seele frisst. KEV RIDDLES BAPHOMET ziehen den gesamten Set auf gleichbleibend kompaktem Level durch. Jedes der acht Stücke wird heftig abgefeiert. Geforderte Zugaben gibt’s aufgrund zeitlichem Engpasses keine. Die Musiker sind begeistert von der ihnen entgegenschlagenden Resonanz in der Halle. Das Fanvolk ist gewaltig am Toben. Am Ende bleibt sogar noch der Moment für ein Foto zur Erinnerung an dieses Feine Gastspiel in der Posthalle. K.R.B. Haben die Messlatte damit extrem hoch angesetzt. Alle nachfolgenden Acts werden es schwer haben... Fazit: Fetter Auftakt einer sympathischen Baphometcrew vom Allerfeinsten, der einschließlich zugehörigen Atmosphärenlevels vor begeisterter Fankulisse nur schwer zu toppen sein sollte... würde es der nachfolgenden Band gelingen?

MYTHRA
Als dritte Band im Billing, können MYTHRA das vorgelegte Stimmungslevel von KEV RIDDLES BAPHOMET danach kaum toppen, noch kommen sie in Sachen Publikumsresonanz heran, doch gehen MYTHRA auch nicht unter, dafür sorgt allein die vorzügliche Gitarrenarbeit des gestandenen Gitarrenduos Bandgefüge John Roach/Alex Perry die zusammen mit Gründungsmitglied Bassist Maurice „Mo“ Bates“ eine druckvoll zu Werke gehende Gitarrenachse bilden. Drummer Phil Davies und Vocalist Kev McGuire komplettieren das Team.



Angefangen vom flotten Einstieg „Still Burning“ über „U.F.O.“, „Ride The Storm“, „Temple Of Madness“ bis zum Schlußdoppel „Overlord/Death and Destiny“ machen MYTHRA alles richtig, begeistern ihr Publikum durch ihren unverkennbar eigenwilligen Stil und einer Frische, die ihren Slot im Billing widerspruchslos bestätigt. MYTHRA haben Eindruck auf dem K.I.T.-Rising hinterlassen – so geht waschechter NWOBHM-Heavy Metal mit flirrenden Gitarren, fließenden Strukturen und krachender Powerdynamik. - MYTHRA waren eine Bereicherung für's Festival.

SARACEN
Ein extrem langgezogen heroisch durch's Ambiente dröhnender „Aaahaaahaaaa“- Schrei verknüpft mit dazu gehörig fesselndem Intro kündigt an, was kommt, ehe es mystisch monunemental episch wird: „Crusader“ eröffnet den Auftritt. Für zahlreich wegen SARACEN in die Halle gekommener Fans ist damit klar und unmissverständlich das Signal für die kommende 45 Minuten-Session gesetzt. Binnen kurzer Zeit schnellt die Besucherzahl in enorme Höhen. Legte SARACEN, die Band um ihren sympathischen Fronter Steve Bettney bereits auf dem klassischen KEEP IT TRUE und im Rahmen ähnlich gelagerter Events feine Auftritte hin, geben sich die Engländer abermals keine Blöse.

Classic Hard Rock/Heavy Metal-Fans geraten in pure Ecstase, wobei der Keyboard unterstützte 80er-Hard Rock zeigt, dass selbst die truesten der Truen eine gediegene Portion klassischen Rock mit Keyboard schätzen, wenn sie derart hymnenhaft heroisch dargeboten wird. An phantastischem 80er-Songmaterial mangelt es nicht. Dazu gehört „Rock of Ages“ gefolgt vom intensiv zeitloses Flair verstreuenden zwischendurch akustisch folkige Brücken schlagenden Groover „Horsemen of the Apocalypse“ danach steigert sich das Tempo gewaltig. Beim unverwüstlich tanzbaren Partyrocker „We have arrived“ herrscht mächtig Sarazenenalarm. Erste Klänge vom langen Titeltrack des unerreichten Debüts „Heroes, Saints & Fools“ geben zu erkennen, in den nächsten Minuten wird’s majestätisch, zeitlos, magisch! Bei dem Realität mit Phantasie übergangslos verschmelzenden Epic-Monolith gerät das Publikum in einen wahren Rausch! SARACEN halten ihre Linie mit der geradezu erdrückend in Pathos getauchten Epic-Stampfgrooveorgie „Red Sky“.

Steve Bettney's Organ ist bestens geölt, der bestens durchtrainierte Sänger, dessen Stimmbandästhetik 1a ist, hüpft fit wie ein Turnschuh über die Bühne, schafft es mit viel Charisma die Menge in seinen Bann zu ziehen. SARACEN präsentieren sich als komplett harmonische Einheit an allen Instrumenten vom Bass bis zu der Dame am Keyboard. „Swords of Damascus“ und der knackige Hymnenfetzer „Ready To Fly“ beenden von heroischem Pathos umrankt ein traumhaftes Gastspiel auf dem K.I.T.-RISING II, das zu Recht die Bezeichnung „legendär“ verdient.

- Gewaltiges Epic Kino der Sarazenen, die den Auftritt des Tages hinlegten. Das müssen andere Combos ersteinmal übertreffen! Anschließend folgen nur noch zwei, aufgrund spezieller Umstände Sonderstatus genießt der Schlussact Sonderstatus.

HOLOCAUST
Wieder nichts erwartend, waren die letzten durchaus hochkarätigen HOLOCAUST-Alben der Schotten teils heftig proglastig, bin ich bei nun umso mehr von den Socken als JohnMortimer ankündigt, dieser Auftritt stehe im Zeichen des 'The Nightcomers'-Albumreleases, es riecht deutlich nach Klassikeralarm... Hey, das kann eigentlich nur fett werden, denk' ich mir und beziehe noch recht zeitig in gespannter Erwartungshaltung vor der Bühne Position. Entsprechend klassisch Rock n' Rollig rebellisch mit reißerischer Attitüde steigt „Smoking Valves“ in den Set ein, „Come On Back“ röhrt wieder im klassischen Rock n' Roll Beat. „Crying Shame“ kommt mindestens eine Spur langsamer als auf dem Debüt, doch das macht nichts, irgendwie löst die Tempogedrosselte Variante, dieses im Original extrem griffigen Rockers merkwürdige bedrohliche Stimmung aus. Leichte Schläge auf den Beckenrand signalisieren, dass der kraftvoll heroisch von pumpenden Stampfbeats begleitete Hard Rock-Groover mit rasant seine Geschwindigkeit steigerndem Schlußfinish - „Mavrock“ als nächstes kommt, ehe „It Don't Matter To Me“ kräftig am Kick Ass-Rock n' Roll will heißen Rhythm and Beat-Hahn dreht. Hell Yeah, Come On, and Rock Me!

Verzerrte Gitarren im von METALLICA gecoverten Düstergrower „The Small Hours“ bringen tonnenschwer im Raum liegende Gespensteratmosphäre bis in den aller letzten Winkel der Posthalle. Beklemmend flirrende Gitarrensoli von John Mortimer dem einzig verbliebenen Ursprungsmitglied weniger durch aktives Stageacting vielmehr als Sänger und Gitarrist glänzt, erzeugen unheimliche tief psychedelisch durch den Raum flirrende Wellen... umgeben von violett/blau orange /weiß-grauen Wechseln liegt eine Aura der Bedrückung im Raum, es wird richtig düster! Danach setzen pfundschwer drückende Riffs von John Mortimer ein, bis der Refrain lautstark vom begeisterten Kennerpublikum Note für Note mitgesungen wird: „And I try to get through to you, in my own special wayAs the barriers crumble, at the end of the day...!“ - Horror-Spannung in allen Ritzen. Anspannung pur.



Zwischendurch wird es in der Halle Mucks mäuschenstill, als hätte eine überirdische nicht von dieser Welt kommende Kraft jegliche Konversation verboten selbst das Geräusch einer Stecknadel wirkt störend. „Only As Young as you Feel“ rockt beschwingt, „Push It Around“ gibt mit groovigerem Heavy Rock-Gitarrenakkord grünes Licht für gelöstere Stimmung. „Death Or Glory“ verteilt messerscharfe Riffs plus bedrohlichem Unterton...

Und welchen Alltimeklassiker heben sich Mortimer & Co. zum Abschied auf? In der Tat herrscht ausnahmslos „Heavy Metal Mania!“ spätestens damit gehen selbst Leute steil, die über weite Strecken keine Regung zeigten und wer den Refrain immer noch nicht kennt, sollte mal auf's KIT gehen, sich die Headbanger-Hymne lauthals vorsingen lassen oder bekommt sie an dieser Stelle nachträglich serviert:

Inside the power cage
I can feel the music of my age
It's paranoid...first degree
Tellin' me that I'm not free
I've got Heavy Metal music in my blood
And I'd like to give it to you if I could!

As I lie in the shroud of darkness
The wings of light remove the veil
It's Heavy, Heavy, Heavy
Heavy Metal Mania all the way
Rock 'n roll...far too slow
So the adrenaline just doesn't flow
Where is the power, where is the glory?
Heavy Metal is my story!

HOLOCAUST haben gegenüber dem brillianten Sarazenen-Auftritt den kürzeren gezogen doch von Enttäuschung keine Spur. Im Gegenteil: Zurück bleibt ein konzentrierter Auftritt der Herren Mortimer & Co.umrahmt von teils gelöster, teils bedrückender Atmosphäre, wie man ihn so als Heavy Metalfan garantiert nicht oft erlebt.

STEVE GRIMMETT-TRIBUTE-SHOW:


Ein Plakat mit den wichtigsten Bands (nicht allen) bei denen STEVE GRIMMET aktiv war (GRIM REAPER, MEDUSA, LIONSHEART und CHATEAU, Desweiteren war Steve bei den Heavy Thrashern eine Zeitlang bei der Heavy/Thrashcombo THE SANITY DAYS und den Thrashern ONSLAUGHT aktiv - zeigt an einem Stahlgestell hängend umso mehr an, wem der Headlinger-Slot des KIT-Rising II-Freitags gebührt.

Die STEVE GRIMMETT-TRIBUTE-Show
wartet mit drei Sängern auf, von denen jeder seine völlig eigene Stilinterpretation der Klassiker mit einbringt, den Anfang macht dessen Sohn Russ, der obwohl er nicht das Stimmbandvolumen des Vaters erreicht, (die Schuhe sind eindeutig zu groß) seinen Anteil zum Gelingen der Session beiträgt.



Den übermächtigen Schatten seines Vaters kann der Sohn selbstverständlich nicht überspringen. Manche Nörgler ziehen sich derart daran hoch, das Russ Grimmetts helles Stimmorgan anders klingt, statt zu bedenken, dass alle Menschen anders sind. Russ Grimmett meistert die Aufgabe gemessen am Status von Vater Steve recht ordentlich, auch wenn sich bei Hymnen wie „Rock You To Hell“ oder „Wrath Of The Ripper“ manche Schwächen bemerkbar machen und übergibt das Mikro an JAGPANZER/ TITAN FORCE/SATAN'S HOST-Stimmbandästhet Harry 'The Tyrant' Conklin. Über dessen Bühnenqualitäten bedarf es keiner ausführlichen Worte. Jetzt wird es Zeit für Harry 'The Tyrant' Conklin seinen Teil beizutragen, das geht mit unwiderstehlicher Präsenz und gewaltigem Stimmcharisma erstklassig, dem entsprechend werden „Wings Of Angels“, „Suck It and See“, „Call Me In The Morning“ und „D. O.A“ (Dead On Arrival) von der Masse kräftig abgefeiert.

ENFORCER Stimmbandästhet Olof Wikstrand ist der dritte im Bunde, dem die Ehre gebührt, den STEVE GRIMMET-Tribut zu einem gebührenden Abschluß zu bringen, auch er macht seinen Job gut, bei dem ein oder anderen Song kommen ENFORCER-typische Gesangsmerkmale zum Tragen, was allerdings kaum stört, „The Show Must Go On“ markiert schon mal das Motto für die Zukunft, dass GRIM REAPER nicht gewillt sind, aufzugeben. Ein gelungenes DIO-Cover „Don't Talk To Strangers“ gehört dazu, „Fear No Evil“ sorgt  für offiziellen Ausklang, doch ein Stück ist selbstverständlich Pflicht, das beste kommt natürlich am Schluß – die Überhymne „See You In Hell“ mit allen drei Sängern auf der Bühne! Alle Strophen vom NWOBHM-Hit werden lauthals samt wiederkehrendem Refrain mitgesungen, - das Publikum rastet bei dieser zeitlosen Heavy Metalklassikerhymne kollektiv aus!

Steve Grimmett's Ehefrau Millie Grimmet hält kurz vor Schluß noch eine mehrere Minuten von Emotionen durchflutete Rede, die berührt, sie richtet einige ehrliche Worte an die Fans, was ihr jeder aufrichtige Headbanger mit Herz zugesteht. Steve Grimmet gehörte zu den besten auf der Bühne. Solch eine Persönlichkeit wie ihn der sogar in der Tat mit dem häufig zusammenhängend mit Lemmy genannten Krückstock und grauen Haaren beim KIT auf der Bühne stand, gibt es nicht allzuhäufig, auch der Swordbrothers Auftritt von 2013 bleibt unvergessen als diverse Fans auf die Bühne kamen und See You in Hell mitsangen, die Bühne wackelte gewaltig – legendär... - wie zahlreiche Momente auf dem KIT RISING II... die Gänsehaut erzeugten und mächtig viel heißes Feuer aus der Ursuppe des wahren Heavy Metal entfachten.

Dieser Tribut war es wert, ihn vollständig miterlebt zu haben. Steve Grimmett gehört schon aufgrund seines einprägsamen Organs zu den besten Heavy Metal-Sängern aller Zeiten und war auch eine fürs Genre nicht von der Hand zu weisend tragende Persönlichkeit. Wer gegensätzliches behauptet, beißt bei mir auf Granit!

Highlights des Tages waren der umwerfende Einstieg von KEV RIDDLE'S BAPHOMET, MYTHRA und HOLOCAUST waren gut, SARACEN legten einen  glänzenden Auftritt hin, den viele zusammen mit den großartigen SARACEN auch mein Gusto als Tageshighlight des Festival-Freitags betrachteten, der STEVE GRIMMET'S TRIBUT stand unter besonderem Aspekt. Einen Ausfall gab es am KIT Rising-Freitag definitiv nicht, es war lediglich der Auftakt zum Gipfeltreffen.

Samstag, 01.10.2022
Pannen, Dämonenpakt, Blitzkrieg, Abenteuer, Diamantenköpfe und Sachsen

Das viel zu lange Verweilen auf der Aftershowparty hat mir überhaupt nicht geschmeckt, die Nacht war etwas zu kurz für's Schlafen, dennoch komme ich Samstagmorgen erstaunlich gut in die Pötte, schaffe es gar zeitig meine Unterkunft zu verlassen, um pünktlich am Bahnhof zu sein, damit wir gleich früh ins Festival einsteigen können, soweit alles richtig gemacht, und was passiert? Ein Zugmalheur verhindert, dass ich die ersten drei Bands verpasse. Schwerer Regen macht es auch nicht besser, obwohl wir rechtzeitig am Bahnhof stehen, gerade im Begriff sind, eine Karte zu lösen, doch weil das Schienenfahrzeug eine sonst recht sichere Verbindung von Kirchheim nach Würzburg wegen technischem Defekt komplett ausfällt macht uns höhere Gewalt einen gehörigen Strich durch die Rechnung! Verdammt ärgerlich, *(seufzt*) da mir so ein gewaltiger Abriss, wie mir in der Halle vermehrt zu Ohren kommt, entgeht! Keine Chance, kannste nix gegen machen. - Shit Happens! Nachdem auch noch die Hälfte vom WITCH HAZEL-Gigs flöten gegangen ist, schlage ich nach reiflicher Überlegung lieber den schnellsten Kurs zum Asiaten ein, um für entsprechende Grundlage im Magen zu sorgen. Vegetarisches Essen schmeckt lecker und gesünder, somit geht es gestärkt in den harten Festivalsamstag, der zunächst mal recht verkorkst begann, eigentlich kann es danach nur besser werden... mein Weg führt direkt zur Posthalle um pünktlich bei DEMON PACT aufzuschlagen...

DEMON PACT
Erste Band des Tages sind nach dem blöden Zugmalheur DEMON PACT gegen 15:00 Uhr wobei nicht alle Mitglieder unbekannt sind, denn mit Drummer Iain Finlay (der u. a. bei RUNNING WILD zur Death Or Glory-Phase die beiden EP's Bad To The Bone'/'Wild Animal' einklöppelte) und der NWOBHM-Band AXON die Stöcke schwang, sitzt kein Unbekannter hinterm Schlagzeug, sondern einer, der's kann. DEMON PACT bringen fünfunddreißig viel zu schnell vorüber gehende Minuten eine skurille Mischung aus Hard Rock, Punk, Blues und Speed n' Roll auf die Bretter, die natürlich wie es sich für echte NWOBHM-Bands üblich - ihren ureigenen Stil samt Wiederkennungwert hat.



Zwar klaffen noch große Lücken in der Halle, doch an der Band liegt es nicht, sondern eher daran, dass den meisten DEMON PACT schlichtweg unbekannt sind. Die Hauptshow ist auf Gitarrist Richard Dickerson der nackten Oberkörper zeigt zugeschnitten, der mit kuriosem Gitarrenstil aus Rock n' Roll, Blues und Punk zwischendurch eine Kostprobe seines Könnens gibt, obwohl die Zeit dafür eigentlich viel zu begrenzt und schade ist. Nummern wie die Bandhymne „Demon Pact“, „Cry Witchcraft“, „Sick Child“, „Raiders“, „Physical Feedback“ oder „Take a Look around“ sind schon ziemlich speziell und nur wenigen bekannt. Vielleicht hat dieser kurzweilige aber überzeugende Auftritt daran etwas geändert.

BLITZKRIEG
sind eine sichere Bank wie eh und jeh, gleiches gilt für eine andere NWOBHM-Combo, zu der ich später komme. Dementsprechend voll wird es in der Halle, noch ehe auch nur der erste Gitarrenakkord erklingt. Brian Ross ist ein Frontmann, der zuden besten seiner Zunft gehörend sein Metier in und auswendig kennt. Als einzig verbliebenes Urmitglied seiner eigens von ihm gegründeten Band, sorgt mit schwarzer Brille bei selbstsicherer Bühnenpräsenz dafür, dass BLITZKRIEG stabil bleiben. TYSONDOG-Vocalist Alan Ross sorgt für die harten Riffs an der Sechssaitigen. KING OF THE WILD HUNT-Schlagzeuger Matt Graham bildet zusammen mit dem seit der Loud and Proud-EP bei BLITZKRIEG aktiv den Bass bedienenden Liam Alan Ferguson eine sehr gut harmonierende Rhythmussektion, während Nick Jennison sich im Duo zu Alan Ross hervorragend ergänzt.

Auch bei BLITZKRIEG stützt sich der Fokus auf das unerreichte eigentlich bereits für 1981 vorgesehene, jedoch erst vier Jahre darauf 1985 erschienene 'A Time Of Changes'-Debüt „Ragnarok“ - eingeläutet mit Sirenengeheul ehe das „Inferno“-Intro folgt) „Armageddon“, „Hell To Pay“ sowie der Titeltrack „A Time Of Changes“ sind sichere Garanten für eine völlig außer Rand und Band Fanmasse. Gruppenweise in die Luft gereckte Arme, geballte Fäuste und fliegende Mähnen geben ein hervorragendes den KIT-Festival-Spirit eindrucksvoll reflektierendes Bild. Die Gitarristen Alan Ross/Nick Jennison brillieren auf oberstem Top-Niveau, Bassist Liam Ferguson und Schlagzeuger Matt Graham geben dazu eine zentnerfett aufspielende Rhythmuseinheit, während Brian Ross' prägender Gesang das Publikum gewohnt sicher dirigiert. Eine restlos erlesene Setlist sorgt dafür, das BLITZKRIEG ihr Publikum und zugehörige Location im Sturm erobern. Auch „Buried Alive“ macht ausnahmslos klar, wer Chef im Ring ist. Die Halle tobt!  Ein internationales zeitweise die  Songs komplett am Stück mitsingendes Kennerpublikum macht den Auftritt zum echten Erlebnis, - so fühlt man sich unter Gleichgesinnten!

Im kantig robusten Hardrockmonster „Pull The Trigger“ geht es dann schwer ins Eingemachte dass zahlreiche Fäuste hochgehen und Langhaarmatten im Ambiente nur so Wirbeln, „Struck By Lightning“ ebenfalls in den 80ern entstanden und der bereits auf 80er-Halde liegende Powergroover „Take A Look around“ (zur späteren 90er-Bandphase als CD-Bonus der zweiteiligen 'A Time Of Changes Phase 1 Compilation hinzugefügt) lösen erneut exzessiven Headbanger-Alarm aus. Natürlich setzt die Bandsignaturhymne „Blitzkrieg“ wie keine andere wieder den überragenden Schlußpunkt unter einen beherzten Set des von Brian Ross zielsicher geführten NWOBHM-Fünfers. Eine der einflussreichsten, besten, mitunter kreativsten NWOBHM-Bands lieferte ihre blitz(krieg)saubere auf's zeitliche gemünzt viel zu kurze Vorstellung mit nachhaltiger Wirkung vom Allerfeinsten.
Was für ein mächtiger Abriss, der BLITZKRIEG in Bestform zeigte. - Killergig!

AVENGER
Da erwartet man nach dem grandiosen BLITZKRIEG-Inferno rein gar nichts, doch erstens kommt es anders und zweitens als Du denkst... Mit dem heute allein optisch per Irokosenschnitt markant auffallenden Frontsäner Ian Swift (früher trug er eine Lockenwallemähne!) haben AVENGER ein goldenes Los gezogen. Der pusht das Publikum dauerhaft, einschließlich zugehöriger Mitsingspielchen lässt sich von der Fanatmosphäre anstecken, ist restlos begeistert, hat Spaß auf der Bühne. Die Fans toben und fressen dem sympathischen Irokesenhaarschnittträger aus der Hand. Mr. Swift sollte für NWOBHM-Kenner kein unbeschriebenes Blatt sein. Mir kam er irgendwie gleich so bekannt vor... nach dem Gig fiel der Groschen - und zack! Die Vergangenheit reicht von ehemals SATAN...,TYSONDOG und ATOMKRAFT bis einst in Reihen von CARDINAL SYNNE zurück... da sammelt sich natürlich immens viel Studioerfahrung an, die Ian Swift gekonnt in die Waagschale wirft.

Die Band spielt sich mit jedem weiteren Stück angefangen von „Enforcer“ über die fulminante schon recht früh verschossene Heavy/Power-Speed-Granate „Run For Your Life“, den massiv schleppenden Stampfer „Steel On Steel“ das kraftvolle Hymnenpowerpaket „Victims Of Force“ oder Parallelen zu Combos wie HEAVY LOAD, LIZZY BORDEN oder SHOCK PARIS aufkommen lassenden Melodic-Smasher „Under The Hammer“ in gewaltigen Rausch. Alle Songs werden mit soviel Druck auf der Wumme bei unbändiger Spielfreude und wahnsinnigem 80er-Nostalgiefeeling rausgehauen, unglaublich was dieser phantastische Englandfünfer in Würzburg abliefert!Adrenalin fließt literweise durch die Venen im Körper. AVENGER schaffen es zwölf wie aus einem Guss klingende Songs in nur 45 Minuten unterzubringen, das Publikum derart heftig aus der Reserve zu locken, das es sich anfühlt, wie ein Stadiongig in kleinerer Location anfühlt woran Ian Swift dessen ausdrucksstarkes Stimmvolumen viel Kraft besitzt, nicht unschuldig ist. Einen derart beweglichen Sänger mit soviel dynamischem Stageacting auf der Bühne wie ihn wünschten sich viele Combos, denen solch eine von Charisma und leidenschaftlicher Hingabe vollständig beseelte Leitfigur fehlt. Jede Wortsilbe wird kraftvoll betont, hallt exzessiv nach. Ian Swift liefert eine Weltklasseleistung, für die man ihm nur danken kann. Nicht nur, dass er das zunehmend mehr sich in einenregelrechten Rausch rockend bangende Publikum dank seines immensem Charismamitreisst auch der eigene Bandkollegschaftsfundus wird blüht mit der Performance dieses tollen Frontmanns regelrecht auf. Das Gitarristenduo Liam Thompson/Sean Jefferies schüttelt serienweise kantige Riffs inklusive knackiger Soli aus dem Ärmel , Drummer Gary Young und Bassist Ian „Fuzz“ Fulton legen ein arschtightes Fundament, auf dem sich bauen lässt. Davor ziehe ich respektvoll den Hut. Super!

Ihren besten Songs haben sich AVENGER zum Schluß aufgehoben, das Doppel „Revenge Attack“/„To Wild To Tame“ trifft es richtig. Derart wild lassen sich die mächtig energie geladen auftrumpfenden AVENGER mit pausenlosem Schub nach vorn bei diesen zwei dynamisch fesselnden Powergroovern ebensowenig zähmen.Was für ein Geiles Brett! Kräftig schwitzend suche ich zunächst mal den nächsten Wasserhahn auf. AVENGER waren nicht nur ein Erlebnis sondern zugleich größte Überraschung auf dem KIT-Rising II... sie gehören nach einem von vorn bis hinten mitreissenden Gig zu den Glanzlichtern des Festivalsamstages der – soviel wird auf jeden Fall beim Blick auf's heutige Restprogamm erkennbar, - noch viel verspricht!

Nach geballtem BLITZKRIEG/AVENGER-Doppel gibt sich eine zum Kreis  der ältesten und somit am längsten aktiven NWOBHM-Bands zählende Veteranencombo die Ehre die Posthalle zu rocken... - Vorhang auf, - Ring frei für...

QUARTZ
Schon der kraftvolle Einstieg mit „Stand Up and Shout“ zeigt: QUARTZ wollen es wissen! Mit quirliger Songauswahl begeistern die gestandenen Herren auch jüngeres Fanvolk zunehmend mehr. Dass sie noch lange nicht zum alten Eisen zählen, zeigt sich sowohl am aktuell erst im Mai dieses Jahres 2022 erschienen Album 'On The Edge Of No Tomorrow', es wird auch daran sichtbar, dass Hard Rockgroovebonbons vom neuen Album 'On The Edge Of No Tomorrow' der Sorte „Night Of The Livin' Dead“und „Keep Up The Fight“ statt unterzugehen effektiv neben bewährtem Songmaterial älterem Datums wie „Charlie Snow“, „Bloody Fool“, „Wildfyre“, „Street Fighting Lady“ und „Satans Seranade“ bestehen, vom immer besser mit der Band warm werdenden Publikum genauso kräftig abgefeiert werden. Es liegt auch daran: Die Herren zeigen sich ungemein spielfreudig, haben mächtig Spaß am Rocken! QUARTZ bringen Stimmung ins Publikum.



Dass sie ihren Set mit deftig abgehendem Cover des unverwüstlichen BLACK SABBATH-Klassikers „Heaven and Hell“ beenden, rundet den engagierten Auftritt gelungen ab. Der gestandenen Veteranenriege muss ein enormes Maß an Respekt für diesen knackigen Auftritt gezollt werden. QUARTZ haben eindrucksvoll bestätigt, dass sie es immer noch drauf haben und heute so mancher Jungspundcombo mehr denn je zeigen, wie's geht. - Toll!

TYGERS OF PAN TANG
Nach dem QUARTZ-Gastspiel kommt mit der zweiten immer überall sicheren Bank im Billing den TYGERS OF PAN TANG noch so eine Band zum Zuge, die mich jedesmal auf's Neue völlig hin- und wegreisst. TYGERS OF PAN TANG-Spielfreude ist ein Elixier, das sich bereits nach dem ersten Song auf's Publikum überträgt, regelrecht ansteckt, schon beim Auftaktdoppel „Fireclown/Love Don't Stay“ fliegen reihenweise Herzen der Fans den TYGERS OF PAN TANG zu. Dassdie gerade in den letzten Dekade häufig in Deutschland auftretenden ziemlich omnipräsenten TYGERS OF PAN TANG wieder voll punkten würden, konnten sich gut geschulte NWOBHM-Fans im Prinzip denken, - und so verhält es sich auch!

Das Gitarrenduo Robb Weir/Francesco Marras ist top aufeinander eingespielt, die Rhythmussektion Drummer Craig Ellis unterstützt von dem auch bei CARDYNAL SYNNE/ HOLOSADE in die Saiten greifenden Bassisten Huw Holding ist wie erwartet top aufeinander abgestimmt. Shouter Jacopo Meille bringt bestens bei Stimme und bestechender Live-Performance plus dazugehörig ausgefallener Garderobe sein bekanntes Posenrepertoire zur Geltung. Der Mann versprüht mit elegant anliegender Weste auftretend soviel Witz, Coolness und Charme auf der Bühne – diesen Fronter zu erleben ist stets ein Erlebnis besonderer Art. Mit ihm als Bandmotor laufen die TYGERS auf Hochtouren. Kein Wunder bei derartiger Songauswahl... die immer variabel unberechenbar jedesmal komplett mitreisst.

Wie auf dem H.O.A. liefern die Engländer eine Wahnsinnsvorstellung, die mehr denn je unterstreicht: TYGERS OF PAN TANG sind heute sogar wesentlich stärker als in den 80ern. Mittels zahlreicher Liveauftritte steht hier eine perfekt eingespielte Fünfmanntruppe auf der Bühne. Sowohl altes 80er Material, prickelnde 90er-Kompositionen als auch packende Songs späterer Nach-Millenniumsära-Alben bringen traumhaft sicher mit packenden Mischung aus Hardrock, Heavy Metal, Blues und Speed n' Roll jede Bühne zum Beben! Wenn Fans bereits nach vier Songs lautstark „Tygers, Tygers, Tygers“ -Skandieren, zeigt dies nur umso mehr, wie hoch die Tygers in der Fangunst geklettert sind. Mit Festivalfetzern wie „Fireclown“, dem unverzichtbaren „Gangland“, „Slave to Freedom“. Spätestens als Jacopo die Bandhymne „Suzie Smiled“ breit grinsend mit den Worten dass der nächste Song von einer lächelnden Frau handelt, ankündigt, weiß das Publikum schnell Bescheid. „Hellbound“, der Blues-Rock n' Roll-Smasher „Don't Touch me There“ und das intensives Odeur versprühende Liebesparfüm „Love Potion No. 9“bringen kräftig Bewegung ins Publikum. Nichts neues, dafür bewährtes auf gewohnt mächtig beeindruckend starkem Level. - Ein Hoch auf die TYGERS OF PAN TANG... Rob Weir & Co. - immer überall jederzeit eine sichere Bank!

PAUL DI ANNO
spaltet die Gemüter. In den ersten Reihen wird Paule der im Rollstuhl sitzt, gleich zum Einstieg mit „Sanctuary“ von einer frenetisch abgehenden Fanschaar kräftig abgefeiert, doch je mehr es in Richtung Hallenmitte geht, desto mehr lichten sich die Reihen. Gesangstechnisch macht der Ex-IRON MAIDEN-Sänger seine Sache nach holprigem Start bei „Sanctuary“ und „Purgatory“ wo er öfters mal schief die Töne trifft, zeitweise richtig gut, obwohl er heute natürlich nicht mehr das Stimmbandvolumen früherer Zeiten hat, kann Paule mit seiner Crew den kultigen 80er MAIDEN-Klassikerstoff u. a. „Wrathchild“, „Prowler“, „“Murders In The Rue Morgue“, „Phantom Of The Opera“ nach Würzburg bringend, punkten.



Auch die Halbballade „Remember Tomorrow“ findet ihre dankbar mitgehenden Gemüter.„Genghis Khan“, „Charlotte The Harlot“, „Killers“ und „Transylvania“ sind weitere Zeugen glorreicher IRON MAIDEN-Vergangenheit. Welchem Evergreen bleibt es am Schluß vorbehalten, die Livesession zu beenden? Logo: „Running Free!“

Fazit: Wirklich schlecht war die Rückblende auf die legendäre IRON MAIDEN-Früh-Ära nicht, doch keineswegs überragend, dafür ganz ok mit gespaltener Publikumsresonanz.

DIAMOND HEAD
Die nächsten 60 Minuten gehören einer Legende aus dem Heavy Metal Mutterland. Nicht nur Leute, die erst durch METALLICA zu DIAMOND HEAD fanden, sondern in erster Linie Undergroundmaniacs, denen der Name dieser englischen für die NWOBHM so wichtigen Institution selbst ohne Metallica'sches Zutun schon lange vorher bekannt war, bekommen einen zeitlosen Klassikerset geboten, der den Legendenstatus von DIAMOND HEAD unterstreicht. Die Band erlebt ihren dritten Frühling, was auch der Tatsache geschuldet ist, das man seit geraumer Zeit fleißig tourend verstärkt Festivalauftritte absolvierte wo sich herausstellte das DIAMOND HEAD bei treuen NWOBHM-Fans nach wie vor unvergessen sind. Dieser Umstand macht sich gerade bei einer Band wie DIAMOND HEAD recht deutlich bemerkbar. DIAMOND HEAD gehörten zu den ersten Bands, die mit IRON MAIDEN in deren Früh-Zeit als sich die Iron's jeden Auftritt hart erkämpften in England auftraten. Entsprechend voll wird's im Bühnengraben, wo sich die Presse Kämpfe um die besten Plätze liefert.

Auch meine Wenigkeit hat regelrecht entgegen gefiebert, die Diamantenköpfe mit einem solch vollgepackten Klassikerset fokussierend auf ihr legendäres 'Lightning To The Nations' Debüt zu erleben, das übrigens wegen seiner Erstauflage im weißen Cover mit den Namensschriftzügen der Bandmitglieder unterschrieben auch'The White Album' heißt, obwohl sie mich schon beim Rock Hard Festival 2018 überzeugten. Auf zeitloses NWOBHM-Kulturgut vom unerreichten 'Lightning To The Nations Headbangen zu dürfen ist unverzichtbares Privileg für überzeugte NWOBHM-Lunatics. Gitarrenikone Brian Tatler ist Vollblutmusiker durch und durch, der seine Axt egal ob er nun die schwarze Flying V oder eine klassische Les Paul Gitarre in Händen haltend mit soviel inbrünstiger Leidenschaft bearbeitet, dass es fesselt.

Sänger Rasmus Bom Anderson macht live einen hervorragenden Job, der Däne blüht wie die gesamte Band bestehend im Line Up Brian Tatler Gitarre, Rasmus Bom Anderson (Gesang), Karl Wilcocks (Drums), Andy Abberley (Gitarre) und Dean Ashton (Bass) auf der Bühne richtig auf. Nach zunächst die Stimmung im Ambiente einem Testdurchlauf unterziehenden Eröffnungstriple „The Messenger“, „Bones“ und „Belly Of The Beast“ der zwei späteren Alben 'Diamond Head' und 'The Coffin' Train' die qualitativ an die Klassiker herankommen, ist das Publikum für den längeren Teil der Vorstellung bestens eingestimmt. 'In The Heat Of The Night' lässt den Spirit von 1982er Zweitwerk 'Borrowed Time' aufleben. Der Auftritt entwickelt sich wie ein Motor, der zunächst mit Anlaufschwierigkeiten, dann schrittweise besser in Gang kommt und schießlich mit Höchstleistung läuft.

Kaum ist das Eröffnungstriple vorbei, geht es Schlag auf Schlag. „Lightning To The Nations“ kommt als nächtes und wieder steigt der Stimmungspegel etwas an. Der einst von METALLICA gecoverte im unerreichten NWOBHM Original um Längen besser klingende Speed n' Roller „The Prince“, gefolgt von „Sucking My Love“ und „Sweet and Innocent“ heben den Stimmungspegel schrittweise bis zum ultimativen Höhepunkt, dem von zahlreichen Fans entgegen gefieberten Schlußklassikertriple „It's Electric“, „“Helpless“ und einem vor Hochspannung platzenden, von Düsternis umgeben die sich in brachiale Heavyness verwandelt, durch die Halle dröhnenden „Am I Evil?“, wenn alle Kehlen lauthals „Yes, I am!“ rufen! Gerade an diesen Stücken schälen sich wie bei „The Prince“ klare Parallelen zum METALLICA-NWOBHM-Nachfolger 'Kill em All' heraus, der ziemlich spezielle Stil von Gitarrist Brian Tatler, der im Alter fast noch fitter über die Bretter springt als zu jüngeren Jahren und das kraftvolle Schlagzeugspiel stechen besonders hervor. Die Halle kocht, - Momente in denen fast wortwörtlich die Luft brennt, gefühlt zeitlose HeavyMetal-History zum Erleben, heftig Abfeiern oder im Stillen Genießen. DIAMOND HEAD werden mit kräftigem Applaus auf einer Woge der Begeisterung in Würzburg entlassen, sie haben heftig den Kopf freigeblasen! Nach der Show bestens auf den Headliner eingestimmt, bleibt somit festzuhalten: Zeitloser Heavy Metal-Undergroundkult, der bleibenden Eindruck hinterließ. Wow!

SAXON
Auf den Headliner haben sich zahlreiche Fans gefreut, entsprechend voll wird es in der Posthalle. Alle wollen SAXON sehen. Wo bei DIAMOND HEAD sich noch somanch kleinere Lücke auftat, sind ehe das erste Gitarrenriff erklingt die Reihen geschlossen. SAXON gehören zu meinen alten 80er-Helden jener Sorte Bands, mit denen ich erstmals in Berührung kam und es gleich gezündet hat, ohne die Heavy Metal für mich undenkbar wäre. Die Engländer lassen sich gar nicht erst bitten, geben gleich mit der flotten Bikerhymne „Motorcycle Man“ mächtig Vollgas, gleiches gilt für das in historischer Epic schwimmende Titelstück„Carpe Diem“ (Seize The Day) vom bärenstarken aktuellen Studioalbum, dem sich mit dem kernigen Hard n' Heavy Rocker-„Wheels Of Steel“, dem Köpfe Füllenden treibenden Headbanger „Heavy Metal Thunder“, ein tempogedrosselt den langen Arm des Gesetzes ausfahrendes „Strong Arm Of The Law“ drei für jede SAXON-Setlist unverzichtbare-Klassiker anschließen. Das sich die Stahladlercrew nicht unterkriegen lässt, nie an Aufgeben zu denken gewillt ist, beweist ein deftig rausgefeuertes „Never Surrender“, dem in „Dallas 1 PM“ der John F-Kennedy-Tribut-Gedenktrack folgt... Sieben Killer zum Auftakt zu denen sich das treue KEEP IT TRUE-Publikum in einen Rausch Rockt und Bangt, zeigen wie gut die Herren Quinn/Glockler/Byford/Carter/Scarratt in Schuß sind... Biff Byford verfügt selbst im gesetzteren Alter über ein hervorragendes Stimmvolumen, das viele Sänger in der Kategorie in Verbindung zu seinem ausserordentlichen Charisma weit überstrahlt. Paul Quinn mal wieder riffen und soliderend erleben, der mit Doug Scarrat ein Bombengitarrenduo bildet, während Nibbs Carter und Nigel Glockler ein arschtightes Rhythmus-Fundament legen, ist eine Freude für Auge und Ohr, dazu noch Biff in Topform, da speit das Metalherz Funken und Feuer! Biff gibt auf der Bühne abgebrüht und routiniert den perfekten Entertainer, dessen Mimik und Gestik unwiderstehlich kumpelhaft ausnahmslos ehrlich wirken, jedes Publikum von 0 auf 100 ins Schwermetallische Paralleluniversum befördert, Mitsingspielchen eingeschlossen. Mächtig durch die Halle donnernde Schläge verteilt Drummer Nigel Glockler dessen kraftvoller Schlagzeugsound ziemlich laut, trotzdem hervorragend eingestellt ist, hinter der Schießbude. Zusammen mit Nibbs Carter am Bass bildet der Schlagzeuger eine perfekt harmonierende Rhythmussektion. Paul Quinn/Doug Scarratt ergänzen sich keinen Deut weniger hervorragend als kompromisslos riffendes, finessenreich solierendes ganze Kaskaden von Riffs aus dem Äxten feuerndes Saitenhexerduo, das hier soviel sollte auch dem letzten klar sein, sind gestandene Profis, die ihre Instrumente nach allen Regeln der Kunst beherrschen!

Die Byford'sche Kuttenshow zu „Denim And Leather“ gehört selbstverständlich dazu, das besondere an diesem Auftritt: Anstatt eines Battlejackets, welches sich Biff im Laufe des Vorstellung überstreift, sind es diesmal ein halbes Dutzend, die sich der Biffschen Tauglichkeitsprüfung unterziehen müssen und wie es auf dem KIT auch sein sollte, - alle bestehen, während eines humpelnd über die Ziellinie kommt. Auf einem dem von unterschiedlichen kleinen Patches plus zugehörigem Rückenaufnäher Battlejackets stellt Biff völlig verdutzt fest, das ein SAXON-Patch fehlt, (das würde mal gar nicht gehen!) doch war dies lediglich die Vorderseite. Mr. Byford wäre kein wahrer englischer Gentleman, der sich nach Sichtung anschließend höflich bei dem Fan dafür entschuldigt, da er tatsächlich auf der Rückseite der von ihm zunächst kritisierten Kutte (ohne SAXON-Patch drauf, wäre diese Kritik berechtigt!) noch einen SAXON-Patch findet, darüber hinaus einen auf dem Battlejacket entdeckten DIO-Patch zu würdigen weiß und gibt den abgetragenen Lappen seinem Besitzer zurück. Galant zeigt sich dergroße blonde bestens gelaunte SAXON-Frontsängerhüne von seiner besten Seite. Vorbildlich!

Biff spricht beim KIT-Publikum von einem besonderen Fanklientel, das auch großeBands wie SAXON wirklich nicht alle Tage haben und dass ihm dieser Gig auch sehr viel bedeutet. Das ehrliche Zugeständnis wird vom emotional berührten KIT-Auditorium mit donnerndem Applaus beantwortet. Danach kommen Wunschsongs, bei denen die Fans wählen dürfen. Überraschend ist endlich mal die von mir so lange schon erhoffte Anti-Kriegshymne „Broken Heroes“ dabei, deren emotional berührender Text anbetrachts momentaner Weltlage (Russland-Ukraine Krieg usw), gegenwärtig aktueller denn je ist, dass danach ausgerechnet die Christopher Cross-Schmonzette „Ride Like The Wind“ das Rennen des nächsten gewählten Songs macht, verwundert hingegen sehr. Zeit, schnell noch mal ein Getränk zu holen... ehe mit der fulminante Speedbreaker „20.000 Ft“ aus den Verstärkern dröhnt um die Köpfe der Fanmasse freizublasen. Als einen Song den sie schon das erste Mal beim Monsters of Rock 1981 spielten, kündigt sich „And The Band Played On“ an, ehe bei „Crusader“ die Legende neu geboren, Schwerter gekreuzt werden und nahe zu gigantische Atmosphäre in der Halle liegt, während anschließend der alte Früh-80er Charthit (747) „Strangers in The Night“ die gesamte Halle zum Toben bringt!

Der schleppende vor tonnenschwerer Epic triefende Nostalgiehammer„Pilgrimage“ vom aktuellen Album fügt sich als kraftvoll schwerblütige durch den Äther schwebende Livebombe hervorragend ins Geschehen, bis es schließlich dem unverzichtbaren „Princess Of The Night“ vorbehalten bleibt, den tempoforcierten Schlußpunkt einer Wahnsinnsvorstellung zu markieren. Superber Abgang eines denkwürdigen Abends auf dem Keep It True-Rising II. SAXON haben dem phantastischen Festival-Samstag das ultimative I-Tüpfelchen aufgesetzt.

Fazit: Totaler Triumphzug der Stahladlercrew vor erlesenem Kennerpublikum. Passend zum bärenstarken neuen Album 'Carpe Diem' waren SAXON (zusammen mit einer am Festival-Sonntag das Gesamtambiente komplett auseinander nehmenden Combo unangefochtenes Maß aller Dinge, daran gibt es nichts zu rütteln! „It is you, to set the Spirit free!“ Mit diesem Triumphzug haben SAXON den Festivalsamstag als in sämtlichen Belangen verdient gefeierter Headliner beschlossen. Der beste SAXON-Auftritt seit langem klingt es mir noch in den Ohren... einige Stimmen sprechen diesbezüglich von den letzten 20 Jahren... was ehrlich gesagt etwas übertrieben ist, da heißt es - auf dem Teppich bleiben, Leute!  SAXON waren schon immer eine geballte Livemacht auf der Bühne, selbiges gilt für die letzten 20 Jahre, in denen sie beeindruckende Livesessions abrissen, was sie u. a. auf dem Hurrican-Headbangers 2005 bewiesen, auch den Ruhr-Pott dreizehn Jahre später beim Rock Hard-Festival 2018 mit geballter Kraft in Grund und Bodenröhrten. Vom besten SAXON-Gig seit zehn Jahren zu sprechen trifft's deutlicher. Herausragend, was die Stahladlercrew leistete, um das KIT-Rising II mit strammer im Wind wehender Flagge als Sieger zu verlassen.The Eagle has landet... Der Adler ist gelandet! - „Fill Your Head with... - Heavy Metal Thunder!“ Carpe Diem... seize The Day! The Legions Of The Eagle will not fall!

Mit dieser Setlist eroberte die Stahladlercrew das KIT-RISING II:
1.Motorcycle Man
2.Carpe Diem (Seize the Day) (live debut)
3.Wheels of Steel
4.Heavy Metal Thunder
5.Strong Arm of the Law
6.Never Surrender
7.Dallas 1 PM
8.Denim and Leather
9.Broken Heroes (The audience could choose... more )
10. Ride Like the Wind (Christopher Cross cover)
11. 20,000 Ft
12. And the Bands Played On
13. Crusader
14. 747 (Strangers in the Night)
Zugabe:
15. The Pilgrimage (live debut)
16. Princess of the Night

Anschließend gibt’s wieder Metalklassiker vom Band, um die letzten Feierwütigen in den Sonntag zu schicken.

Sonntag, 02.10.2022
Titanen mit Klauenhufen treffen Satan zum Drachenflug des Kriegers

Schlechte Zugverbindungen an abgelegenen Orten sind gerade an Sonntagen ein immenses Problem. Diesmal harmoniert alles glatter, frühere Anreise und kein Zugausfall nur die zwei ersten Bands IRON FATE und TENTATION gehen uns flöten, danach wird kantig ins Programm eingestiegen. Regen bestimmt erneut am Sonntag die Wetterlage, was mich rein pesönlich nicht stört. Typ: Hairy Monster...

TYTAN
auf dem Headbangers leider ausgefallen, wird nun der in Brande schmerzlich vermisste Gig amtlich nachgeholt und wie alle beiden sowohl auf dem KIT wie HEADBANGERS weiß auch der dritte Auftritt vor kleiner umso frenetischer am Gig teilhabenden Fangemeinde zu überzeugen. TYTAN haben mal wieder einen neuen (den mittlerweile neunten!) Gitarrist, nachdem der verhältnismässig lange sechs Jahre von 2015 – 2021 in Reihen der Band aktive MIDNIGHT MESSIAH-Saitenhexer Dave Strange nicht mehr dabei ist. Der neue Sechssaitenschwinger heißt Chris Borsberry habe hier zugegebenermaßen mal recherchiert, da bei solchem Gewurschtel keiner wirklich mehr durchblickt (sic!). In dem neuen der Chris Borsberry heißt, haben sie einen Gitarrist, der sowohl krachend rifft als auch explosiv soliert, was der Band richtig Würze verleiht. Möglicherweise ist das der Grund, warum TYTAN mit ihrem kauzverquerten Sound ein überschaubar kleines Fanklientel ins Posthallenambiente ziehen, dass der Band treu die Stange hält. Die Mannschaft ist übrigens (Keyboarder Andy Thomposon ausgenommen) mit dervon KEV RIDDLES BAPHOMET identisch. In Tony Coldham, der den Gesang übernahm, steht ein routinierter Stimmbandästhet als ehemals Mitglied bei MINAS TIRITH/THE DEEP MACHINE am Mikro, dessen Organ prima zum emotional geprägten Songmaterial passt. Andy Thompson bedient seit zehn Jahren das Tasteninstrument, macht einen banddienlichen Job. Die zweite feste Bandkonstanteneben Urmitglied Kevin „Skids“ Riddles erzeugt band dienliche Sphärensounds, die auch ohne aufdringliche Wirkung ihren Effekt erzielen. Für sattes Drumming bei dem zuletzt Bandline line Up mässig extrem schwer ins Straucheln geratenen
Titanen sorgt KEV RIDDLES BAPHOMET/ MOURNBLADE/SATAN'S EMPIRE-Klöppler Garry „Magpie“ Bowler.

Der Speed n' Roller „Cold Bitch“ ist so ein Stück, dessen Text grenzwertig anmutet, doch in der Bangerschaft nie seine Wirkung verfehlt. „Blind Men and Fools“ in der Mitte zu servieren erweist sich als richtiger Schachzug, ebenso den Hymnenrocker „Money For Love“ einzubauen, „Woman on the Frontline“ rockt flott zugleich locker. den vielleicht heaviesten Effekt versprüht hingegen das tempogedrosseltste TYTAN-Stück die Halbballade „Forever Gone“ löst Gänsepelle im Quadrat aus, die Melodie von „Far Side Of Destiny“ lässt sich im Schlaf nachpfeifen. TYTAN sind wie sich schon beim KIT 2012 oder beim H.O.A. 2016 herausstellte, eben nicht für die breite Masse bestimmt, das erlesen kleine Fanklientel welches TYTAN abfeiert, weiß nur allzu gut warum...

Undergroundiger geht’s nicht mehr! Hoffentlich haben das auch selbst ernannte Szenepäpste geschnallt, die sich immer mokieren, Underground-Metal wäre nicht underground genug, dafür qualitativ halbgare US-Power Metalbands abfeiern als wären solche Truppen die Heilsbringer von Morgen, aber TYTAN nicht kennen! „The Ballad Of Edward Case“ röhrt dreckig mit gnadenlos direkter auf's Maul Attitüde einschließlich schräger Gesänge im Mittelteil aus den Verstärkern um der Fanschaar noch einmal kräftig etwas auf die Lauscher zu geben. Das ein echter Titan so schnell nicht bezwingbar ist, zeigte sich auf dem KIT-Rising II erneut. Verdienter Applaus des treu ergebenen Fankreises ist ihnen sicher. TYTAN haben Eindruck auf dem KIT RISING II hinterlassen, obgleich größere Bands folgen.

TORCH
Schwedenstahl alter Schule im Sinne von ACCEPT liefern die schon mehr das Ambiente füllenden als wiederauferstandene (Underground)-Legende und zu den dienstältesten Schwedenmetalformationen gehörenden 1979-80 kurz BLACK WIDOW sich nennenden danach bei dem Namen bleibenden TORCH. Die gute altemehr in Richtung Teutonen denn Schwedenstahl tendierende Mischung aus alten Bandstandards und Songmaterial jüngeren Datums heizt ordentlich an. „Knuckle Duster“ vom aktuellen erst zwei Jahre zurückliegenden 2020 'Reignited'-Output fungiert als Opener, dem nur noch „Collateral Damage“ in der Setmitte hinzugefügtwird. Einen Kollateralschaden erhält der sich zunehmend steigernde Auftritt nicht. Dafür sorgt schon die sicher eingespielte Gitarrenfraktion bestehend aus Chris J. First/Hocky Nyström und Ian Greg am tieftönenden Viersaitenlangholz. Komplettiert von Ex-BLACK WIDOW-Drummer Steve Streaker dessen präzise Schlagzeugarbeit seinen Vorderleuten Feuer unterm Hintern macht und Lasse Gudmundsson der auch als Sänger bei der Stockholmer Heavy Metalband REVELATIONS hinterm Mikro steht, präsentiert sich ein straight zu Werke gehendes Quintett, dass nach holprigem Start zunehmend besser wird.

TORCH verkaufen sich gut, machen das einzig richtige, nur zwei Stücke vom aktuellen Reignited-Album zu spielen, um den überwiegenden Teil ihres zeitlich begrenzten Livesets auf bewährtes Material der Vergangenheit zu konzentrieren. „Electrikiss“ vom nicht mehr so starken Zweitling selbigen Titels überzeugt wie auch „Mercenary“ zu finden auf der ganz frühen 1982er 'Fire Raiser'-EP. Den Löwenanteil stellt das gleichnamige 1983er-Debüt 'Torch'. „Beauty and the Beast“ (Hymne!) „Battle Axe“ kommt als massives Riffmonster, das Proto-Speedgeschoss „Watcher Of The Night“, der von markantem Riff flankierte Rocker,„Sweet Desire“ und zum Schluß ein krachendes von Backgroundvocals mitsamt futuristischer Note umrahmtes „Warlock“ röhren kompakt heavy und kantig - in jeder Hinsicht fett robust, was von den Fans entsprechend reflektiert wird. Nach fünfundvierzig Minuten traditionellem Oldschool-Heavy Metal aus bewährter Schwedenstahlschmiede ist das treue KIT-Publikum bereit für weitere Bands.

CLOVEN HOOF
Auf den Gig hat sich das verfassende Individuum dieser Zeilen schon so gefreut und entgegengefiebert als CLOVEN HOOF für das KIT Rising II-Festivalbilling angekündigt wurden. Um 16:20 Ortszeit steigt meine Spannung: CLOVEN HOOF sind an der Reihe. Statt eines reinen fast ausschließlich Debütbezogenen 80er-Sets verteilt die Efeublattcrew acht zwischen NWOBHM und klassischem Power Metal gestrickte Hymnen von den drei frühen im Zeitfenster zwischen 1980 – 1989 entstandenen Alben 'Cloven Hoof', 'Dominator' und 'A Sultans Ransom'. Vor Überraschungen ist man bei dieser Combo nie sicher. Womit würden CLOVEN HOOF also beginnen... (?) Zunächst mal mit einem neuen Sänger! Der langhaarige Amerikaner George Call u. a. (ASKA, BANSHEE, VIOLENT STORM) soviel wird schon beim ersten Blick auf die Bühne klar - ist nicht mehr mit von der Partie, sondern (sofern die Informationen aus einigen Internetforen der Wahrheit entsprechen), wegen grenzwertiger Äußerungen aus der Band geflogen, dessen Posten nun Chris Dando besetzt, der leidenschaftlich und mit viel Herzblut singend auch das Keyboard übernimmt. Alle Posen des Mannes mit der (obgleich nicht so ganz auf's Festival passen wollenden) LAMB OF GOD-Kappe sitzen traumhaft sicher wie aus dem ff. Bandurgestein Lee Payne einzig feste Konstante bei CLOVEN HOOF ist motiviert, wieder auf der Bühne zu stehen, bearbeitet seinen Viersaiter demonstrativ als wolle er sagen: Seht her, hier bin ich!CLOVEN HOOF sind zurück wie der Phönix aus der Asche - seine Position als zweiter Vocalist gibt ihm recht. Wo der neue stimmlich nicht hinkommt übernimmt Lee Payne's raukehlig röhrendes Organ den Part unterstützender Vocals. Und es ist nicht aus der Luft gegriffen: Früher trug Payne den Beinamen 'Air' = Luft weil er auf dem gleichnamig wie die Band lautenden Debüt das Element für die Himmelsrichtung Osten (Luft) verkörperte.

Im Gitarreninferno des dramaturgischen Auftakts „The Gates Of Gehenna“ gibt’s gleich zu Beginn mächtig auf die Ohren, danach herrscht ausnahmslos Hymnen-Alarm! Das von mächtig röhrenden Gitarrenwänden und heroischem Gesang dominiertes „The Fugitive“ macht das starke Auftakttriple komlett, dem sich die erste Sci-Fi-Hymne im Set, „Nova Battlestar“ anschließt, ehe sich zur Mitte als die Bandhymne „Cloven Hoof“ kommt, der Spannungsfaktor deutlich erhöht, was auch am bewusst mittendrin eingewobenen einer alten traditionell aus England kommenden Natureligion huldigenden Part liegen mag, die Augenblicke zeitlos magischen Flairs ins Ambiente zaubert. Wer eine Chaotische oder durchschnittliche Show erwartet hat reibt sich verwundert die Augen. CLOVEN HOOF präsentieren sich als gefestigte Einheit, was gerade in jüngerer Vergangenheit nicht immer der Fall war. Bandurgestein Lee Payne wirkt bis in die Haarspitzen motiviert was sich auf seine Vorderleute überträgt, die einen hammermässig fetten Gig abreißen! Das Gitarrenduo Chris Cross/Luke Hatton feuert aus allen Rohren, was die Äxte hergeben, Ex-EXCALIBUR-Schlagzeuger Mark Bristow bildet als Gegenpart zu Bassist/Vocalist Lee Payne eine druckvoll aufspielende Rhythmusabteilung. Das tolle Stimmungslevel im Schnittmengenfeld zwischen NWOBHM und Power Metal balancierenden Jünger des Bocksbeinigen wird mit der starken Braveheart-Gedenkhymne „Highlander“ gehalten. „Astral Rider“ dessen Refrain frenetisch von den Fansmitgesungen wird, knallt als zweite Sci-Fi-Hymne im Set genauso heftig wie alle Vorgängerstücke. Hymnenhafter Gesang im vierfach Chorus „Nightriders on the Astroplanes...“ das packt die härtesten den Refrain lautstark fleißig mitsingenden CLOVEN HOOF-Fans heftig, bis „Laying Down The Law“ neben der Bandsignaturhymne wohl bekanntester Track vom Debüt abermals pure Begeisterung auslöst, was den Fanpulk noch richtig zum Durchdrehen bringt!



Die treibende von gewaltig Energiebschub voran getriebene Power Metal-Knallerhymne „Reach For The Sky“ laut Ansage von Chris Payne keinem geringeren als dem verstobenen Steve Grimmett (R.I.P.) der laut ihm ein echter Krieger war, zu Ehren gewidmet, wird zum Schluß erneut kräftig von der mächtig abgehenden Fancrowd mitgesungen, und sorgt mit ihrem lautstarken Hall durch's Ambiente für den überrasgenden Schlußpunkt eines grandiosen Gigs! ehe die Klauenhüfigen Kämpfer zu Recht verdientermaßen mit tosendem Applaus, „Cloven Hoof, Cloven Hoof“, Cloven Hoof“ -Schlachtrufen und lautstarken Zugabeforderungen bedacht von der Bühne geschickt werden. Was für ein megasteiler Auftritt! Nach dieser Klassevorstellung braucht ein sich wie auf Wolke Sieben fühlender danach nur noch Sterne... und Nightriders on the Astroplanes sehender Rezensent dringend Pause. Danke Sebastian, - phantastisch - wir haben das Ding zusammen gerockt!

Zweimal purer Underground-Teutonenstahl steht nach kurzer Umbaupause auf dem Programm. Sackenass bis auf's Shirt durchgeschwitzt und ausgepowert heißt es besser Kräfte sparen. Nachmittagsprogramm ist rum, der Abend wird noch lang...

GRAVESTONE
Carl Orffs Carmina Burana läuft ersteinmal feierlich vom Band, noch ehe sich GRAVESTONE zunächst mit dem Rücken zu den Fans auf die Bühne stellen. Das diese Band ursprünglich aus der Progressiven Rock-Ecke kommt ist vielleicht nicht jedem bekannt, deutet sich jedoch bei Spannung aufbauenden Stücken progressiver Ausrichtung („Tiger“,) vermehrt an. Die Band sucht in den ersten Minuten zunächst nach ihrer Form, taut spätestens mit „The Tiger“ zunehmend auf, ab der Hälfte ist das Eis gebrochen, während das hungrige Publikum frentisch auf GRAVESTONE anspringt.

Der näselnde Gesang ihres beweglichen Frontmanns Berti Majdan der als einziges Original-GRAVESTONE-Mitglied übrig blieb, besitzt ein Muster von besonders ausgeprägtem Wiederkennungswert. Bei Ansagen vom Typ „And now, we are „Creating a Monster“ bricht sich zunächst balladeskes an seeliges 70er SCORPIONS-Balladenflair gemahnender Atmosphärentouch Bahn, ehe flott riffend im Hymnenhaften Stadionhardrock-Stil gerockt und das Publikum aufgefordert wird, in die Hände zu klatschen. Als echter Gegenkontrast dazu folgen zügige Heavy Rock n' Roller vom Kaliber „Won't Stop Rockin'“ oder „Back To Attack“. GRAVESTONE werden mit jedem Song sicherer,spätestens ab Hälfte vom Set bei „Sitting On A Bench“ von einem kleineren Teil der Fans in der Halle mitgesungen, damit springt der Funke endgültig auf's Publikum über, die Band wird heftig abfeiert. Berti Majdan lässt sich zwischendurch auch ein „Ihr seid Super, Danke!“ entlocken, um den Hard Rock-Groover „The Hour“ anzu kündigen, erneut dürfen die Fans im Takt mitklatschen, zwischendurch werden „hey, hey, hey“ Sprechchöre angestimmt, danach folgt mit den zackigen Schlußdoppel „I love The Night“ und der zum tempoforcierten Ausklang kräftig vom Publikum mitgesungenen Bandhymne “Rock n' Roll Is Easy“Tonight (!) das beste vom ganzen Set.



Berti stimmt beim letzten Song das Publikum für den Mitsingpart ein, die von ihm ans Publikum gerichtete Forderung lautet: „Strengt euch an! Ich bin ein alter Mann und muss mich auch anstrengen...“ sympathisch ehrlicher geht's nicht mehr, das Publikum holt letzte Kraftreserven aus sich heraus und gibt am Schluß nocheinmal alles. GRAVESTONE waren an passender Stelle im Sonntags-Bandbilling platziert ein interessantes Erlebnis. Klasse!

TYRANT
Haben GRAVESTONE mit ihrem klassisch geschulten Hard Rock schon ganz ordentlich vorgelegt, liegt es nun in Händen des zweiten dem Grabstein folgenden Teutonenmetal-Lommando, die Flamme des Heavy Metals erneut zu entfachen. TYRANT zeigen, dass es neben ACCEPT, HELLOWEEN, GRAVE DIGGER und TRANCE noch andere Combos in den 80ern gab, die dem Begriff 'Teutonic Steel' entsprechend kaum schwächere Qualität als die Nationalen Szene Zugpferde auf dem klassischen Heavy Metalsektor seinerzeit boten. Die Süddeutsche Heavy Metalcombo zählt zu den Bands, deren Undergroundkultstatus hierzulande damals in den 80ern wie heute ungebrochen ist, was auch der fulmiant loslegende Power-Speed Einsteiger „Free For All“ in aller Deutlichkeit unterstreicht! „Blood Suckin' Woman“ donnert ebenso begeisterungsfähig von diesen bereits 1981 gegründeten Teutonenstahlveteranen von fließenden Twinleadsoli flankiert aus den Verstärkern, ehe der stimmungsvoll melancholische Mittelpart das Tempo extrem runter fährt, nur um danach wieder gewaltig Fahrt aufzunehmen. Das treu auf TYRANT eingeschworene Publikum ist von der sich zwischen Heavy und Speed bewegenden Livesession begeistert.



Kurze Ansagen, - volles Programm (!) lautet das Motto des Teutonenstahlfünfers, der trotz knackiger Songansagen von Kerrmit nicht viel wertvolle Zeit vertrödelt. Das 'Running Hot'-Album mit grottenschlechtem Coverartwork (allein bei dem Gedanke daran verdrehen sich damals wie heute die Augen!), bleibt vollkommen unberücksichtigt, obwohl sich mitunter manch brauchbarer Song darauf befindet. Der TYRANT-Liveset gleicht einer Art 'Best of' der Alben 'Mean Machine', „Fight For Your Life' und 'Ruling The World', auch der schleppende Epic-Stampfer des letzt genannten Albums gleichnamiger Titel bringt zahlreich Fäuste in die Luft.

Weitere Heavy/Speedhämmer im Hymnengewand Marke „Killercat“ sowie der sich zwischen Speedorgie und Stampfer bewegende Faustrecker „Fight For Your Live“ und selbstverständlich die Ohrwurmhymne „Metal Rules“ - einer d e r wichtigsten Heavy Metal-Signatursongs seinerzeit – das ist echter, knietief bis zu den tiefsten Wurzeln zurück reichender Oldschool-80er Teutonenstahl-Underground was hab' ich das Stück damals abgefeiert (!) worauf unübersehbar das Prägesiegel 'Made in Germany' prangt, der trotz langer Bandabstinenz treue Fans hat, was ein begeisterungsfähiges die Band aus zahlreichen Kehlen lautstark unterstützendes Publikum in der Posthalle nur allzu deutlich macht!

Klassisches bereits in den 80ern vertretenes Posing von Sänger Kerrmit, der sich in Sachen Optik nur wenig verändert hat, seinen Mikroständer dabei symbolisch in dieLuft hält, wenn sein Bassist Chris Peterson daneben steht und wie in alten Zeiten post, gehören bei TYRANT auf der Livebühne dazu wie die Butter auf's Brot. Die fast in unveränderter Formation auf den Brettern stehende Band weckt Erinnerungen an jene weit zurück liegende Ära als der Metal-Underground in der BRD es trotz qualitativ wertiger Alben schwer hatte, sich auf dem international sehr gut bestückten Konkurrenzfeld zu behaupten. Leder, Tiger, Leoparten, Blockstreifen-Spandexhosen waren frisch in Mode. „She Makes Me Hot“ der zweite Song vom epischen 'Ruling the World'-Album rifft scharfkantig, TYRANT es sich kurz vor Schluß erlauben mit „Spacetrain“ einen neuen Song vorzustellen, und werden dennoch vom zahlreich anwesenden Publikum abgefeiert. Dass Teutonenstahlbands auch international schwer angesagt sind beispielsweise in Spanien, Portugal oder bei zahlreichen Fans aus Südamerika gewaltigen Status genießen, macht deren Anwesenheit sowie die kräftige Unterstützung beim Gig nur allzu deutlich. „Making Noise and Drinking Beer“ zeigt, wieviel Spaß die Fünf auf der Bühne haben, obwohl sie hochkonzentriert zu Werke gehen, mit „Wanna Make Love“ gibt’s noch von den Fans in der Halle lautstark geforderte Zugabe. - Eine echte Teutonenstahldemonstration. - Großartig!

Beide Bands GRAVESTONE und TYRANT haben ein wichtiges Kapitel zeitge- schichtlichen Teutonenstahl auf dem Keep It True-Rising Revue passieren lassen und wieder auf den Pfad der Gegenwart - ins hier und jetzt zurückgeführt. - Wow!

SATAN
fangen da es mal wieder Probleme (kennen wir noch vom Bro-Fest 2014)mit dem Flieger gibt, keine Ahnung woran das liegt, steckte wohl der Teufel im Detail... Einem Teil der Headbangerschaft, die nicht zeitig dagewesen wäre, kommt die zeitliche Verschiebung sogar entgegen. Unabhängig der Verzögerung sind SATAN einfach nur spielerisch brilliant und höllisch höllisch gut. Die teils auch zum Protospeed gezählte NWOBHM-Kultcombo gehört zu den Bühnenlivemächten mit hoher Konstanz auf die stets Verlass ist, da beißt sich die Maus keinen Faden ab.

Allein das unschlagbare Gitarrentandem Steve Ramsay/Russ Tippins ist jeden Auftritt des Englandfünfers wert. Erwartungsgemäß steigen SATAN mit dem schon tausendfach kampferprobten „Trial By Fire“ in den Set ein, und bringen sofort Stimmung in die zur drittletzten Band am KIT-Samstag erheblich vergrößerte Menschenmenge. An den Qualitäten von Frontmann Brian Ross, der so sicher wie bei BLITZKRIEG das Mikro schwingt, gibt es ohnehin keinen Zweifel, der strahlt soviel Professionalität aus und schafft es bodenständig zu bleiben, was nicht jedem Musiker so absolut ehrlich gelingt. Und wer eine derart erfahrene Rhythmussektion bestehend aus Bassist Greame English (auch bei SKYCLAD aktiv) und Drummer Sean Taylor (heute bei WARRIOR und ehemals Ex-BLIND FURY, RAVEN und wie drei weitere Bandmitglieder bei den zwischendurch für Furore sorgenden PARIAH aktiv), kann im Prinzip nur gewinnen. SATAN haben sowohl ihre bisherigeFanbasis gehalten sich mit ihren späteren vier Alben ab 2013 zahlreich neue Fans erspielt, weshalb es ein bunt gemischtes zahlreiches Fanvolk in die Halle zieht. Demzufolge können sie es sich locker leisten, eine Setlist bestehend aus frühen 80er-Zeiten und Material der Nach-Millenniums-Ära seit 2010 der Alben 'Life Sentence'/'Cruel Magic'/'Earth Infernal') zu offerieren, - eine Mischung, die stattnach hinten loszugehen, ausnahmslos vorwärts prescht vom headbangenden, faustballenden und staunenden KIT-Fanklientel begeistert aufgenommen wird.

Starkes Kraftfutter der schnelleren älteren Bauart („Trial By Fire“, „Blades of Steel“ und jüngeren Datums – der von akustischem Gitarrenspiel eröffnete Speed n'Roller „The Doomsday Clock“, „Twenty Twenty Five“) bringen das Publikum in Ecstase zahlreich Fäuste zum in die Luft gehen, wofür Brian Ross der da Publikum zm Faustrecken anstrachelt, sorgt, und Köpfe zum Headbangen. „Break Free“ „Into The Mouth Of Eternity“ und „Testimony“ schließen sich an, - alle Stücke waren bereits in der KIT-Setlist 2019 enthalten, sind immer gesehene Gäste im SATAN-Liveset, zu denen sich in „Burning Portrait“ und „From Second Sight“ bei dem Stück fragt Brian Ross der sein Publikum gewohnt sicher führt, sich für keinen lockeren Spruch und Joke zu schade ist, sich gar eine auf die Bühne fliegende Kutte übergestreift und fragt, ob die Fans für ihn singen wollen... (?) zwei über kräftig Stehvermögen verfügende Kompositionen aktuellsten Kalibers gesellen. Das am Ende wieder ein Bandklassiker vom 1983er 'Court in the Act'-Debüt steht, der ebenfalls auf dem KIT 2019 serviert wurde, überrascht keineswegs. Die zwischen tempogedrosselt und rasanter Geschwindigkeitsaufnahme gestrickte Riffsalve lässt das Publikum am Ende abermals heftig abgehen, soviel nostalgische Erinnerungen werden geweckt. Der Stimmungspegel ist nocheinmal deutlich nach oben geklettert. SATAN sind und bleiben eben eine Liga für sich. Die NWOBHM-Institution hat ihren Job wie so häufig schnörkellos gemacht, alles am Samstag vor ihnen auftretende trotz teils umwerfender Leistungen in die Schranken gewiesen.

RIOT V
Wie hoch der Bekanntheitsgrad von RIOT V ehemals RIOT in den letzten zehn Jahren geworden ist, dokumentieren zahlreiche Festivalshotouts, bei denen RIOT Verfolgreich aus Sieger aus der Schlacht hervor gingen. Bei derartigem Hitpotential kann überhaupt nichts anbrennen. Da es sich um einen Klassikerset für das gesamte'Thundersteel'-Album handelt kann eigentich nichts schiefgehn. Allein mit dem alles niederreissenden viele Matten und Köpfe in mörderischer Geschwindigkeit rotieren lassenden Speedfeger „Thundersteel“ als Einstiegsopener zu starten, ist schon recht gewagt das können sich nur wenige Bands leisten. Solche Bands müssen einen entsprechend hohen Status haben. Auf RIOT V deren Status seit sie Todd Michael Hall als Sänger in ihren Reihen wissen, trifft dies defintiv zu, was diegrößte Zahl der Anwesenden Fans eindrucksvoll bestätigt. RIOT V haben genug Material, das vom ersten bis letzten Takt ausnahmslos fesselnd von frenetisch feiernder Riesenfankulisse begeistert mitgesungen wird, inklusive eindringlicher Ohohoho-Singalongs bei dieser Tribut-Setlist zum besten RIOT-V Album einem Referenzwerk für's Genre - kochen zahlreich Emotionen in der Posthalle über! Todd Michael Hall ist nicht nur ein stimm-, sondern auch ein wortgewaltiger Frontmann, der das Publikum sicher im Griff hat und mit seinen Ansagen ins Schwarze trifft. Die Gitarrenfration Mike Flyntz/Nick Lee brilliert meisterhaft an den Sechssaitigen, scharfkantige Riffs, lässt flirrende Soli von der Kette, Bassist Don Van Stavern die obligatorische Mütze auf dem Kopf post öfter mal am Tieftöner mit den Gitarristen um die Wette, Drummer Frank Gilchrist klöppelt präzise wie ein Uhrwerk. Professioneller als bei RIOT V wo jeder Ton sitzt, ist es kaum noch möglich, klassischen Heavy/Power/Speed Metal mit gelegentlichem Hard Rock-Anteil zu spielen. RIOT V werden ihrer Position vollauf gerecht!

Ein internationales Publikum aus verschiedenen Ländern steht bei RIOT regelrecht Kopf. Über den unantastbaren Klassikerstatus des 1988er 'Thundersteel'-Albums bedarf es ohnehin keiner vielen Worte. RIOT V sprengen unabhängig der mit Abstand höchsten Besucherzahl des Festival-Sonntags jeglichen Rahmen. Ihr Tributeset für den Albumklassiker ist überwältigend, löst gigantische Reaktionen einschließlich extremer Gänsehaut im dauerhaft sich bewegenden Publikum aus. Schon bei der Midtempogroovehymne „Fight Or Fall“ werden zahlreich Fäuste und Hörnergabelnin die Luft gereckt. Midtempogroover Der tempogedrosselte Hard Rockstampfer „Signt Of The Crimson Storm“ gehört wie gewohnt zu den unumstößlichen Standards im Set. Beim Hymnengrower „Sign Of The Crimson Storm“ bebt die Halle! Weitere Faves „Flight Of The Warrior“, „Bloodstreets“ und „Johnny's Back“ sind wieder am Start. Es herrscht gewaltiger Betrieb, jetzt bedarf die angekratzte Stimme mitsingkompatibler Wartung, - da genügt selbst Ricola nicht! Ein Meer aus Fäusten, Gehörntenzeichen und fliegender Mähnen breitet sich im Ambiente aus, die Stimmung ist gewaltig, der Saal kocht... selbst vor den Getränketheken und Randbereich der Signing-Station für Tonträger, Shirts, Kutten Patches etc. wird abgefeiert dass es kein Halten mehr gibt, Ein international bestücktes Publikum diverser Fans unterschiedlicher Länder gerät völlig außer Rand und Band! „Bloodstreets“, „Run For Your Life“, „Victory“... „Magic Maker“... sorgen für weitere Lichtblicke, „Swords and Tequila“ wird von der gesamten Halle inbrünstig mitgesungen, „Warrior“ beendet schließlich einen herausragenden Headlinerauftritt, der überhaupt keinen Wunsch offen ließ.

Prädikat: Erstklassig auf oberstem Top-Niveau! Der ultimative Festivalabräumer hat alles weggefegt bis auf die nach RIOT V kommend letzte Band; zunächst kurze Umbaupause, dann steht ein rotzräudig derbes Rumpeltrio auf der Bühne...

Mit dieser Setlist lieferten RIOT V ihren durchweg packenden Set:
1. Thundersteel
2. Fight Or Fall
3. Sign Of The Crimson Storm
4. Flight Of The Warrior
5. On Wings Of Eagles
6. Johnny's Back
7. Bloodstreets
8. Run For Your Life
9. Buried Alive (Tell Tale Hart)
10. Victory
11. Magic Maker
12. Swords and Tequila
13. Warrior

VENOM INC.
zelebrieren danach eine einzige Vernichtungsorgie im Sinne kompromissloser Original-VENOM-Show, deren zeitlicher Sprung ins Jahr 1984 zurückreicht. Rotzräudig brutal gibt’s dauerhaft 'auffe Fresse', wie der Ruhrpöttler sagt, 'datt datt ma klar is'! Schlagzeug und Gitarren sind bis zum obersten Anschlag auf volle Lautstärke eingestellt. Was während dieser gefühlt 90 Minuten aus den Verstärkern dröhnt ist an Brutalität, Kompromisslosigkeit, Intensität und ungeschliffen rauer Derbheit nicht mehr zu überbieten. Dem entsprechend gut ist die Posthalle Würzburg selbst nach überdimensionärem RIOT V-Gastspiel gefüllt.

Melodisch, Powerspeedig? Mitnichten! VENOM INC. sind nicht RIOT V. Ganz anders geht es das Trio VENOM INC. bestehend aus ATOMKRAFT-Shouter/Bassist Demolition Man, der im Zeitraum von 1989 - 1992 beim infernalischen Trio VENOM als Bassist/Vocalist das Ruder übernahm, Ex-VENOM-Gitarrist Mantas und dem bei vielen Bands u. a. RIPSPREADER aktiven Drummer Warmachine an, dessen Ziel lautet, im zwei bis maximal drei-Akkorde Takt alles in Grund und Boden zu spielen, wie es MOTÖRHEAD als einst lautestes, dreckigstes und räudigstes Trio der Welt zu tun pflegten. So geht heftig rumpelnder Lärm! Gitarre, Bass und Schlagzeug alles weitere ist überflüssig, mehr als dieser drei Grundlagen bedarf es nicht, eine Location amtlich zu zerlegen. Das haben VENOMINC. im Dauermodus getan. In der Halle ist es trotz starker RIOT V-Vorstellung unerwartet voll, und egal wie sehr VENOM von Gegnern bereits in den 80ern als übler Lärm Krawall bezeichnet werden... ihre Musik wird selbst wenn das Original schon lange nicht mehr ist und auch die Erben irgendwann in der Kiste liegen, Generationen von Metalfans begeistern, selbst wenn wir einmal alt und grau geworden sind...

„Midnight, Sixty Sixty Six...“ lautet eine der wichtigsten Leitzeilen von den drei Säulenheiligen der Kunst, die anfangs an ihren Instrumenten nicht allzuviel konntenund es mit ihrem Geschrammel zum nicht mehr wegdenkbaren Kult brachten. Es zeigt, du must nicht perfekt sein um ein knallhartes (BlackMetal-Thrash)-Album auf die Reihe zu kriegen, sondern ausnahmslos ungeschliffen roh und mit Dreck unter den Fingernägeln auf die zwölf geben... VENOM INC. tun es genauso wie ihre Vorbilder ohne Zusatz 'INC', obwohl mit deren Ex-Gitarrist Mantas noch ein Original-Mitglied in deren Reihen steht. „Witching Hour“, „Black Metal“, „Die Hard“, „Leave Me in Hell“, „Countess Bathory“, „The Seven Gates Of Hell“, „Buried Alive“, „Welcome To Hell“... „War Head“, „Stand Up and Be Counted“, „Rip Ride“... soviel Klassikeralarm bedarf keiner Beschreibungen.



Das Publikum headbangt auf Teufel komm raus, gröhlt, krächzt, brüllt, schreit sich die Lunge aus dem Leib, frenetisches Headbangen inbegriffen. Wer noch ein beinahe komplett authentisches (nur das Leadsolo bei VENOM INC. geriet daneben) „In League With Satan“ zustande bringt, hat fast alles richtig gemacht. Auch „Schizo“, „Sons of Satan“ und „Bloodlust“ plätten mit purer Brachialgewalt so ziemlich alles. Was für ein zentnerfett dargebotenes Oldschoolgerumpel! Das am Ende die Instrumente (Gitarren, Bass, Schlagzeug) wie beim 80er-Vorbild von den drei Musikern in ihre Bestandteile zerlegt werden bestätigt nur das zutreffende Fazit..:- Pure Zerstörung!

Gesamtresumeé:
Ich weiß nicht, wie's euch geht: Herausragende Gigs legten SAXON und RIOT V auf die Bretter, VENOM INC haben alles in Schutt und Asche gelegt. Auch wenn häufig bei der schreibenden Kollegschaft von einem überragenden RIOT V Gig die Rede ist, sollte berücksichtigt werden, dass kleine Bands denen lediglich die Hälfte der Spielzeit zur Verfügung stand, phantastische Gigs gelangen, die im Gedächtnis haften bleiben. – CLOVEN HOOF haben ein extrem steiles heftig supergeiles komplett am Stück packendes Gastspiel in der Postalle gegeben! Da darf man natürlich wie es dem guten Lee Payne passiert ist, mal auf den Hintern fallen. Ist völlig Latte, wenn das Gesamtergebnis stimmt, - hat es definitiv - und war so nicht unbedingt zu erwarten - obwohl ihnen nur die Hälfte einer Headlinergesamtspielzeit von 45 Minuten (!) zur Verfügung stand, bleibt dieser Live-Hammer im Gedächtnis, den die zwischen kantiger NWOBHM und arschtight druckvoll weggezockten Power Metal-Attacken schwadronierenden Klauenfüße in Würzburg abrissen. SARACEN und die STEVE GRIMMET TRIBUTE-Show sorgten für Highlights am Festivalfreitag. SATAN und TYGERS OF PAN TANG waren eine gewohnt sichere Bank. Ausfälle gab es keine, den ein oder anderen schwächeren Gig sicher eine wirklich schwache Band war nicht dabei, obgleich Geschmäcker und Prioritäten der Live-Acts, die es mitzunehmen gilt, bei solch erlesenem fast mehr als zur Hälfte verstärkt einem Bro-Fest ähnelnden Billing verschieden sind. KEV RIDDLES BAPHOMET steigerten sich gegenüber dem ordentlich bis guten, um ein vielfaches weniger zahlreich frequentierten Headbangers-Gig auf dem KIT-Rising enorm. MYTHRA, HOLOCAUST, AVENGER, DIAMOND HEAD, BLITZKRIEG und TYTAN brachten den Geist der NWOBHM in die Posthalle nach Würzburg. Auch PAUL DI ANNO enttäuschte nicht. DEMON PACT sorgten mittels quirliger Mischung kurzweilig für interessante Unterhaltung. Die Schwedenstahl Oldschool-Legende TORCH hielt, was sie versprach, das Teutonenstahlcombo-Doppelpack GRAVESTONE/TYRANT war sehens- und erlebenswert. Leute (!) Das Ding kommt so schnell nicht wieder... Erlebnis besonderer Art: Nach dem AVENGER-Gig begegneten mir noch Sänger Ian Swift und Gitarrist Sean auf dem Weg zur Theke es ergab sich ein lockeres Gespräch mit den zwei sympathischen Briten. Beide nahmen sich anschließend Zeit meine Kutte zu signieren und mir in bester Feierlaune gar noch ein Getränk zu spendieren. - Momente, wie man sie nicht oft erlebt, gern in Erinnerung zurück behält. Wer dieses Wochenende sausen ließ hat viel verpasst! Für das gesamte 3-Tages-KEEP IT TRUE-Rising-Festival obwohl es wegen der Masse kultiger Acts zeitweise anstregend war, gibt's nur ein Prädikat: - MEGAPHANTASTISCH!

Vor dem Jahrhundertfestival darf man getrost den Kniefall zelebrieren! Großartig, was hier geleistet wurde. Oliver Weinsheimer & der gesamten KIT-Rising Crew – kann man für dieses Superbe KIT Rising II mit soviel qualitativ Hochwertigen Heavy Metal Acts aus den Bereichen NWOBHM, Teutonenstahl, Dänen und Schwedenstahl sowie US-Metal, welches in dieser Konstellation zum Jahrhundertkult wurde nicht genug danken! Licht, Sound, Kameraführung und Festivalflair lagen im oberen Grünbereich. Dem höflich zuvorkommenden Thekenpersonal in der Posthalle und einem freundlichen Security-Team gilt es an dieser Stelle ebenfalls zu danken. Das war ein MEGAgigantisches-KIT-Rising II-Wochenende,  wie es in solcher Konstellation kein 2. Mal vorkommend nicht mehr zu toppen ist. - Hammergeil! Geschätzt ca. 2000 - 2.200 begeisterte Heavy Metal Fans, aus verschiedenen Ländern, können sich wohl nicht irren! Würzburg schrieb ein zeitloses Kapitel unverzichtbarer Heavy Metal-Geschichte und wir waren live mit dabei: Michael Toscher und Melissa Hart

Geschrieben von: Michael Toscher
Fotos: Michael Toscher und Melissa Hart


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