JOE BONAMASSA - Mannheim

05 joebonamassa mannheim 05Konzert vom 05.05.2023

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JOE BONAMASSA

Die Popularitätskurve geht beim Bluesgott immer weiter rauf, die Hallen werden immer größer. Ein Zeichen, dass man sich bei Musikliebhabern nachhaltig empfehlen kann, obwohl viele Anwesende älter als der Barde selbst gewesen sein dürften. Ab und zu rief einer alte Veranstaltungsorte dazwischen, JOE BONAASSA bekannte, dass er sich noch daran erinnere. Er weiß, wer ihn so groß gemacht hat und zeigt sich demütig. 4.000 Leute waren in der SAP Arena, die wurde zwar halbiert, aber das war auch egal, das Halbrund gab eine gute Kulisse. Gerade erst kam seine neue DVD „Tales Of Time“ auf den Markt, im letzten Jahr war er schon in Deutschland, der Mann ist „on fire“.

Was ebenso für seinen Auftritt gilt, bei dem er vom ersten Moment da war und sofort losrockte. Wieder ohne seine Bläser kamen deren Parts aus den Harmonien von Tasten und den mittlerweile zwei Gitarren. Kumpel Josh Smith besetzte den linken Flügel und durfte für zwei Soli sogar nach vorne. So war der Sound gewohntermaßen voll und gut ausbalanciert, bei der Lautstärke nicht immer selbstverständlich.
An dem Abend schien er sich etwas vorgenommen zu haben, denn die Spielzeit dauerte länger als zuletzt. Was nicht daran lag, dass er mehr Songs im Gepäck hatte, sondern daran, dass er bei jedem ausgiebig jammte und sein Können unter Beweis stellte. Dabei sollte er sich auch mal vor Augen führen, dass sein Können mittlerweile auch seine Stimme umfasst, die so warm, so melodisch rüber kam und immer mehr an Profil gewinnt In der Hinsicht fühlt er sich immer noch unsicher oder stapelt bewusst tief.

Nicht nur seine Fähigkeiten standen im Vordergrund, sondern auch die seiner Bandkollegen, die allesamt zu Meistern ihres Fachs gehören. Allen voran der Mann, der ebenso weit vorne platziert ist wie er, dem der Witz, die Spielfreude und die Altersweisheit aus den Augen schaute, die keineswegs aussahen als hätten sie 75 Jahre gesehen. Wie leicht Reese Wynans immer noch die Finger über das Roland-Piano sausen lässt, ist ganz großes Kino, egal ob gefühlvoll oder im HonkyTonk-Trab, er fand stets den richtigen Ton. An der Orgel kaum weniger brillant war es nicht verwunderlich, dass Joe bei der Bandvorstellung alle Zuschauer bat, für diese Legende aufzustehen. Wie er die Leistungen seiner Band zu schätzen weiß, ist ein ganz großes Geheimnis hinter dem Zusammenspiel.

Jeder auf der Bühne versuchte den anderen in Szene zu setzen, freute sich über die dessen glanzvolle Beiträge. Calvin Turner blieb zwar stoisch auf rechts, doch der Viersaiter fand den Zug sowohl zu Wynans als auch zu Lemar Carter an den Drums und durfte zudem auch solistisch aktiv werden. Mit der ersten schwarzen Rhythmusfraktion kommt mehr Groove in das Ensemble, was schon auf der DVD zu sehen war. Carter tanzte fast hinter seinem Kit, spielte oft im Stehen, verfügt aber über genug Punch für den rockigen Drive. Im komplett ausufernden ZZ TOP-Cover am Ende des regulären Sets konnte er sich bei einem nicht minder ausgiebigen Solopart so richtig austoben, bei dem er Swing und Groove beibehielt.

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Die Hinwendung zu einer eher schwärzeren Version des Blues manifestierte sich ebenso in der stärkeren Einbindung der beiden Backgroundsängerinnen, während Mahalia Barnes zuhause blieb. Nicht nur waren sie prominenter im Klangbild vertreten, sie durften auch mal die Leadrolle übernehmen und waren weit mehr als tänzelnde Staffage im Hintergrund. Vor allem bei der Bearbeitung des COCO MONTOYA-Evergreens machten Danielle DiAndrea und Jade McRae ordentlich Party auf ihrem Riser, wobei die Rockabilly-Schlagseite sicherlich dazu beitrug. Als Kontrast lieferte die OTIS RUSH-Nummer im Anschluss sehr schleppenden ursprünglichen Blues. Beide bisher nie gespielten Songs bezeugten die große Bandbreite, die das Ensemble authentisch zu interpretieren wusste.

BONAMASSA wurde ja öfter vorgeworfen seinen Blues mit einer sehr weißen Weste zu spielen, an dem Abend zeigte er wieder mehr Hinwendung zu den Wurzeln. Dem fielen viele Auszüge seines aktuellen Albums „Time Clocks“ zum Opfer, gerne hätte man dann Titeltrack oder „Loyal Kind“ gehört, aber der Mann weiß immer zu überraschen. Egal, was er tut, er wirkt unantastbar und an dem Abend zeigte er einmal mehr, warum er als Klassenbester gilt.
Wie er da vorne die Rampe abschritt, seine edlen Spielgeräte etwas von sich weg gehalten, damit ihm jeder besser auf die Finger schauen kann, offenbart seine pure Leidenschaft. Hinter seinem oft strengen Blick blitzte die Spiellaune nur so hervor. Atemberaubend wie immer seine Technik, mit der er die sechs Saiten mühelos dehnte, das Tempo nach Belieben variierte. Die Posen zurückhaltend aber emotional schien der Genius mit seinem Instrument verschmolzen.

Bei den Ansagen herrschte wie gewohnt lange Funkstille, dann brach der Redeschwall los. Dabei unterhielt er sich auch direkt mit den Zuschauern, speziell am Ende als die Menge nach vorne strömen durfte. Hier gab sich der Anzugträger sehr kumpelhaft, die Stimmung auf der Bühne war ebenfalls gelöst trotz der hochkonzentrierten 130 Minuten. Als er vor der Zugabe fragte welchen Song das Publikum hören wollte, wenn es nur einen Wunsch hätte kamen ein paar „Freebird“-Rufe.
Nicht nur weil ein Gitarrist von SOUTHBOUND REBELLION anwesend war, sondern der Musikliebhaber an sich gleichwohl geschichtsbewusst wie gewitzt ist. Natürlich kam der Coversong, der einer der wichtigsten Bonamassa-Scheiben ihren Titel lieh, und welchen er sich komplett zu Eigen gemacht hat. Das Feuer, die Emotionen, all das fand sich hier einmal mehr in Vollendung, und das Solo am Ende konnte wie immer das härteste Herz erwärmen. Die Gitarre sang für uns, die SAP-Arena hob, während einen die Noten umarmten.

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Setlist JOE BONAMASSA:
Evil Mama
Dust Bowl
Love Ain´t A Love Song
Selt-Inflicted Wounds
The Heart That Never Waits
I Want To Shout About It
Double Trouble
I Didn´t Think She Would Do It
A Conversation With Alice
Happier Times
Lonely Boy
Just Got Paid
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Sloe Gin

 

Weitere Bilder von der Show gibt es >hier<


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