WARRIOR SOUL - Saarbrücken
Konzert vom 29.01.2026
Support: SHAYTAN
Homepage:
WARRIOR SOUL
SHAYTAN
Etwas überraschend kam die Ankündigung, dass die alten Post Punk-Recken auf Tour gehen würden. Kory Clarke, seit der Reunion allein federführend, hatte zwar vor Jahren einen ziemliche Veröffentlichungsdrang, doch zuletzt war es still um ihn. 35 Jahre „Drugs, God And The New Republic“ mussten dann als Motto herhalten, um sich mal wieder in der Republik sehen zu lassen. Diesmal fand auch das Konzert in Saarbrücken statt, welches beim letzten Anlauf 2011 leider der schwachen Nachfrage zum Opfer fiel. Und auch diesmal war vor dem Kleinen Klub der Garage selbst bei verspätetem Einlass wenig los, wenn man bedenkt, dass AIRBOURNE die große Garage ausverkaufen. An dem Abend gaben die lokalen Doomer von SHAYTAN den Opener.
SHAYTAN
Wenn man für eine Band mit einem derartigen Ruf eröffnen darf, nimmt man natürlich einiges in Kauf, so bauten die Jungs ihr Equipment erst auf als die Zuschauer schon reingelassen wurde, um dann quasi ohne Soundcheck loszulegen. Als weiteres Hindernis erwies sich das Fehlen des zweiten Gitarristen Jochen Klose, der krankheitsbedingt passen musste. Schade, handelt es sich hierbei um einen alten Kollegen vom früheren Magazin des Verfassers.
Die Saarlouier gingen sehr unprätentiös auf die Bühne mit Alltagsklamotten, bei denen vor allem das „Dirt“-Shirt von Frontman Julian Küster auffiel, aus der Zeit als der Headliner am Durchstarten war. Sofort schien man das Riff zu erkennen, aber der Groove von „Children Of The Grave“ währte nur kurz, aber gewaltig, bevor man sich dem eigenen Material widmete. Selbst hier ging man nicht auf Nummer sicher, brachte viele neue Stücke vom kommenden Album wie „Left Hand Path“ und „Cresent Moin“.
Das war den allerwenigsten vertraut, auch wenn einige Freunde der Band vor Ort waren. Bisher steht „Chapter One“ zu Buche, von dem es „Lieder wie „Speaking In Tongues“ gab. Allen gemeinsam waren die schweren prägnanten Riffs von Jan Paul, die sich klar an amerikanischen Vorbildern wie ST. VITUS aber auch neueren Bands wie MOS GENERATOR orientierten. Die bretterten und schleppten sich angenehm aus den Boxen, die für die Umstände relativ klaren Sound lieferten. Gerne hätte man diese im Doppelpack gehört, wenn zwölf Saiten wohl für noch mehr Druck gesorgt hätten.
So lag es am Bass, den sich Küster sehr hoch hängend umgeschnallt hatte ein wenig anzuschieben. Hinter der Schießbude groovte Schiko lässig, wenn er auch hätte etwas mehr ausbrechen können in einigen Momente, grade bei den Soli. Jene waren passend zum Hauptact etwas psychedelisch angehaucht, wobei die Verbindung beider Szenen eher auf der Haltung beruht. Interessant war vor allem der Klargesang, der eine charakteristische Note besaß und etwas Eigenes in die Kompositionen einbrachte.
Dem Genre entsprechend war das Stageacting nur rudimentär, selbst auf der kleinen Bühne wäre mehr gegangen als sich ein paar Mal vorm Schlagzeug zu versammeln. Im Vordergrund stand der starke musikalische Vortrag, auf den sich SHAYTAN konzentrierten. Präzise rollten die Riffs über das Publikum hinweg, dass leider wenig zurückgab. Vielleicht waren die Ansagen auch etwas zu brav, aber ich denke, das ist nicht unbedingt das Ding dieser Formation. Schön jedoch zu sehen, wie vielfältig die Szene im Saarland ist.


WARRIOR SOUL
Etwas lange ließ die mittlerweile sehr international besetzte Truppe auf sich warten, was ihr am Ende etwas auf die Füße fallen sollte. Nach gut einer halben Stunde erklommen die vier Instrumentalisten auf die Bretter, jammten sich in das altbewährte Intro rein, bis der gute Kory sich zu ihnen gesellte und die Parolen skandierte. Sofort war auch das Auditorium da, wenngleich die Reihen doch etwas licht waren, Saarbrücken muss man mal verstehen. Nachdem das Dröhnen verklungen war, ging im wahrsten Sinn der Punk mit dem JOY DIVISION-Cover ab, für einige gab es von da an kein Halten mehr.
Welch eine Intensität den Raum füllte, welch ein Druck, welch ein Feuer diese Band entfachte. Unfassbar auf den Punkt hämmerten sie auf ihre Arbeitsgeräte ein, auch wenn der übersteuerte und extrem laute Sound einiges verschluckte. Bewegung war zwar angesichts höherer Personalstärke nicht, aber das hielt die Mucker nicht vom Posen ab. Rhythmusgitarrist GG The Fox riss immer wieder seine Les Paul hoch oder bangte synchron mit dem Publikum. Neben ihm legte Christian Kimmet an den Vier Saiten auch eine enorme Spielfreude an den Tag, und schien sich nur schwer im Zaum halten zu können.
Gänzlich außer Rand und Band natürlich der Frontmann der zu Beginn mit Sonnenbrille auf die Bühne kam. In seinen Lackschuhen tänzelte er über die Bühne und war mindestens ebenso oft auf einer Box vor der Bühne zu finden. Wenn er dann in die Luft kickte flogen die Fransen seiner Hose umher, ein Wunder, dass er niemand am Kopf getroffen hat. Optisch machte dann das ebenso wagemutige Kreisen des Mikrofons den Siebzigerrockstar perfekt.
Sein Auftreten absolut exaltiert, ständig die Arme gen Publikum ausgestreckt, um seine Botschaften hinaus zu brüllen, formte sich öfter der Mittelfinger, der einigen ungeliebten Zeitgenossen gewidmet war. Seine Wut, seinen Schmerz legte er nicht nur in seinen Gesangsbeitrag, manchmal windete er sich auf dem Boden, ließ keine theatralische Geste aus, einiges grenzte an Selbstverletzung.
Ein manischer Performer aus dem Lehrbuch, dem man jede Silbe abnahm, der sich wie ein Irrer gebärdete, damit aber das Publikum mitnahm. Dabei war es auch positive Energie, die kathartisch wirkte, denn den Freuden des Lebens war er nie abgeneigt, und prostete permanent mit dem Glas Rotwein. Seine Stimme so rau wie das Leben, was aber bei den Vocals wunderbar mit seinen Kompositionen harmonierte.
Die politischen Statements beließ er jedoch in deren Lyrics, und hielt keine langen Lamentos zwischen den Songs. Aber dass es in Clarke brodelte war weder zu übersehen, noch zu überhören, da hilft nur laut dagegen anzusingen. Und in der Disziplin gibt es kaum einen besseren als ihn. Seine Mitstreiter legten dafür das packende Fundament, auf dem sich der Mann austoben konnte. Mit welcher Eindringlichkeit diese stoischen Post Punk-Riffs nach vorne drückten, zu denen Rikard Lundell unnachgiebig bangte, war mitreißend, man konnte nicht umhin es ihm gleich zu tun.


Die fanden sich meist in Titeln des Albums, welches der Tour den Titel gab, von dem insgesamt sieben Stücke den Weg ins Set fanden. WARRIOR SOUL bewiesen ihre große stilistische Vielfalt, so gab es vom hymnischen Debüt auch mehrere Kracher, die speziell Drummer Ivàn Tambac mit seinen perfekt getimten Breaks pushte. Da standen die Fans mit erhobener Faust und skandierten inbrünstig mit, wenn getragene Melodien nicht ihre Arme und die des Frontmanns weit öffneten.
Andere Stücke rockten wiederum straight nach vorne und ab und an verlor sich die Band sogar in psychedelischen Welten, die den Raum tränkten. Hier hatte vor allem Leadgitarrist Lundell seine großen Auftritte. Bei vielen Soli gab er eher den typischen Guitar Hero, was nicht unbedingt ins Konzept passte, die wilde Mischung dennoch bereicherte. Teils verströmte er gar bluesiges Feeling und blieb selbst beim irrsten Posing absolut sicher an seinem Stratocaster.
Klar lebte der Gig nur vom Ruhm früherer Tage, den Anhängern war das indes egal, zu stark das frühe Material, bei dem auch die Mittneunziger-Scheiben zum Zug kamen. Hier wurde Rock´n´Roll in seiner rotzigsten Form dargeboten, wild und aufrührerisch, da sage nochmal wer, dass Rockmusik keine Relevanz mehr hätte. Es hätte ein Konzert für die Geschichtsbücher werden können, da stimmte einfach alles, auf und vor der Bühne hatte jeder so richtig Bock hier an dem Abend zu feiern.
Doch nach 85 Minuten ging die Band von der Bühne und kam trotz minutenlanger Forderungen nicht wieder. Keine Ahnung was für eine Misskommunikation es mit dem Curfew gab und warum der so früh erfolgte, doch auf der Setlist standen noch ein paar Songs. Vor allem das Fehlen von „Love Destruction“ schmerzte dann doch und hinterließ eine Lücke, die alle Anwesenden endgültig ins Nirwana katapultiert hätte.
Setlist WARRIOR SOUL:
Intro
Interzone
Drugs, God And The New Republic
Charlie´s Out Of Prison
The Party
Shock Um Down
Jump For Joy
Rocket 88
Hero
Punk And Belligerent
Love Is A Drug
Cargos Of Doom
We Cry Out
Downtown
Losers
The Wasteland



