LAZULI - Neunkirchen

03 lazuli neunkirchen 05Konzert vom 21.03.2026

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LAZULI

Das alte Hüttenareal im saarländischen Neunkirchen wird immer mehr zum Anlaufpunkt für Musikkultur, vor allem Proggies kommen beim Frühjahrsprogramm auf ihre Kosten. Schon beim AIRBAG-Konzert im Herbst wurde man via Plakat auf die französischen Avantgardekünstler aufmerksam gemacht. Die haben knapp drei Jahre nach „11“ mit „Etre Et Ne Plus Etre“ ein neues Werk veröffentlicht, mit dem sie nach eineinhalb Jahren wieder auf ausgedehnte Tour gehen. Da kommt man in dem Genre mittlerweile kaum mehr an dem schön aufbereiteten alten Industriegelände mit Konzertlocations, Restaurants und Kino vorbei. Vornehm war die Alte Gebläsehalle bestuhlt, als LAZULI pünktlich um20 Uhr die Bühne enterten.

Support Acts hat man bei der Formation eher selten, wobei die Frage erlaubt sei, wer zu ihnen passen würde, irgendwie jeder und doch wieder niemand. Was bei der Spielzeit von zwei Stunden und zehn Minuten allerdings wenig ins Gewicht fiel. Dabei machten es die Leonetti-Brüder und ihre Mitmusiker den Zuschauern nicht einfach, indem sie ihre gerade erschienene neue Platte komplett aufführten. Nicht am Stück, sondern über das Set verteilt, wobei der titelstiftende Opener auch den Reigen eröffnete. Und direkt war man hineingezogen in die außergewöhnliche Magie jenes Brüderpaares, dass im Do It Yourself-Verfahren alles selbst in die Hand nimmt, vom Instrumentenbau auf ihrem Hof in Südfrankreich bis zum Merchandise durch Dominique´s Sohn.

Dieser war wie gewohnt Mittelpunkt der Show und agierte als Frontmann mit dieser ungewöhnlichen Ausgelassenheit, welche die Truppe auszeichnet. Die Haare immer hin und her geschwenkt im Takt der wogenden Songstrukturen, tänzelte er leichtfüßig auf der Bühne herum. Dabei wechselte er ständig sein Instrumentarium, schon bei zweiten Stück kam die Ukulele zum Einsatz. Neben ihm rotierten auch bei Leadgitarrist Arnaud Beyney die Spielgeräte, von der Les Paul zur Halbakustischen, um dann wieder mit dem Bass den Kompositionen Tiefe einzuhauchen. Bei ihm war ebenso dieses Tänzeln zu sehen, mit denen sich die beiden auch gerne aufeinander zu bewegten, wobei er bis auf die Zugabe einen breitkrempigen Hut trug.

Aufgrund seiner verletzungsbedingten Behinderung war der zweite der Bandgründer bekanntermaßen in seinem Radius eingeschränkt. Diese zwang ihn einst dazu ein auf ihn zugeschnittenes Instrument zu entwickeln, das er die ganze Zeit auf seinen Oberschenkel stützte, während er auf dem Barhocker saß. Optisch an den Chapman Stick erinnernd gehen damit die Töne stufenlos von der Hand, was sich der Fachmann klanglich zwischen Mellotron und Slidegitarre einordnen würde. Hinten hat Romain Thorel seinen Nord 6 nach vorne gekippt, damit ihm die Anhänger genau auf die Finger schauen können, wenn er seine Pianolinien laufen lässt, oder Synthesizerflächen schweben.

Interessant auch die Konfiguration des Kits von Vincent Barnavol, der mit drei Ständern auskommt, die hinter Plexiglas verschanzten Becken weit ausstellt. So mancher Metaldrummer fährt ähnlich aus, würde aber einen massiven Käfig drumherum bauen. Dabei geht der Mann deutlich filigraner vor und weiß mit seinen Breaks die progrockende Seite zu betonen. Ab und an geht er an den mittleren Riser, um die Marimba, eine Art Xylophon zu bedienen, zeitweise übernimmt der Tastenmann derweil seine Sticks. Oder begibt sich nach vorne an die Rampe, wo er einem Waldhorn die ungewöhnlichsten Klänge entlockt. Hier sind die meisten Effektgeräte platziert, partiell kommen da orientalische Klänge heraus und verorten es in einem völlig anderen Kulturkreis.

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LAZULI verstanden sich seit jeher als Vermittler zwischen Kulturen und nehmen Streitigkeiten und Kulturkampf in ihren Texten in Angriff. So finden sich hier folkloristische oder Ethnoklänge aus allen Herren Länder ganz ungeniert neben französischem Chanson wieder. Durchmischt war das Programm wie erwähnt nicht unbedingt, neben dem aktuellen Album fanden sich noch vier Nummern aus dem Vorgänger. Lediglich ihre zwei großen Hits gab es von den vorherigen Werken, wobei das Publikum das Thema vom letzten Song des regulären Sets nach dessen Ende weitersang.
Thorel und Barnavol nahmen dies auf und jammten minutenlang gekonnt, wobei sie ihren Jazzbackground offen zur Schau stellten, während die drei anderen Pause hatten. Das Bild kehrte sich um, als Dominique Leonetti dann ein Lied alleine auf der Klampfe darbot. Nach dem Schlusssong von „Etre Te Ne Plus Etre“ wurde die Marimba vom Podest gehoben und in der Mitte der Bühne platziert. Obligatorischer Abschluss die Zusammenkunft an dem Instrument, das von allen bearbeitet wurde, die dabei einige Songs in dem Arrangement zitierten.

Hier kam dann auch diese besondere Verbindung zwischen den Bandmitgliedern zur Geltung, immer wieder scherzten sie miteinander. Während des Gigs fiel ihnen das etwas schwer, die Größe der Bühne sind sie nicht gewohnt, der Rahmen nicht so intim wie sonst. Dafür bekamen die Projektionen auf der Leinwand sehr viel Raum und konnten neben der stimmungsvollen Lightshow die Atmosphäre noch steigern. Und die Blicke untereinander, dieses blinde Zusammenspiel, das dichte Bandgefüge waren auch im opulenten Setting zu spüren. Opulent fiel da auch der Klang aus, der jedes Detail optimal zur Geltung brachte, die sich in dem Raum gut entfalten konnten. Nur hätte dieser besser mit Zuschauern gefüllt sein können, LAZULI haben so viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

Setlist LAZULI:
Etre Et Ne Plus Etre
Sourire
Qui D´Autre
Une Chanson Cherokee
Mon Body Se Meurt
Les 4 Raisons
L´Eau Qui Dort
Le Miroir Aux Aloutettes
Quel Dommage
Triste Carnival
L´Homme Sur
Matiére Premiére
Parlons Du Temps
Chaque Jour Que Soleil Fait
Le Pleureur Sous La Pluie
Les Courants Ascendants
---------------------------------------------
-Jazzjam-
L´Instant
Au Bord Du Prècipice
Neuf Mains Atour D´un Marimba

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