11. METAL DIVER - Marsberg

Festival vom 14.03.2026
mit POWERGAME, VULTURE, DRAGONY, FLESHCRAWL,
PRIMAL FEAR und PRIPJAT
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METAL DIVER FESTIVAL
Mittlerweile zum 11. Mal lockte das METAL DIVER-Festival in die Schützenhalle nach Marsberg im Sauerland. Urlaub war diesmal nicht drin. Baustellenbedingte Zugausfälle, sehr ungünstige Schienenersatzverkehrverbindungen und schwierige Routen mit langer Übergangszeit verhindern mein pünktliches Eintreffen in Marsberg, für mich ein Wermutstropfen, POWERGAME mit unwiderstehlichem NWOBHM-Spirit und die Ruhrpott-Speedster VULTURE bedauerlichermaßen durch die Lappen gehen. Beide Bands hätte ich wahnsinnnig gern mitgenommen. Etwa zwischen 850 - 900 Gäste (obgleich andere weniger deutlich der Realität entsprechende Zahlen durch's Internet geistern...) hat das 11. METAL DIVER dieses Jahr in die ca. 1000 Personen fassende Location gezogen. Hier und dort klaffen mehrere Lücken kleineren Ausmaßes in der weitreichenden etwa für 1000 Gäste Platz bietenden Schützenhalle, dennoch ist das Festival an und für sich gut besucht. Dadurch, dass man seitens des fleißigen Veranstalterteams aus völlig nachvollziehbarem Grund heraus andere Prioritäten setzte (z. B. Filmpremiere von „Ehrenamt“ um dieses für Festival und Gemeinde so wichtige Thema zwecks besserem Verständnisses für die Öffentlichkeit in den Vordergrund zu rücken, was Heavy Metal verbunden mit ehrenamtlicher Arbeit für Veranstalterteam und Gemeinde bedeutet, rückte der ansonsten ebenso (ge)wichtige Festivalwerbefaktor in den Hintergrund. Festival und aufgefahrene Bandbilling blieb davon unberührt, in vom METAL DIVER gewohnter und nicht anders zu erwartender Weise qualitätsbewusst. Dem Festival-Geist hat's nicht geschadet, dennoch weiß man, dass nächstes Jahr auf anderer Ebene weitaus mehr getan werden muss. Gerade frisch in der Halle angekommen, stehen DRAGONY noch nicht lange auf den Brettern, die ihre Fans mit melodischem Symphonic Power Metal beglücken.
Nur mal so... am Rande erwähnt:
Das METAL DIVER ist auch Ort der Begegnung, das Angebot an Honig und Beerenweinen ist breit aufgestellt, Genießer können sich auf einen Stuhl setzen und sich relaxtem Weingenuß widmen. Merchstände u. a. von 98 Records halten ein wohl sortiertes Angebot für das hiesige Fanklientel bereit. Die Getränkepreise sind ganz ok, Wasser und Kaffee gibt’s für lediglich 1 WertBon, für's leibliche Wohl - warmes Essen ist draußen an der Frittenbude gesorgt, wo es Bratwurst, Currywurst, Pommes und Schnitzelbrötchen gibt.
DRAGONY
bringen phantastische Stimmung in Schützenhalle, das Publikum ist schon während ich mir selbst ein Bild vom Gig mache, bei den auf druckvollen zugleich melodischen Symphonic Power Metal verankerten Österreichern DRACONY auf Hochtouren, dafür sorgt nicht nur das Hymnenhaft zugleich spannend ausgelegte Breitband-Songmaterial, zum Einstieg. Die hübsche Blondine mit Glatter bis über den Hintern reichender Langhaarfrisur auf der Bühne agierende Hauptvocalistin Maria Nesh zeigt ausdrucksstarke Stimmbandqualitäten, deren Mimik und zugehörige Gestik bestens zur gebotenen sich auf nordische Göttermythen, Sagen- und Legenden der Germanen beziehenden Songauswahl passt. Ihre feines Klartonstimmorgan ergänzt sich hervorragend mit den kehligen Vocals von Gitarrist Sigfried „The Dragonslayer“ Samer.
Bombast-Gitarren-Synthie-Keyboard-Klangzauber sorgt für Auflockerung. Zwischendurch bildet sich zu Songmaterial wie „Gods Of War“, „Perfect Storm“, „The World Serpent“, „Burning Skies“, „The Untold Story“ (Albion Online), „Wolves of The North“ sowie dem von der trauen Anhängerschaft schwer abgefeierten Schlußkapitel „Beyond The Rainbow Bridge“ gar ein kleiner, ziemlich überschaubarer, dennoch fleißig rotierender Pit. Es wird auf Teufel komm raus getanzt, dabei kräftig abgefeiert. Verdient lautstarker Applaus, Jubel und Zugaberufe für die Albenlandcrew zeigen, das DRAGONY eine willkommene Festival- Bereicherung waren, deren Gig prima auf den Abend einstimmte. - Wow!
FLESHCRAWL
Kurzfristig vor Beginn als Ersatz für UNLEASHED eingesprungen, servieren die Bayuwaren wuchtig brutal derb in die Vollen gehenden Oldschool-Death Metal, dessen Inhalt den erforderlichen sich in die Größe ausdehnenden Pit wo es heftig brutal zur Sache geht, nicht allzulange auf sich warten lässt. Bei FLESHCRAWL werden sofort Nägel mit Köpfen gemacht – kompromissloser Death Metal erwartet seine zahlreich vertretene Anhängerschaft. Zeitweise klingt sich einiges recht ähnlich, was den unbändig abgehenden Mosh-Pit allerdings nicht im Geringsten juckt. FLESHCRAWL bringen einen dynamisch energiegeladenen Gig, der fett mitreisst! Egal ob tief aus dem Bauch kommende Deathgrowls, pfundschwere Gitarrenriff-Breitseiten, tempoforcierte Bassläufe, konzentrierte Leadsoli oder wuchtiges Drumming. Alle fünf kennen ihren Rhythmus, wissen wie das Genre funktioniert!
Erfreulicherweise rotiert der bereits nach wenigen Minuten sich bildende Pit heftig bis zum Schluß, - deutliches Zeichen dafür, dass FLESHCRAWL (1991 gegründet) - seit immerhin 35 Jahren bestehend, - kein unbeschriebenes Blatt auf dem Death Metal-Sektor sind. Am besten funktionieren irgendwie immer noch die alten keinen Stein auf dem anderen lassenden Geschosse vom Kaliber „Perpetual Dawn“, „Beneath A Dying Sun“, „After Obliteration“, „Subordinated“, „ „Never To Die again“, “Under The Banner of Death“... damit reist der bayuwarischen Death Metal-Fünfer Tore ein. FLESHCRAWL haben im Rahmen des Erwarteten einen guten Gig hingelegt, der sie als passenden UNLEASHED-Ersatz präsentierte. Besser hätte es auch die Elchtod-Institution kaum hinbekommen, Die Death Metalfraktion ist's zufrieden, trabt danach eiligst zur Getränketheke, das nächste Bier besorgen...
Nachdem die Todesblei-Fraktion ihre Vollbedienung massiv aggressiv geliefert bekam, steht als nächstes traditioneller Heavy Meal auf dem Plan. Als Headliner geben sich endlich mal PRIMAL FEAR die Ehre, auf dem 11. METAL DIVER in Marsberg aufzutreten, entsprechend gespannt harre ich also nun der Dinge, die kommen...
PRIMAL FEAR
Mit einer Hammer-Setlist im Gepäck, die echten Fans runterläuft wie Öl runterläuft lassen PRIMAL FEAR ihren Hymnenreigen auf zahlreich in Marsberg erschienene Traditionsmetallerschaft los, der komplett am Stück Jubel, Ausgelassenheit, ein Heer in die Luft gereckter Fäuse, fliegend wirbelnde Mähnen und ein sonst im Regelfall bei Thrash Metalbands üblichen – Moshpit rotieren lässt, in dem sich wie schon bei FLESHCRAWL zuvor nichts geschenkt wird, wo es voll zur Sache geht!
75 Minuten Primal Fear mit Zeitreise von fast 30 Dekaden Bandgeschichte sind schon ein gewichtiges Wort und einem Headliner von diesem Format angemessen. Frontmann Ralf Scheepers tritt stimmgewaltig in Erscheinung, dessen ihm zur Verfügung stehende Gitarrenfraktion entfacht ohne langes Federlesen gleich bei „We Walk Without Fear“, „Destroyer“, und „I am the Primal Fear“ gewaltig Druck, die hübsche Italienerin Thalia Bellazecca sorgt ihrem breiten Repertoire raffinierter Filigransoli für mächtig Druck, ihr gegenüber steht Riffschmied Magnus Karlsson. Matt Sinner und André Hilgers bilden am Tieftöner und Schlagzeug eine taktsicher arschtight aufspielende Rhythmussektion. Alle zusammen präsentieren sich komplett als harmonisches Team, wo jeder seinen Part im Einzelnen kennt. Und wenn Mr. Scheepers sein stark Halford verdächtiges Organ zu Riffbeladeneen Schwermetall-Hämmern vom Typ „Nuclear Fire“, „The Hunter“, sowie den Melodisch zugleich heroischen Hymnenkrachern „Seven Seals“ und „King Of Madness“ begleitet von fingerdick Gänsehaut erzeugenden Ohohoho-Singalongs in Extrem-Hochtonlagen vordringt, wo im Regelfall kaum ein anderer Sangesästhet auf dem traditionellen Metalsektor jemals hingelangt ausreizt, während Thalia Bellazecca konzentriert hochexplosiv finessenreiche Leadsoli aus dem Ärmel schüttelnd abfeuert, Magnus Karlsson's RiffAxt Wände durchschneidet, indessen Matt Sinner den Tieftöner oldschoolig rumpeln lassend im Zusammenspiel mit Drummer André Hilgers einen undurchdringbaren Rhythmusteppich legt, kann nichts anbrennen. Mr. Scheeper's Ansagen tun ihr übriges, um das Publikum bei Laune haltend in Stimmung bringen. PRIMAL FEAR markieren vor der größten Fankulisse des gesamten Tages bei professionell hochwertig eingestelltem Licht & Sound (Kompliment an die Soundtechnik-Crew, die es erstklassig hinbekommen hat) d a s Festival-Highlight!
PRIMAL FEAR machen an dem Abend alles richtig, zeigen sich als phantastische Liveband, die es jederzeit versteht, selbst in ruhigeren Phasen etwas zulegend, immer ein Ass im Ärmel zu haben. „Fighting The Darkness“ und der kultige von scharfen Gitarrenriffs vorwärtsgetriebene Speedtornado „Chainbreaker“ - von Ralf Scheepers ungefähr mit den Worten - „das war der erste Song, ja wirklich, den wir je spielten“ angekündigte sorgen für erhöhte Stimmungspegel bei den zahlreich auf Classic Metal gepolten Fans.Am Schluß erfolgt die Bandvorstellung, was kann es für eine bessere Hymne geben als „Metal Is Forever“ (aus vielen Kehlen heißer mitgesungen), um den Abend würdig zu beenden? Da bebt die ganze Location! Mit dem Hymnenevergreen klingt unter kraftvollem Begleitgesang der Fans ein geradewegs berauschender Gig aus, der mit dieser feinen Setlist gekrönt wurde:
1. We Walk Without Fear
- 2. Destroyer
- 3. I Am the Primal Fear
- 4. Final Embrace
- 5. Nuclear Fire
- 6. Seven Seals
- 7. The Hunter
- 8. King of Madness
- 9. The End is Near
- 10. Fighting the Darkness
- 11. Chainbreaker
- 12. Metal is Forever
PRIPJAT
bleibt es vorbehalten für den Abschluß der 11. METAL DIVER-Ausgabe zu sorgen, und was für einen. Richtig angestachelt gibt das Kölner Thrash-Kommando mit dem als Ersatz für den fehlenden Rhythmusgitarrist Eugen Lubavskyy verstärkt durch ERADICATOR-Gitarrist an der Rhythmusgitarre mächtig Vollgas, bis der Arsch platzt. Zusammen mit Henrik Klahold (der auch den Tieftöner bei TASKFORCE TOKSICATOR bedient) bilder der oft synchon neben ihm posende ERADICATOR-Rhythmus-Gitarrist Robert Wied ein starkes Gespann. Drummer Jannik Bremerich gibt heftig scheppernd seine Fellelandschaft verprügelnd,Saures. PRIPJAT- Frontmann Kirill Gromada entpuppt sich inklusive seines zwischen Shoutings und gern mal weit ausholenden langgezogenen Schreien liegenden Mörderorgans On Stage als robust-quirlige Kampfsau, der drahtige Urkrainer schwitzt wie ein Berserker, verdreht öfter die Augen als wäre er voll auf Speed, lässt seine Axt quietschen, röhren, kreischen, schüttelt wild seine Haare rifft, soliert und lockt die Fans mit kessen bis derbem Ansagerepertoire aus der Reserve. Zickig und zynisch mit eigenem Wiederkennungswert im lustigen Khaos Kornflake-Shirt mit wild zerzaust durcheinander fliegender Lockenfrisur gelingt es dem wie von der Tarantel gestochen live on Stage abgehenden PRIPJAT-Bandleader, den Fans am Ende nocheimal alles abzuverlangen. Der Kerl spricht nicht nur von dem was er sagt, sondern meint es auch so! Sympathisch ehrlich bis auf's Blut. Das geht auch am Hinter den vorderen Reihen erneut derb abgehenden Pit nicht spurlos vorbei!

Zeitgemäss unters Volk gebrachte Botschaften über weltliche Misstände und gegenwärtige Politik verfehlen ihre Wirkung nicht. Zeitweilig komplexe Rhythmustempowechsel sorgen ebenfalls dafür, dass bis zum Verklingen des allerletzten Taktes viel Bewegung in der hartgesottensten Metallerschaft ist. Mit ihrem verwaschen rohen Sound wirken PRIPJAT zu nach-Mitternächtlicher Zeit nicht „modern“, eher rotzräudig mit klarem Hang zur Oldschoolkante, obschon hinsichtlich ihrer verarbeiteten Thematiken „zeitgemäß“. Thrashgranaten Marke „Nuclear Chainsaw“, „Protect and Secure“, „Survival Of The Sickest, die brutal ins Eingemachte gehend zentnerfett in den Arsch tretende Groovewalze „Bowed, Yet Unbroken“ oder „Sons of Tschernobyl sind beissende Kampfansagen mit viel Attitüde: Protest gegen Missstände zu erheben, wo es nötig wird. Ein bekanntes Brecht Zitat lautet: „Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“
Auch „Returnless“ - ein im völligen Kontrast zum halben Dutzend flotter Thrash-Nackenwirbelzersetzer stehend keinen Deut schwächer als die Thrashgranaten gebrachter enorm bedrohliches Atmosphärenlevel freisetzender Doom-Hammer hat sich in den Set eingeschlichen, danach wird, zu „Born To Hate“ und „Chain Reaction“ nocheinmal alles gegeben, das Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten. Am Ende will die Band angefeuert durch Zugaberufe seitens der Fans das Opening Thrashmassaker „Nuclear Chainsaw“ nocheinmal spielen und erntet abermals kräftigen Jubel von den Thrashfans dafür, schade, dass die Zeit um ist. PRIPJAT sorgen für gelungenen Festivalausklang und waren ein Erlebnis!
Schlusswort:
Ein weiteres gelungenes METAL DIVER, wofür der Orga of Metal angeführt von Daniel Hoffmann, Mark Schnittger einschließlich ihren Job gut erledigender Security, und allen zum Team gehörigen das einmal mehr zeigte – Nichts geht.... ohne Ehrenamt! Das trifft ebenso auf kleinere Festivals wie FULL METAL OSTHESSEN, IRON DOGHEADS, WESER METAL MEETING M.I.S.E.-Open Air und TAUNUS METAL FESTIVAL zu, die ohne damit verbundener Fleißarbeit der jeweilig mit Liebe, Leidenschaft & Herzblut dahinter stehenden Vereine weder möglich noch vorstellbar wären; allesamt Festivals, die man in der Metalszene kennt, mag, unterstützt und ebenso wertschätzt. Auf ein Neues beim nächsten Mal...
Bericht und Fotos: Michael Toscher

