STRANGE KIND OF WOMEN - Losheim

03 strangekindofwomen losheim 05Konzert vom 28.03.2026

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STRANGE KIND OF WOMEN

Tributebands gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, mit dem Wegsterben der alten Helden wollen viele Fans etwas haben, dass den Spirit weiterträgt. Italien hat mittlerweile einen größeren Pool an Formationen, die auch in unseren Breiten tourt. Teilweise gibt es auch All-Girl-Bands, die sich ihren Helden verschreiben haben, auch wenn die im Original über kein weibliches Mitglied verfügt haben. Sehr präsent ist in den letzten Jahren STRANGE KIND OF WOMEN, die sich dem Werk von DEEP PURPLE widmen, aktuell scheinen die ständig zu touren. FFM-ROCK schaute im saarländischen Losheim vorbei, dessen See jedoch eher zum Eislaufen denn Schwimmen einlud.

Das Pensum der Damen ist echt enorm, da alle mit anderen Projekten beschäftigt sind oder anderen Tätigkeiten in der Musikbranche nachgehen. Keyboarderin Margherita Gruden ist im Jazz zuhause, lebt und lehrt in Paris und die Halbkanadierin Ronnie Grace singt in London auf vielen Bühnen. Daher kann es auch mal sein, dass eine von ihnen bei den Konzertwochenenden nicht kann, dieses Mal Bassistin Paoloa Zadra. Für den Fall steht Sylvia Zaniboni bereit, die auch schon Gitarristin Eliana Cargnelutti in der Vergangenheit ersetzte. Zum Einlass verschwand der Fünfer gerade vom Soundcheck von der Bühne, auch ein Zeichen seiner Professionalität, der sich sogar Roadies leisten kann.

Dabei versuchen sie gar nicht erst eine DEEP PURPLE-Show eins zu eins abzubilden, sondern interpretieren auf ihre Weise. Bereits der Opener überrascht, und war bisher eher selten in der Position zu hören. Doch das markante Thema konnte das rechtzeitig zu Showbeginn aufgerückte Publikum sofort abholen und auf Betriebstemperatur bringen. Hier zeigte sich gleich das spielerische Talent der Damen, die unglaublich tight agierten und einen enormen Druck entfachten. Angetrieben von Chiara Cotugno, die wie Ian Paice die Kessel rührte, obwohl ihr Kit deutlich kleiner konfiguriert war. Was sofort auffiel war die enorme Spielfreude, selbst in der Besetzung herrschte Zusammenhalt.

Da wurde sich gegenseitig angestachelt, gerade wenn sich Gruden und Cargnelutti duellierten, die an den gegensätzlichen Bühnenseiten standen. Die Saitenhexerin legte sich links voll ins Zeug, hatte ihren obligatorischen Stratocaster eng an sich gezogen, als wolle sie ihn liebkosen. Die meiste Zeit cool hinter der Hippie-Sonnenbrille war das Stageacting fast schon Understatement, die großen Posen blieben aus, was sie sehr sympathisch machte. Es war ihr Spiel, das Feuer hatte und das direkt unter das Dach brachte, die Riffs kamen präzise und geradlinig, während sie bei den Soli sehr viel Feeling bewies. So ließ sie auch die Fans daran teilhaben, wenn sie diese an der Rampe genau auf die Finger schauen ließ.

Das konnte auf der rechten Seite die Frau an den Tasten nicht bieten, ihre waren von der Nord-Orgel und dem Yamaha-Synthesizer verdeckt. Dafür ließ sie ihre Hände richtig fliegen, von einer Seite zur anderen gleiten und hackte wie wild auf ihren Geräten ein. Auch sie suchte die Nähe zum Publikum, ihre Instrumente waren am Rand der Bühne aufgebaut, von wo sie die ganze Zeit über freudig strahlte. Etwas mehr hielt sich Zaniboni zurück, die ihre dicken Saiten als gelernte Gitarristin mit dem Plektrum bearbeitete. Wie die Frau an den sechs Saiten auch sehr lässig in ihren Bewegungen. Ein paar Mal packte es sie und ging mit vorgestrecktem Bass auf Tuchfühlung mit der ersten Reihe.

Beim Programm gingen die Überraschungen weiter, den üblichen Overkill an „Machine Head“-Stücken beschränkte sich auf drei, wobei einer kurzfristig ins Set aufgenommen wurde. Natürlich durften sich die Kenner über viele Nummern aus der Mark III-Phase freuen, während beispielsweise „Hush“ im Köcher blieb. Wer mich kennt, weiß um meine Schwäche für Coverdale, die hier ausreichend bedient wurde und zu der die gute Sylvia wie weiland Glenn Hughes groovte. Der Überballade ging ein langes melodisches Solo von Cargnelutti voraus, die auch die Leadmelodien im Mittelteil perfekt traf. Wobei es nicht die einzige ruhige Nummer des Abends blieb, auch eher unüblich.

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Das braucht natürlich eine Stimme, die das alles abbilden kann, was bei DEEP PURPLE-Material mit so unterschiedlichen Typen schwierig werden kann. Ronnie Grace löste das ganze geschickt, indem sie komplett bei sich blieb. Gar keine Versuche sich an eines der Vorbilder anzulehnen, sondern mit eigener Stimme und Persönlichkeit. Und über was für eine Röhre sie verfügt, sehr kraftvoll und auffällig klar. Damit bekommt man das Selbstvertrauen, mit dem ihr es gelang sich jeden Titel anzueignen.
Neben ihren gesanglichen Fähigkeiten war es speziell ihr Auftreten, welches das Auditorium richtig mitnahm. In jede Note legte sie Leidenschaft, gestikulierte ausladend, war viel unterwegs, oder räkelte sich Lasziv am Mikroständer. Gerne poste sie mit ihren Mitmusikerinnen, die immer wieder rotierten, selbst den Kniefall beherrschte sie, während sie ihre rote Mähne schwang. Woher sie allerdings von der Textsicherheit unseres Redakteurs wusste, wenn sie sich direkt beim Anhang war, konnte bisher nicht geklärt werden.

Wenn es etwas zu bemängeln gab, dann mit 110 Minuten die etwas geringe Spielzeit für einen Tributeact. Bei vielen ausgedehnten Instrumentalparts blieben am Ende mit vierzehn Songs eine zu geringe Auswahl für so ein üppiges Angebot. Eine davon gab es bei der Zugabe, nämlich das Drumsolo von Cotugno, für welches wahrlich noch genug Power übrig war. Witzigerweise tauschten währenddessen Sylvia und Eliana ihre Arbeitsgeräte, bevor nochmal ein großer Singalong auf dem Weg gebracht wurde. Die ganze Zeit über lebte der umjubelte Gig auch von der guten Soundqualität, die alle Details heraus arbeitete, auf der anderen Seite hätte das Lichtsetting besser sein können.

Setlist STRANGE KIND OF WOMEN:
Pictures Of Home
Black Night
Perfect Strangers
Stormbringer
Lay Down, Stay Down
Mistreated
Speed King
Highway Star
Into The Fire
When A Blind Man Cries
Lazy
Lady Double Dealer
Burn
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Smoke On The Water

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