KREATOR - Frankfurt


Konzert vom 05.04.2026
Support: NAILS, EXODUS, CARCASS 

Homepage: 
KREATOR
CARCASS
EXODUS
NAILS 

Eines vorab: Das Konzert ist nicht ausverkauft, in der Festhalle sind noch einige größere Lücken. Daran wird erkennbar, dass trotz dieses zweifelsfrei lukrativen Billings und stattfindender Parallelveranstaltungen statt finden.

Den Anfang macht das Powerviolence-Grindcore-Trio NAILS mit provokativ Muskeln spielen lassendem Frotnmann, dessen reichlich provokanter Auftritt erheblich Gemüter spaltet.  Irgendwie will von der Mucke nichts hängen bleiben... dennoch hat wie die Reaktionen zeigen das Trio Fans und seinen Job als mächtig knüppelnder Anheizeract ordentlich erfüllt. 

EXODUS
geben zum Einstieg gleich mit „We Will Rock You“, „3111“ sowie dem Kult-Nackenwirbelzersetzer „Bonded By Blood“ kompromisslos Vollgas, haben aber nicht ihren besten Tag erwischt. Rob Dukes ist gut bei Stimme, dennoch extrem angepisst, dass sich kein Moshpit bildet, was er den Fans in seinen Worten mitteilt, dass sie auf einem Thrashkonzert sind, wo so etwas dazugehört, - nicht am Ostersonntag in der Festhalle Frankfurt. Auch Schädelspaltern vom Typ „Blacklist“ oder „Goliath“ bringen nicht das gewünschte Ergebnis - Alles Shit ohne Pit? Denkste! EXODUS machen das Beste daraus, zementieren ihren Ruf als Bay Area Thrash Legende. Wer die Lektion in Sachen Lärm erteilt... „We're Here to teach you... - a Lesson in Violence“... kennt sein Metier. „Exodus, Exodus, Exodus“-Rufe hallen durchs Ambiente... danach rollt derb die „Toxic Waltz“, wo es arschtight bis unter's Hallendach groovt. Bassist Jack Gibson dessen Prachtlocken-Mähne wie ein Thron auf dem Haupt sitzt und Tom Hunting hinterm Schlagzeug bilden eine straighte Rhythmussektion, Lee Altus/Gary Holt sind ohnehin ein Traumgespann auf dem Thrashsektor, gegen das nur wenige Gitarrenduos anstinken können.


Zur letzten erneut durch Sprechor-Anfeuerung als Zugabe gebrachten Abrissbirne das gewaltig schnelle „Strike Of The Beast“ ereignet sich das Malheur – ein in Maske auftretender GastGitarrist (Roadie oder ausgewählter Fan?) versucht mit völlig eigener Gitarre das Publikum durch cooles Posing anzuheizen, bleibt plötzlich an der Kante vom Bühnenpodest hängen, stolpert nach wenigen Schritten dort, wo im Regelfall Gitarrenvirtuosus Lee Altus postiert ist, taucht im nächsten Augenblick einen Bogen schlagend, innerhalb des vorderen Bühnenbereiches ab aufeinmal wie vom Erdboden verschwunden - und was passiert? Keiner kümmert sich um ihn?!? Gary Holt schaut nur ungläubig staunend gen Boden, spielt wie die anderen weiter, bis ein genervt dreinblickender Bandroady sich des Gefallenen erbarmt ihn schließlich auf die Bühne hebt. Faustreckend mit zornigem Gesicht gen Publikum schauend, verschwindet der Gestürzte in den Backstagebereich. Was war das denn für eine aberwitzig skurill seltsam komische Nummer? Einstudiert geht anders. Belustigenderweise spielt Gary Holt nach erstem zunächst abgebrochenen „Strike Of the Beast“ Versuch ein markantes SLAYER-Riff an, was für mächtig Stimmung im Ambiente sorgt, ehe Rob Dukes der Kragen platzt und er Holt auffordert, damit aufzuhören, um den echten Exodus-Song anzustimmen. Gesagt getan, danach geht nochmal die Post ab. EXODUS bekommen verdient Applaus, doch es macht sich im Anschluß der 45 Minuten das Gefühl breit, da geht weitaus mehr, diese Vorstellung ist zu toppen. EXODUS hat man schon besser gesehen...

CARCASS
erteilen danach eine lupenreine Lektion in Sachen Grind/Death Metal auf qualitätstechnisch allerfeinstem Niveau. Frontmann Jeff Walker hat das Ruder fest in der Hand, hebt öfter seinen Bass in die Luft womit er signalisiert: Nur mit dem Bass geht das! Sein ebenso lange in der Band aktiv wirkender Bandkomparse Bill Steer, dessen filigran detailreiches Gitarrenspiel jedem Song das besondere Etwas verleiht, hüpft zwischendurch im Spielrausch groovend über die Bretter. Drummer Daniel Wilding mit präzisem Schlagzeugspiel und Gitarrist Nibby Blackford an der zweiten Sechssaitigen harmonieren prima mit ersterwähnten Bandleadern. CARCASS haben begrenzte Spielzeit etwa 45 Minuten, doch sie nutzen diese konsequent. „1985“ und „Unfit for Human Consumption“ eröffnen den Set mit Rückblick auf die spätere 2013 nachgelegte 'Surgical Steel'-Phase, womit sie ungewöhnlich in ihr Programm starten. Das erhöht den Spannungsfaktor auf alles danach folgende.  

Der CARCASS-Auftritt weckt Erinnerungen an derbe Death Metal-Zeiten... wie herrlich abgedreht ist dass denn bitte? CARCASS treten inklusive kompliziert arrangierter Rhythmus-Tempowechsel richtig Arsch, es tut wohl die Engländer nach gefühlt sechzehn Jahren – während eines nur allzu sehr bekannten Festivals (inklusive Gastauftritt von Angela Gossow!) - als sie heftig die Bühne zerlegten. Obschon die Bandköpfe Jeff Walker und Bill Steer etwas in die Jahre gekommen sind, haben sie immer noch den für CARCASS einzigartigen sie von anderen Bands im Genre weit abhebenden Signaturesound. Neben Nummern der legendären 90er 'Necrotism'/'Heartwork' Death Metal-Aera woraus der Hauptsonganteil besteht („Buried Dreams“, „No Love Lost“/“Death Certificate“, “Incarnatet Solvent Abuse“/“Corporal Jigsore Quandary“/“Heartwork“ schlägt auch die Kombination ganz früher Grind/Death-Tage - 'Reek of Putrefaction'/'Symphonies of Sickness'-(„Genital Grinder“/“Exume To Consume“) mächtig bei den Fans ein. Zwischendurch wird auch dem letzten regulären Studio-Album 'Torn Arteries'-gedacht - „Dance of Ixtab (Psychopomp & Circumstance March No. 1 in B") – womit alle sechs Kapitel der Bandgeschichte berücksichtigt sind. Jeff Walkers' Bass rattert schnoddrig am Stück, während Saitenhexer Bill Steer seine aberwitzig verquert schrägen LeadSoli beisteuert. Die Kadaver-Metaller präsentieren sich als homogenes Team, worin die Stärke der top aufeinander abgestimmten Engländer liegt, jeder weiß, welcher Part wie zu spielen ist. Am Ende bekommen sie deutlich mehr Applaus als die Vorgängerbands.
Zweifellos das Beste bisher. Damit sehen wir gelassen dem Headliner entgegen.

KREATOR
Zunächst kommt der IRON MAIDEN-Klassiker „Run To The Hills“ per Tape, danach eröffnen KREATOR ihre Show. Zunächst läuft der IRON MAIDEN-Klassiker „Run to the Hills“ vom Band, dann folgt „Seven Serpents“ mit wildem Wellengang ehe sich ein mörderischer Thrash-Sturm zusammenbraut, der hohe Wellen schlägt. Das von zauberhaft weiblichem Sirenengesang umrahmte Melodic Heavy/Thrash Monster hinterlässt sofort mächtig Eindruck, danach werden die Hordes of Chaos mit „Hail to the Hordes“ begrüßt. Mit „Enemy Of God“, „Satanic Anarchy“ und einem schnellen „Hate Über alles“ werden alle Bedenken fortgespült, KREATOR würden keinen Thrash mehr spielen, im Gegenteil: 40 Jahre Bandgeschichte haben den Vierer gewaltig reifen lassen. Mille, Ventor, Sami und Frederiq sind eine bestens aufeinander eingespielte Thrashcrew, die viel traditionellen Heavy Metal in ihre harten Thrashattacken einbauend verbindet.

Mit dem fetten Midtempo-Grower „People of the Lie“ (einem der besten KREATOR-Songs ever) wird noch ein Kracher ins Publikum gefeuert, der seine Wirkung nicht verfehlt, ebenso wenig bei der Oldschoolfraktion 'Extreme Aggressionen' freisetzende End80erThrash-Rundschlag „Betrayer“. Untermalt von Zwischenintros, Dämonengestalten mit Fackeln und entsprechender Bühnendeko, einschließlich des über der Gitarrenfront gewaltig thronendenen öfter mal Blicke mit leuchtenden Augen zeigenden Dämonenkopfes in dessen Umrahmung Ventor seine Trommelstöcke schwingt, bietet sich bei toll eingestelltem Licht und Sound Großleinwandkino für die speziell wegen Kreator gekommenen Fanmassen.

Mille, Sami, Ventor und Frederiq geben eine überragende Headlinershow, die alles zuvor gewesene übertrifft. Dieser Abend steht ganz im Zeichen von KREATOR!  Mille dirigiert souverän ganz nach Belieben die ihm aus der Hand fressende Fanmasse. Lockere Ansagen gehören dazu, doch die reduziert er heute komplett auf's Mindeste, um alle Stücke im Zeitplan unterzubringen - ein Unterfangen, das letzten Endes  gelingt. „Krushers of The World“ schwört die Fans ein, ehe es an der Zeit ist, mit purem Thrash die "Hordes of Chaos" zu vereinen. Mille will den Moshpit, doch dieser bleibt in Frankfurt aus. Dennoch geben KREATOR alles, wodurch die Show auch ohne Moshpit zum Knaller wird. Mille Petrozza, Sami Yli-Sirniö und Fréderic Leclercq haben reichlich Druck auf den Klampfen. Wie wirklich der Teufel im gesellschaftlichen Sinne ist, verdeutlicht „Satan Is Real“, Mille stapft im Teufelskostüm über die Bretter, genießt das Bad der ihm zujubelten Menschenmenge. „Loyal To The Grave“ gefolgt vom ergreifend mystischen Zwischenspiel „Mars Mantra“ schließt sich in „Phantom Antichrist“ der nächste kapitale Heavy/Thrash-Kracher an.

Zu „Tränenpalast“ gibt sich CHAOS RISING/HYRAES/Ex-CRIPPER/Ex-CRITICAL MESSE und zuletzt bei HEAVEN SHALL BURN-Live aktiv -Stimmbandperformerin Britta Görtz die Ehre. Neben gewaltigen Tiefen DeathGrowls, Klartongesang und heisserem Thrash-Shouting lässt sie ihren Zopf kreisen, während Mille fleißig Headbangend Riffkaskaden aus der Gitarre feuert genießt sie ihren Auftritt, stachelt die Fans an. Britta gebärdet sich als Wirbelwind auf der Bühne, sie in Aktion zu sehen ist überall phantastisch, wo immer sie auftritt, wobei ihr das Duett in Zusammenarbeit mit KREATOR-Bandboss Mille wunderbar gelingt. Danach ist Zeit für die Oldschoolfraktion. Mille kündigte den nächsten Song speziell für die Oldschoolfraktion an, beim räudigen schnell gezockten Shredderhobel „Endless Pain“ gibt’s für die angesprochene Sektion zu der auch das verfassende Individuum dieser Zeilen gehört, kein Halten mehr, da fliegen Haare! „666 World Divided“ schließt sich dem Reigen an. Wiederholte „Kreator, Kreator, Kreator“-Sprechchöre zeigen, wem die Aufmerksamkeit in dieser denkwürdigen Nacht gehört: KREATOR! „Violent Revolution“ und „Pleasure To Kill“ sorgen wie bereits 2024 für den Abschluß einer phantastischen Show, die das Tun, Handeln und den Zeitgeist reflektierend unserer dekadenten Gesellschaft einmal mehr den Spiegel vor's feiste Antlitz hielt. Stark stärker, noch stärker – KREATOR!!!! Da bleibt mir nur einmal mehr DANKE zu sagen für den gelungenen Abend in bewährter Livelocation. Es war eine wahrhaft gewaltige Show mit ebenso gewaltiger Setlist, die euch nicht vorenthalten sei:

0 Run to the Hills per Tape
(Iron Maiden-song)
1 Seven Serpents
2. Hail To The Hordes
3. Enemy Of God
(with Coma of Souls Intro)
4. Satanic Anarchy
5. Hate Über Alles
6. People Of the Lie
7. Betrayer
8. Krushers of the World
9. Hordes of Chaos (A Necrologue for the Elite)
10. Satan Is Real
11. Loyal To The Grave
Mars Mantra
12. Phantom Antichrist
13. Tränenpalast
(with Britta Görtz)
14. Endless Pain
15. 666 World Divided
(Per Tape: The Patriarch)
16. Violent Revolution
17. Pleasure To Kill

Kurioserweise gab es keinen Moshpit, weder zu EXODUS, wo es eigentlich standesgemäß üblich zu erwarten wäre, noch CARCASS, geschweige denn bei KREATOR nicht, unabhängig dessen – ein tolles Konzertpackage, dass den Auftritt lohnte. Dieser Abend zeigte umso deutlicher ein Besuch in der Jahrhunderthalle Frankfurt am Main lohnt immer.

Fazit: Was für ein prächtiger Thrash/Death Metabend in der Jahrhunderthalle, Frankfurt: NAILS heiten provokant an, EXODUS haben mächtig Vollgas gegeben, perfekt zum Anheizen für den Abend, CARCASS bewiesen, das Grind/Death Metal anno 2026 immer noch seine Fans auf ganzer Linie überzeugt, und wie ein solch schräges Gebräu inklusive schwieriger Rhythmustempowechsel auf enorm hohem Technischem Level dargeboten wird. KREATOR boten eine ihrer Klasse vollauf gerecht werdende Titanen-Show bei perfektem Sound. - MegaHammer!

Am Schluß geht noch ein dickes Danke an Frank Hameister, für die fünf feinen Fotos zu diesem Bericht. - Wow!  

Geschrieben von: Michael Toscher, 
Fotos: Frank Hameister

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.