JOE BONAMASSA - Mannheim

05 bonamassa mannheim 03Konzert vom 29.04.2026

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JOE BONAMASSA

Im letzten Sommer veröffentlichte der momentane Blueser Nummer Eins das erste Album mit eigenem Material seit vier Jahren, für ihn schon eine lange Zeit. Da es im Herbst keine Tour dazu gab, haben die deutschen Fans nun zum ersten Mal die Möglichkeit Auszüge davon auf der Bühne zu erleben. So omnipräsent wie vor zehn Jahren ist der Mann nicht mehr, auch wenn die nächste Live-Scheibe schon in der Pipeline steht. Umso gespannter durfte man sein, was der Man an dem Abend liefern würde, thematisch setzt er ja immer andere Schwerpunkte. Die Hallen sind mittlerweile mittelgroß, seinen Status baut er nicht mehr entscheidend aus, aber er verweigert sich auch konsequent dem Mainstream.

Die SAP-Arena war dementsprechend wie beim letzten Mal in der Mitte abgehängt, so dass nur die eine Kurve besetzt war, was den oberen Rängen bessere Sicht bescherte. Der Einlauf zu einem Bluesstandard als Introtape war unspektakulär, aber übertriebenes Brimborium hat der Topseller des Genres nicht nötig. Er ließ wie immer die Musik für sich sprechen, die Performance lieferte Glanzpunkte genug, so dass auf sämtliche Gimmicks verzichtet werden konnte. Als hätte man einen Schalter umgelegt, durchschnitt in dem Moment, als das Bühnenlicht gleißend aufstrahlte, das erste Riff den Raum. Jenes gehörte zum Titeltrack des aktuellen Werkes, welches diese Nummer ebenso eröffnet, so erwartbar wie großartig.

Sofort war alles da, ein lauter, dennoch differenzierter Sound, der alle Instrumente abzeichnete, tief ging und mit klarer Linie gemischt war. Bei so viel Urgewalt ein derartiges Feeling zu bringen schaffen nur die ganz Großen der Branche, wenn der Künstler in die Saiten griff, kam pure Magie hervor. Gesanglich vermag er sich seit Jahre ebenso gut auszudrücken, artikuliert sehr fein und arbeitet immer mehr Charakter in der Stimme heraus. Auch wenn sie dieses Mal nur zu zweit waren setzten Jade McRae und Danielle DeAndrea perfekte Kontrapunkte mit ihren breiten Chören. Die unterlegten zum einen die Lieder mit sanftem Timbre, bei anderen wie dem Opener, knallten sie sich sehr scharf dazwischen.

Unfassbar zu sehen und hören, wie dicht dieses siebenköpfige Ensemble agierte, wie eingespielt das alles ist, ohne auch nur den Hauch von Routine aufkommen zu lassen. Hinten saß Lemar Carter und förderte vor allem das Spiel seiner Vorderleute, wie man so lange einfach simpel den Takt halten konnte, wenn um einen so viel passiert, war beeindruckend. Wenn er dann selbst ausbrechen durfte kam das mit umso mehr Power, großartigster Move sicherlich der doppelte Beckenschlag mit der rechten Hand, der massiv anschob.
Manchmal reckte er den linken Arm hoch, verkniff sich das allzu prahlerische Wirbeln der Sticks, nur um ihn dann mit Macht auf sein Kit zu senken. In ruhigeren Passagen wusste der Mann sehr gefühlvoll mit den Toms die Dynamik zu unterstützen, indem er den Ton sehr gekonnt variierte. Hier lieferte Rhythmuspartner Calvin Turner passend die richtigen Töne aus seinem Langholz, die allen Stücken viel Tiefe verliehen. Dabei tänzelte er die ganze Zeit links von Carter unter seiner Schiebermütze lässig auf dem Riser hin und her.

Mit ihm hat Bonamassa zuletzt das starke Album von MARC BROUSSARD produziert, an das auch Kumpel Josh Smith Hand anlegte. Jener gab vor Turner platziert den stoischen Rhythmusgitarristen und war mit einem Vaughan-Gedächtnishut ausgestattet. Neben ein paar doppelten Leads räumte ihm der Mastermind noch einige Solospots ein, um ihn glänzen zu lassen. Vor allem im zweiten Teil des Sets, als es eine ganze Reihe an Coverversionen setzte, die meisten aus den beiden Teilen von „Blues Deluxe“, welche allesamt recht rockig interpretiert wurden. Hier teilte man sich die Soli brüderlich durch drei, denn der neue Keyboarder Lachlan R. Doley durfte ebenso ran, wenn man sich die Parts zuspielte.

Der Australier ersetzte den aus Altergründen ausgestiegenen Rese Wynans, und brachte eine ganz andere Performance ein. Fast einer der bewegungsfreudigsten Bandmitglieder stand er die meiste Zeit hinter seinen weiterhin weit vorne platzierten Instrumenten und ließ seine lange Mähne öfter fliegen. Die Pianotöne entlockte er seinem Nord-Synthesizer, während er seinen Fender Rhodes vor allem in der Zugabe bemühte. Den größten Input lieferte er auf der Hammond, die er in den Solopassagen laut aufheulen ließ, oder geschickte Flächen unter die Atmosphäre legte.
Der letzten Teil der ausufernden Soloeskapaden war dann dem Meister persönlich vorbehalten, dessen weicher Ton unvergleichlich ist. Etwas schütterer auf dem Kopf mit grauen Schläfen wird sein Spiel vielleicht auch erwachsener, aber immer besser. Smith hatte das Problem wie zwei Monate zuvor Steve Mann bei Michael Schenker, auch er ist ein sehr versierter Gitarrist, aber eben ohne dieses zauberhafte Händchen seines Bandleaders. Alleine wie er einige Arpeggien sehr leise runterzockte zeigte wie sehr JOE BONAMASSA seine Gitarre beherrschte.

Am stärksten finde ich ihn immer dann, wenn er zu seinen ruhigen Soli ansetzt, sein Arbeitsgerät an sich zieht, fast innig umarmt und die Töne endlos langzieht. Insofern war es etwas schade, dass er bei jedem Gig der Tour zwischen drei melancholisch-atmosphärischen Paradestücken alterniert. Von mir aus hätte er dies mit den Liedern von „Blues Deluxe Vol.2„ tun, und auch „Self-Inflicted Wounds“ sowie „Driving Towards the Daylight“ bringen dürfen. Stattdessen zauberte er noch einen Beitrag aus den Kollaborationen mit Beth Hart hervor, auch hier bediente er sich eines der flottesten Songs mit viel Improvisationsspielraum. Dafür begeisterte er zum Ende des regulären Sets mit Stadionatmosphäre bei einer Rory Gallagher-Verbeugung.

So waren die eigenen Stücke in der Unterzahl, was insofern schade war, da diese besser zu seinem Gesangsstil passen. Zwar bedachte er das aktuelle „Breakthrough“ mehrfach, leider fehlte mir das überragende „Shake This Ground“. Nicht verwunderlich, dass er Lead Vocals auch öfter an McRae und DeAndrea abgab, die gerne Rockabilly-Schmiss einbrachten. Selbst aus dem B.B. King-Paket bediente er sich nicht, aber das mag vielleicht im Herbst kommen. Wobei es bei dem Mann egal ist, was er spielt, es zählt vor allem wie die zwei Stunden musiziert wird. Oft staunte das Publikum nur andächtig, um dann Szenenapplaus aufbranden zu lassen. Das markierte Bonamassa gerne augenzwinkernd mit einem breiten Ton und hochgerissener Gitarre.

Dies stellte seine Art der Kommunikation dar, die sonst eher gering ausfiel, er ließ die Fenders und Gibsons für ihn sprechen. Wenn er das Wort ergriff, dann stellte er seine Band ausgiebig vor, und wusste noch, wer beim letzten Gig in Mannheim mit auf den Brettern stand. Wenn sich Szene-Primus dann gegen Ende mit ausgebreiteten Armen feiern ließ wirkte das nicht aufgesetzt, sondern wie ein ehrlicher Austausch von Ehrerbietung. Die Bluesgemeinde weiß, dass sie ihm viel zu verdanken hat, und ihr Held gibt alles für seine Fans. Nämlich eine erneute Demonstration auf einem unfassbaren Niveau, das ein ums andere Mal beindruckt, und nach der sich alle Kollegen strecken müssen.

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Setlist JOE BONAMASSA:
Breakthrough
Trigger Finger
Twenty-Four Hour Blues
Well, I Got Done Over It
Happier Times
Drive By The Exit Sign
Last Matador Of Bayonne
Pack It Up
Well, Well
I Want To Shout About It
It´s Hard But It´s Fair
Million Miles Away
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Mountain Time