AMORPHIS - Saarbrücken

08 amorphisKonzert vom 10.08.2026

Support: MÚR

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AMORPHIS
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Vor knapp einem Jahr kam „Borderland“, das vierzehnte Album der finnischen Chefmelancholiker, anschließend ging es mit ARCH ENEMY und ELUVEITIE auf ausgedehnte Tour. Für den Sommer stehen viele Festivals auf dem Programm, dazwischen werden Clubshows für die Gegenden geschoben, die im Herbst leer ausgingen. Eine davon führte in die Garage nach Saarbrücken, wo AMORPHIS schon öfter zu Gast waren, was sich FFM-ROCK nicht entgehen ließ. Als Support waren mit den Isländern MÙR eine der interessantesten neuen Bands mit dabei.

MÚR
Schon eine viertel Stunde vor dem offiziellen Beginn stehen die jungen Helden auf der Bühne. Womöglich nehmen die Betreiber der Garage den Lärmschutz wegen der neuen Anwohner ernst, die Veranstaltung endete auch bereits um halb elf. Vergebene Liebesmüh, wenn am nahen Saarufer um Mitternacht noch die Bongoboxen laufen. Deswegen war noch viel Luft im Venue, als Licht und Pausenmusik ausgingen, das Intro war beim Einlauf das einzig hörbare. Für einige Puristen dürfte Sänger Kàri Haraldsson der größere Schockmoment gewesen sein, der sich tatsächlich eine Roland-Keytar umgehängt hatte. Die meisten jedoch damit wenig Probleme, gehört doch die Hauptattraktion des Abends zu den innovativen Kräften der Szene.

Um zu zeigen, dass er das Ding nicht zum Posen dabeihat, ging er im Mittelteil des Openers „Fall“, hinter seinem Mikro hervor noch weiter an die Front und haute ein Solo heraus. Posen war ohnehin nicht das Ding der Jungs, denn passend zu ihrem introspektiven Post Metal gab sich auch der Fünfer sehr zurückhaltend. Am agilsten war noch Schlagzeuger Àrni Jökull Gudbjartsson, der in der Mitte der Bühne fast an der Rampe saß und diese zweiteilte. Mit viel Groove und einem coolen Swingansatz war sein forderndes Spiel eigentlich gar nicht gemacht für das, was seine Nebenleute aus den Boxen hauten. Umso wunderlicher, dass es genau das Element war, welches alles zusammenhielt, fast als wäre der notgedrungene Platz prädestiniert für ihn.

Man hat ja schon einige Ausprägungen vernommen, aber die Direktive von MÙR hatte einen neuen Ansatz, der so frisch wie die Musiker selbst war. Auf der einen Seite schüttelten die beiden Gitarristen Gunnar Haraldsson und Haukur djentige Riffs aus dem Ärmel, die sich metertief hinein gruben. Dem standen immer wieder sphärische Parts gegenüber, denen mal flächige Sounds, dann wieder Leadpassagen einen Anstrich verpassten. Das kam alles trotz des zu lauten Sounds gut zusammen, post-schwarze wie in „Heimsslit“ Wogen furchten ebenso durch, und wirkten wie ein verbindendes Glied. Es waren Songs wie“ Tàlvon“ und „Vegferd“, die nicht vom selbstbetitelten Debüt stammten, welche das Pendel gen Groove ausschlagen ließen.

Ob die aus dem Demostadium stammten, oder den weiteren Weg vorgeben lässt sich schwer sagen. Schwer angesagt waren ebenfalls Leadfills, die sich auch mal aus den Arsenalen des Headliners bedienten, wobei die Isländer in Sachen frickeliger Soli die Nase vorne hatten, wobei sie stets im Hochtonbereich agierten. Mit einer Verfeinerung der Mischung könnte in Zukunft echte Erfolge eingefahren werden. Einen kleinen Teilsieg errang man gegen das mangelnde Interesse, denn im Verlauf des Gigs wurde es im Auditorium voller und lauter, manche waren echt begeistert. Ein wenig mehr Kontakt zum Publikum, der einzig vom dauerbangenden Viersaiter Gudmundur Hermann geleistet wurde, könnte ebenfalls nicht schaden.

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AMORPHIS
Heuer müssen sich Bands der Größenordnung etwas einfallen lassen, um die Fans noch zu ihren Shows zu bewegen. Noch nicht überwunden sind die Folgen der Pandemie und die Bandbreite wird immer größer. Gerade in Sachen Lightshow fahren vielen Künstler ordentlich auf, nutzen die modernen, kompakten Techniken. Die Finnen brachten einen riesigen Vogelkopf auf die Bretter, der sogar vorm Riser noch ein wenig den Raum wegnahm. Oben standen Schlagzeug und Keyboards links und rechts davon, hinten symbolisierte ein Rohrgestänge dessen Schwingen. So wurde das Auditorium mitgenommen in die Sagenwelt des Nationalepos Kalevala.

Aus der Inspiration machen sie keinen Hehl, auch das neue Werk speist lyrisch daraus und eröffnet den Headlinerslot mit einem Doppelpack daraus. Es gab Zeiten, da standen AMORPHIS dafür wie keine andere Band ihrer Generation ihr frühes Erbe stolz aufzutragen, von den aktuellen Scheibe gab es oft lediglich zwei oder drei Auszüge, heuer waren es fünf. Insgesamt setzte man schon etwas auf Blockbildung, sparte viele Alben aus, hatte aber vom Opus Magnum „Eclipse“ oder „Queen Of Time“ zwei am Start. Gerade das Fehlen von „Elegy“-Material bis auf das Outro, das ein Medley beschloss, war schon ein kleines Manko.

Bei nun besserem, ausgewogeneren, wie auch von der Lautstärke erträglicherem Sound war es indes egal, was der Sechser da von der Rampe blies. Von Beginn an war die Stimmung gut, alles wurde gleichermaßen abgefeiert, die Band streckenweise zwischen den Songs mit Sprechchören gefeiert. Und das, obwohl sie in der Landeshauptstadt schon vor einer größeren Zuschauerzahl gespielt haben, was sicher auch dem Wetter und Wochentag geschuldet war. Tomi Joutsen war auch immer bemüht, die Menge immer weiter anzuheizen, erklomm oft einen kleinen Riser vorne, von wo aus er anfeuerte.
Ohnehin der absolute Aktivposten auf der Bühne, war er viel in Bewegung, suchte auch den Kontakt zu seinen Mitmusikern. Mal wild headbangend, dann wieder mit großen Gesten bei seinem Gesangsbeitrag gab er den überzeugenden Frontmann. Im Studio kann man ja viel zusammenbauen, weswegen seine Leistung auf der Bühne noch beeindruckender war, phänomenal, wie er es stets schaffte, von den Growls quasi im nächsten Wort die feinsten Clean Vocals zu präsentieren. Mittlerweile benutzt er auch ein handelsübliches Mikro, dessen Ständer er gerne in Chuck Billy-Manier auseinanderschraubte.

Seine Mitstreiter beschworen eher ihre nordische Unterkühltheit und verharrten meist auf ihren Positionen, der Schädel in Bühnenmitte hemmte da zusätzlich. Nur Bassist Olli Pekka Laine schritt gelegentlich die Bretter ab, nahm mit den Kollegen Kontakt auf, sparte dabei auch die hinten positionierten nicht aus. Bewusst der Siebziger-Schlagseite des Materials trug er breites Hippie-Bandana, welches er mit Extreme Noise Terror-Shirt konterkarierte. Vom Spiel her war dort Keyboarder Santeri Kallio fast der auffälligste, der stets die sympathische Mischung aus Lächeln und Hingabe auf seinen Lippen hatte.
Jene war auch in seinem Beitrag spürbar, speziell, wenn er auf seinem Prophet zum Solo ansetzte, die wunderbar analog-warm aus den Boxen quollen. Sonst setzte er bei Orgelklängen und Pianolinien auf die Bibliothek seiner beiden Nord-Synthesizer. Auf der anderen Seite präsentierte Jan Rechberger ein sehr variables Drumming, welches immer wieder die Arrangements perfekt akzentuierte. Rockig-treibend stand ebenso auf dessen Speisekarte wie auch metallisches Mahlen bei den Klassikern von „Tales From The Thousand Lakes“.

Nach vorne ging auch das Riffing von Tomi Koivusaari, der breitbeinig neben Laine auf links seine Axt traktierte. Seine wiedergewonnene Matte leider in einer Dutt versteckt, hätte das beim Bangen sicher was her gemacht. Optisch glich er sich dafür seinem Kollegen Esa Holopainen an, der auf der rechten Flanke mit selber Frisur vollkommen in sein Spiel versunken war. Seine wunderschönen Leads kontrastierten die Härte ebenso wie sie sich mit dem verbanden, was Koivusaari aus den sechs Saiten holte. Genauso wie er in vielen Parts mit Kallio diese wunderbar perlenden Harmonien hervorzauberte, auf denen es sich wegschweben lieb. Zumindest bis das Pendel in die andere Richtung ausschlug, und das Tempo anzog, sich eben noch weit ausgestreckte Arme zur Luftgitarre formten.

Bei luftigeren Temperaturen wäre sicher noch mehr im Publikum möglich gewesen, das aber die knapp eineinhalb Stunden durchhielt und gerade gegen Ende die Klassiker abfeierte. Wobei AMORPHIS gerne mal etwas länger machen könnten, an Material mangelt es nach fünfzehn Longplayern wahrlich nicht, zumal die jeweiligen Stücke wenig variieren. Interessant jedoch zu sehen, wie sehr der Sechser in der Gegenwart angekommen ist, ein recht neues Lied am Ende mit dem Zeug zum Klassiker, belegte die nach wie vor hohe Relevanz. Kaum eine andere Formation hat ihren Stil so gefunden, und weiß die Emotionen all ihrer Stationen so authentisch wiederzugeben, weswegen sie vollkommen zu Recht von der Garage abgefeiert wurden.

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Setlist AMORPHIS:
Bones
Light & Shadow
Silver Bride
Wrong Direction
Death Of A King
Fog To Fog
Castaway
Lantern
The Moon
Sampo
The Smoke
Dancing Shadows
Magic And Mayhem/Black Winter Day/My Kantele
House Of Sleep
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The Bee