URIAH HEEP - Giessen
Konzert vom 25.08.2026
Support: THE NEW ROSES
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URIAH HEEP
THE NEW ROSES
Es soll die große Abschiedsrunde geben, „The Magician´s Farewell“, mal sehen wie lange es dauert. Im Letzten Herbst waren alle mittelgroßen Halen der Republik bestuhlt, als die Hard Rocklegende ihr letztes Stelldichein gab. In dem Herbst sind auch einige Konzerte in Europa geplant, und natürlich gastierte sie im Sommer auf reichlich Festivals. Auf dem Kloster Schiffenberg nahe Gießen gibt es jedes Jahr den Kultursommer, eine Gelegenheit, die URIAH HEEP nicht ausließen, um einen Abend da zu gestalten. FFM-ROCK mischte sich im Vorhof unter das Volk, wo THE NEW ROSES als Support fast ein Heimspiel hatten.
Mit Shuttlebussen ging es für die Zuschauer auf den Berg hinauf, ganz oben wartete ein schmuckes, mehrteiliges Gemäuer mit teilweise Fachwerk, ganz hinten gab es sogar ein Restaurant. Auch sonst war unter großen, alten Linden für das leibliche Wohl an mehreren Ständen gesorgt, ich habe mir sagen lassen, die Chilli Cheese Pommes hätten ihren Namen verdient. Vor dem Hauptgebäude stand eher an der langen Seite die Bühne, bei der Aufteilung davor legte der Veranstalter viel Wert auf Barrierefreiheit. Das rechte Drittel des Auditoriums war leicht erhöht und komplett für Menschen mit Handicap reserviert.
THE NEW ROSES
Der Special Guest war bis zuletzt unklar, erst nachdem die Leinwand den Namen der Wiesbadener ausspukte, lüftete sich das Geheimnis. Vielen nicht ganz unbekannt kam sofort Applaus auf, als der Fünfer mit „Attracted To Danger“ loslegt. Wobei das Outfit von Sänger Timmy Rough überraschte, die lange Matte hatte er ja noch nie, aber nun recht kurz, dafür mit noch mehr Bart, den Hut hat er wohl beim Pokern von Jay Buchanan gewonnen.
Das deutete mehr Erdigkeit und weniger Rockstarattitüde an, wobei die Truppe schon immer auf den Füßen blieb. Die großen Gesten und Anfeuerung ans Publikum kamen natürlich trotzdem, die Faust wurde mehr als einmal geballt, oder das Mikro gen Menge gehalten. Früher ja noch selbst an der Axt aktiv gab er sich nun als gereifter Frontmann, der gerne den Kontakt zum Publikum suchte, insgesamt etwas zurückhaltender auftrat.
Seine Gitarre übernimmt seit einer Weile Dizzy Daniels, der nun wieder fest an Bord ist, sich aber auf der linken Flanke eher im Hintergrund hielt. Dafür lieferte er wie auch Bassist Hardy auf der anderen Seite tolle mehrstimmige Vocals, die den Melodiefaktor in die Höhe trieben. Im Gegensatz zu Daniels war dieser etwas aktiver und schlurfte da außen lässig herum, schlenderte auch mal zu den übrigen Bandmitgliedern. Sein Rhythmuspartner Urban Berz hatte ein eher kleines Kit am Start und haute einen typischen simplen, aber effektiven Groove rein, wie man ihn von Riff Rockbands her kennt. Auch bei ihm war optisch einiges auf Coolness ausgelegt, der Swing locker aus dem Handgelenk, ohne übertrieben Mätzchen.
Für derlei Geschichten war wie immer Norman Bites an der Flying V zuständig, der neben Rough den Mittelpunkt der Show markierte. Schon sein Spiel war sehr agil, die Soli geizten nicht mit Highlights, da glühten die Saiten richtig. Dazu sein Auftreten, das Spielgerät wurde permanent hochgerissen, herumgewirbelt, dann wiederum richtete er den Hals gen Publikum, wo er mit breitem Schritt auf Tuchfühlung ging. An Posen wurde alles durchexerziert, was die Palette für Rockstars so hergibt, gerne mal der Kick zu Powerchord. Wenn dem Sechssaiter auch ein paar Spots an der Rampe zugestanden wurden, war der Rest der NEW ROSES immer noch präsent genug.
Eine Egoshow ihres langmähnigsten Mitglieds würde auch nicht zu der Formation passen, die geschlossen auftrat. Ihr Sound pendelte zwischen feiner Attacke und abgehangenen Momenten und brachte viel Druck aus den Boxen, gerade des Rhythmusfundament war sehr stabil. Das zeigte sich in Liedern quer durch ihren Backkatalog wie „Bring The Thunder“, „Down To The River“ oder dem abschließenden „Thirsty“. Am meisten konnten leicht melancholische Nummern wie „Glory Road“ zünden, bei denen Rough sein Timbre voll ausspielen konnte. So gelang es das Publikum immer mehr auf seine Seite zu ziehen, und bei „It´s A Long Way“ Singalongs zu ernten.


URIAH HEEP
Pünktlich um neun ertönte ein klassisches Intro, der Regen hörte mal kurz auf, als die Recken die Bretter erklommen, und freudig begrüßt wurden. Man muss schon konstatieren, dass bei weniger nass-kalt etwas mehr Stimmung aufgekommen wäre, aber die Fans sind auch nicht mehr die Jüngsten. Wobei es mir jedes Mal viel Freude bereitet, wenn ich deutlich jüngere Menschen sehe, die voll in der Art Musik aufgehen. An der Band selbst hat es sicher nicht gelegen, möglicherweise ist der recht neu Opener auch nicht jedem geläufig, aber mit wie viel Euphorie die Hymne von der Rampe gehauen wurde, war sensationell.
Vom ersten Moment an, war zu sehen, dass hier und heute jemand da oben stand, bereit dem übelsten Wetter zu trotzen, von dem wir weit entfernt waren. In der Besetzung nun schon seit dreizehn Jahren aktiv, war da eine kompakte Einheit zu erleben, die sowas von Macht besitzt. Alleine die Kommunikation auf der Bühne war toll zu erleben, wie hier jeder mit jedem musizierte, immer kleine Gesten und Blicke ausgetauscht wurden. Speziell Dave Rimmer war mit seinem Langholz viel unterwegs, suchte jeden Mitstreiter auf, und wirkte so als zusätzlich verbindendes Glied, wobei die Begegnungen immer Begeisterung in den Augen auslösten.
Das Mitglied mit der wenigsten Dienstzeit, Teil der jüngeren Rhythm Section, brachte sich im Laufe der Jahre immer mehr ein, und entwickelte seinen eigenen Bühnencharakter. Was da an melodischen Bassläufen an den Start gebracht wurde, die teilweise fast Solocharakter annahmen, war nicht nur schön zu hören. Nach so vielen Durchläufen rang seine Darbietung einigen Lieder immer noch neue Facetten ab.
Mit dem weißen Bass mit LEDs im Hals oder wahlweise dem John Entwistle Signature hatte er das nötige Werkzeug am Start für solche edle Klänge. Als dann mit dem „Sweet Freedom“-Stampfer früh ein absoluter Hit gebracht wurde, stimmte eine der Redaktion nicht unbekannte Person genau die markante Basslinie an, was Frontmann Bernie Shaw zu Scherzen über die richtige Tonart veranlasste, ein Zeichen für die Lockerheit der Musiker.
Wobei der Sänger natürlich deutlich mehr Kilometergeld verdiente als sein Viersaiter, seine Leistung ist vielleicht am höchsten einzuschätzen. Auf der einen Seite der unermüdliche Einsatz an der Rampe, auf der anderen das traumhafte Storytelling am Mikro. Eigentlich nur, in langen Solopassagen, wenn er die Bühne verließ rannte er nicht unentwegt auf und ab, suchte dabei immer den direkten Kontakt zu seinem Publikum. Aus dem versuchte er alles heraus zu holen, animierte es immer wieder zu interagieren, riss ständig die Arme hoch, um dieses anzufeuern. Selbst wenn dann wie im angesprochenen Titel ordentlich Reaktionen kamen, verlangte er stets mehr.
Um auch selbst mehr zu geben, denn eine solches Level schaffen nur ganz wenige, vor allem bei dem Bewegungsdrang. Der beschränkte sich nicht nur auf die weiten Wege, zu jeder Silbe lieferte Shaw die passende Geste, untermauerte die Atmosphäre zusätzlich. Dabei war schon die Intonation brillant genug, um den Zuhörer in den Bann zu ziehen, die Figuren der Kompositionen zum Leben zu erwecken. Noch besser als vor einem Jahr in Frankfurt, stimmte auf dem Schiffenberg jede Phrasierung, legte er all sein Herzblut in jeden Ton. Wenn es dann ruhiger Wurde setzte er sich mal auf die Box, oder umarmte seinen Gitarristen, nur um dann wieder mit Inbrunst loszustürmen.
Dem Sechssaiter indes war ein wenig seine Krankheit noch anzusehen, die ihn zu Beginn des Jahres ein paar Shows verpassen ließ. Wobei fast ein Sakrileg, ihm das mit fast Achtzig vorzuwerfen, aber man sah schon, dass Mick Box an der Last seiner Les Paul schwer zu tragen hatte. Zudem waren die Posen vielleicht nicht ganz so breitbeinig wie man von ihm gewohnt ist, doch hing er ein paar Mal lässig zwischen seinen Knien durch. All das überspielte er mit seinem Lächeln, das er die ganzen eineinhalb Stunden aufsitzen hatte, mit dem auch Box den Draht zum Publikum herstellte, welches für ihn sein Leben bedeutet, und für das der Mann alles gab, was möglich war.


Auch wenn auf der Rundreise allabendlich das gleiche Programm gezockt wird, hat er immer noch seinen Spaß daran. Sein eigentlich wilder Staccato im Anschlag, den das Gründungsmitglied mit seinem melodischen Griff in etwas völlig Eigenes verwandelt, ist seit jeher Markenzeichen im Bandsound. Ihm dabei zuzusehen, wie er teils verdrehten Ideen Eingängigkeit einhaucht ist atemberaubend. Spätestens als er seine Hände nicht nur nutzte, um sein Arbeitsgerät zu bedienen, sondern, um die Töne auch mit Gestik zu unterstreichen gab es Szenenapplaus. Nichts gegen den Jubel, den der gute Mick nach minutenlangem Solo im Prog-Longtrack erntete.
Hinter ihm trieb Russell Gilbrook mächtig an, er ist ein echter Glücksfall, der die Formation in zeitgemäße Regionen lenkte ohne ihren Kompass zu verstellen. Das kleine Muskelpaket hinter dem Kit donnerte die ganze Zeit wie wild darauf ein, und betonte mit vielen Breaks die Riffs seines Vordermannes. Mehrfach riss es selbst ihn in der Euphorie aus den Sitzen, wo er die Zuschauer zum Mitklatschen aufforderte. Trotz der enormen Power verlor er nie den Song aus den Augen, sondern lieferte melodische Fills.
Quasi als Gegenpol war auf der anderen Seite des Risers Phil Lanzon zu finden, wenn einer Jon Lord als Grandseigneur an den Tasten beerben kann, dann er. Mit seiner weißen Mähne stand er stolz hinter seiner Hammond, reihte sich gerne in Gestenballett ein, oder traktierte diese wild. Auch Am Synthesizer machte er eine gute Figur, wenn dessen Klänge benötigt waren, und er nicht mit der Orgel Mick Box hinterherjagte. Bei allem Furor strahlte Lanzon stets Erhabenheit aus, mit dem Auge für seine Fans.
Nach einer Woche mit den unterschiedlichsten Genres hatten die Soundverantwortlichen die Anlage bestens im Griff, so dass die kompakte Darbietung auch so aus den Boxen ankam. Die Harmonien aus Hammond und sechs Saiten, welche den Großteil des Materials bestimmten hatten richtig Druck dahinter. Bei so einem geschlossenen Verbund auf der Bühne, war natürlich das Ergebnis super tight und konnte so noch mehr Kraft entwickeln. Vielleicht ein guter Zeitpunkt die Sache zu beenden, bevor diese tatsächlich nachlässt, live nach wie vor unschlagbar. Die großen Publikumschöre beim ultimativen Evergreen zu urteilen, werden sie diesem fehlen, auch wenn ich bei anderen Songs mehr Feedback gewünscht hätte.
Setlist URIAH HEEP:
Graced By Heaven
Save Me Tonight
Shadows Of Grief
Stealin´
Hurricane
The Wizard
Sweet Lorraine
The Magician´s Birthday
Gypsy
July Morning
Lady In Black
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Sunrise
Easy Livin´



