IN FLAMES - Hamburg, Docks


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Konzert vom 20.04.06
Support: Sepultura, Dagoba

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Auf in den Norden! Gesagt getan, flotte viereinhalb Stunden Fahrt und wir waren da. Schnell den ganzen Krempel ins Backpackerhotel gebracht, sich bei Burger King etwas amerikanische Fünf-Sterne-Küche reingefahren und ab ins Docks auf die Reeperbahn.
Kurz vor 18 Uhr – eigentlich sollte ich in 10 Minuten ein Interview mit Anders Fridén führen, dämlicherweise schien das der feine Herr Türsteher (Liebevoll von mir auf 'Little Tin Soldier' getauft...und übrigens, das Hirn hat nicht nur raumfüllende Aufgaben...) am Hintereingang nicht verstehen zu wollen und sah es auch nicht ein, seinen dicken Hintern in die Halle zu bewegen, um den Tourmanager zu holen, damit ich das mit dem klären konnte. Also vor zum Haupteingang, der aber leider auch um viertel nach sechs noch geschlossen war, da drinnen noch fleißig gesoundcheckt wurde. Also, Arschlecken und nochmal zum Burger King, ziemlich sauer, um dann noch unfreundlichst von so einem Typen mit Alder-Sprachfehler bedient zu werden, der vom IQ her vermutlich nur knapp den der Bulettenbrötchen, die er verkauft, überschreitet. Um die Laune etwas zu heben, gings im Anschluss dann noch kurz zur David-Quelle und ein paar „mockeliche“ Pils halfen, den Frust wegzuspülen.

Dann ging es zurück zum Club, der seine Türen endlich geöffnet hatte und bereits ansehnlich voll war. Den Opener Dagoba bekam ich leider nur auf der Treppe zur Garderobe wartend mit, muss aber sagen, dass die paar Songs, die ich hören durfte, ziemlich auf die zwölf gingen. Die Jungs aus Marseille machen modernen Metal, bei dem aggressives Brüllen abgelöst wird von charttauglichen Refrains, eingebettet in einem wuchtigen Brett aus tiefen Riffs und Beats – Also das Übliche quasi...aber in guter Qualität.

Als zweites an diesem Abend enterten Sepultura die Bühne und bewiesen, dass sie trotz ihres Alters noch ordentlich rocken können. Ein Riesenplus bekommt besonders der quirlige Schlagzeugerersatz Roy Majorga, dem man nicht nur beeindruckt zuhören, sondern auch gut unterhalten zuschauen konnte. Der Mann hat sichtbar viel Spaß bei der Sache. Sänger Derrick Green schien etwas unfit und hätte sich gerne auch etwas mehr bewegen können, ließ das möglicherweise aber auch auf Grund des regenwaldähnlichen Klimas im Docks sein. Und ich dachte, was ein Brasilianer ist, hält so was aus ;-)

Es dauerte eine Weile, bis die Bühne für In Flames hergerichtet war, weshalb die Zwischenzeit von den meisten Leuten mit Tanks entleeren und wieder auffüllen, genutzt wurde. Für das ein oder andere Schmunzeln sorgte währenddessen der dicke, nackte Gitarrenroadie. Was einem dieses Schmunzeln jedoch sofort wieder rauben konnte, war, wenn man auf dem Weg zum Bierstand feststellen musste, dass die Verantwortlichen beim Verkauf des Merchandise teilweise den Blick für die Relationen verloren zu haben scheinen. Für ein schwarz-weißes Longsleeve aus hauchdünnem, minderwertigen Stoff 40 Euro zu verlangen, grenzt an bösartige Fanabzocke. Ähnlich verhält es sich mit Bandshirts für 25 Euro. Naja, egal, Metal und seine wirtschaftlichen Aspekte können wir an anderer Stelle noch ausdiskutieren, kommen wir also zurück zum Konzert,
Die Schweden enterten die Bühne und hatten das bereits bis auf die Unterwäsche verschwitzte Publikum sofort in ihrer Hand - In Bezug auf Hitze und Enge im Docks sei kurz angemerkt, dass ich meine starken Zweifel habe, dass der Club sich an die zulässige Besucherhöchstmenge gehalten hat. Es herrschte ja schon ein Riesenchaos, ohne, dass etwas passieren musste – Die Setlist der Göteborger war gut gewählt und so vermengte man neue Songs á la 'Take This Life' und 'Come Clarity' mit allseits geliebten Hits der Marke 'Only For The Weak' und 'Pinball Map' und brachte zur Freude der Fans der ersten Stunde sogar das episch-vikinglastige 'Moonshield'. Der gefühlte Schwerpunkt im Set lag aber interessanterweise auf Stoff des “Reroute To Remain“ Silberlings, der nahezu komplett gespielt wurde. Eine sehr gute Entscheidung will ich meinen, ist dieses Album doch schließlich so etwas wie das “Black Album“ der Schweden. Das Publikum war äußerst willig und so war es doch traurig, dass die Band auf dem letzten Konzert ihrer Europatour ihren Zugabenteil nicht etwas mehr ausbaute. Dennoch bleibt zu sagen, dass es trotz der Ärgernisse zu Beginn ein verdammt geiler Abend mit einer der derzeit besten Metalbands dieses Planeten war. Und so werde ich auch beim nächsten Mal wieder dabei sein, wenn In Flames die Reise durch Europa antreten.

Foto © 2006 Lisa Fritz

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