• Home
  • Reviews & Interviews
  • Live-Reviews
  • SWORDBROTHERS III - Andernach, JUZ Live Club

SWORDBROTHERS III - Andernach, JUZ Live Club


Image

Bands:
Viron (D), Black Knight (NL), Double Diamond (B), Bloodstained (GR), Existence (D), Ironsword (POR), Warrant (D), Torch (SE), Witchhammer (N)
Festival vom 04.03.06

Homepages:
www.swordbrothers.de
www.viron1.com
www.blackknight.nl
www.doublediamond.be
www.existence-alive.de
www.bloodstained-metal.com
www.torch.se
www.witchhammer.com

Mit dem Swordbrothers Festival hat sich Veranstalter Volker Raabe auf die Fahne geschrieben, un- oder altbekannte bzw. nicht ganz so aktive Bands wieder auszugraben und zu entstauben. Part 3 dieses Underground-Festivals fand diesmal fast schon unter schlechten Vorzeichen statt, zumal am Tag vorher Frau Holle mächtig ihr Dachgeschoß gesäubert hatte und mein angedachter Weggefährte Sascha mit einer anständigen Erkältung (oder war es die Vögelgrippe? – trotzdem gute Besserung!) flach lag. Also alleine ab nach Andernach, ohne Navi natürlich gleich alle vier Abfahrten der B 9 getestet und dann endlich bei der „West“ das JUZ gefunden.

Gut für mich, dass aufgrund technischer Probleme mit dem Mischpult (war am Vorabend abgeraucht) sich der Beginn um gut 30 Minuten verzögert hatte und ich somit pünktlich zu den ersten metallischen Tönen der hessischen Viron in der Halle einlief. Vorbei an Freund und Metalbörse ging es erstmal ohne größere Probleme durch die um 12.30 Uhr schon ca. 70 Interessierten, an den Bühnenrand zum Foto schießen. Den anfänglich, trotz eigenem Mischer, beschissenen Sound konnte der Heavy-5er aber durch Spiellaune und einen optisch agilen Eindruck wettmachen. Ende 2004 zum ersten Mal meine Gehörgänge mit ihrem Demo „NWOGHM“ nachhaltig beschallt, wissen die Burschen auch live zu überzeugen, was durch den besser gewordenen Sound bei den letzten beiden Songs belegt wurde. Stimmlich hat Fronter Alexx Stahl einiges auf der Pfanne und überzeugt auch bei seinen Screams. Das fest zum Repertoire gehörende Exxplorer-Cover „Run for tomorrow“ war klangmäßig nur zu erahnen und wird nicht auf dem im April erscheinenden Debütalbum zu hören sein. Aber lasst euch gesagt sein, der Rest des abwechslungsreichen Songmaterials hat es ebenfalls mehr als nur in sich.

Nach einem wirklich kurzen Changeover, und das ging den ganzen Tag über so von statten, betraten die Niederländer Black Knight die Bühne. Ehrlich gesagt, hatte ich von dem Quintett bis dato noch nichts gehört und lies mich somit mal überraschen. Frontkreischer Marcel van der Haven entpuppte sich als Poser vor dem Herrn und bestimmte nicht nur stimmlich mit einem Mix aus Brust- und Kopfstimme die Szenerie on Stage. Bei wesentlich besserem Sound kam das nach traditionellem Heavy Metal und teilweise an Maiden, Jag Panzer und auch nach Fates Warning klingende Songmaterial recht ordentlich rüber. Zu  80er Jahre orientierten Gitarrenriffs sangen sogar ein paar aus den ersten Reihen den letzten Song lauthals mit und verabschiedeten die Oranjes nach 45 Minuten mit etwas mehr Beifall, als ihn Viron schon geerntet hatten.

Ohne weitere Fahrplanverzögerung durften jetzt die belgischen Metal Urgesteine Double Diamond ran. Die Setlist bestand vornehmlich aus dem 2004er Output „Stand up and fight“ und das bedeutete melodischen Heavy Metal vom Feinsten. Dies sahen jetzt auch so ca. 150 Anwesende und machten mächtig Stimmung bei anständigen Heavy- und Powermetal Sound- und Lichtverhältnissen. Frontmännchen (wirklich nur wegen seiner körperlichen Größe!) Filip Lemmens, der optisch wie eine Mischung aus Bernie von Axxis und Rod Halford rüberkam, entpuppte sich als stimmlich ganz Großer und hatte somit vom ersten Song an das Publikum in der Hand. Mit einigen Spaßvogelansagen bzw. –einlagen, wie z. B. so richtig „true“ mit einem Schwert bei „Conquer“ rumfuchtelnd, taten er und seine vier Mitstreiter alles, um die 50-minütige Playtime mehr als nur kurzweilig erscheinen zu lassen. Da passte auch als Schlusssong Manowar’s „Battle Hymns“. Dieser Auftritt war ein Highlight des Tages!

Dieses Niveau konnten Existence aus dem Frankenland nicht annähernd erreichen. Zwar mühte sich der mir gänzlich unbekannte 5er redlich und lieferte eine solide musikalische Leistung ab, aber die Halle leerte sich doch zunehmend. Ob es an dem Pfarreroutfit während der ersten beiden Songs, dem statischen Stageacting der Akteure lag oder eben nur daran, dass ihr Melodic Metal dann doch sehr altbacken klang und bis auf die Gitarrenarbeit wenig Highlights bot, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall fanden sich nur einige wenige, die bei den von Sänger Mike Klose angestimmten „oh, oh, oh“ Mitsingspielchen ihre Erfüllung fanden.

Kurzweilig gestaltete sich jetzt die Umbaupause für das portugiesische Dreigestirn Ironsword, da nicht wenige hier schon die Band mit lauten Sprechchören begrüßten. Der rotzige Powermetal des Trios lockte dann auch gleich die volle Bandbreite der jetzt über 200 Besucher in die Halle und vor der Bühne entstand erstmalig an diesem Tag richtiges Gedränge. Stellt euch vor, Lemmy Kilmister ist jung, spielt anstatt Bass Gitarre, singt schnell und kommt aus Portugal, dann könnt ihr erahnen, was Ironsword bzw. Sänger Tann (Ex-Moonspell) musikalisch und gesanglich abliefern. Eine Stunde Party pur feierten hier nicht nur Publikum, sondern auch nicht wenige Member der Vorbands vor der Bühne. On Stage wurde beim letzten Song „Burning Metal“ dann so richtig die Klischeetüte ausgeschüttelt. Schwertgefuchtel und der erste Stagediver ließ sich durch Publikum tragen. Das hat wohl allen gefallen und es hagelte Zugabe-Rufe ohne Ende. An seinen nicht jugendfreien Ansagen wie „Ich will deine Pussy lecken, bitte“ sollte Tann trotz klarer Aussprache noch arbeiten…

Viele haben darauf gewartet und wurden jetzt belohnt: die deutschen Warrant. Das eigentlich aufgelöste rheinische Trio tritt maximal, wenn überhaupt, 1 Mal im Jahr auf und dieses Jahr eben auf dem SBF. Gleich vorweg, nicht nur der anheizende Scharfrichter „The Enforcer“, der zu Beginn seine übliche Show abzog, sondern auch das Trio selbst war es, welches die Stimmung beim Publikum nahtlos hochhielt. Mit einem begnadeten Sound ausgestattet, gelang es sogar dem Schlagzeuger sich selbst zu überholen und dem teilweise schon speedigen Material noch mehr Geschwindigkeit einzuverleiben. War ja aber auch kein Wunder, denn da waren ja noch die 30 Minuten Zeitverzögerung… Frontmann und Basser Jörg Juraschek bewies deutlich, dass er neben singen noch animieren kann und so wurden dann auch seine Mitsing-Parts angenommen. Neben den 80er-Klischee Songs ist und bleibt der „Enforcer“ ein wichtiger Bühnenbestandteil und so durfte er zu „seinem“ Song wieder auf die Bühne und „seine“ Shirts werbewirksam ins Publikum werfen. Für mich ein weiteres Highlight, was folgerichtig auch zur ersten Zugabe an diesem Abend für eine Band führte. Viron’s Schlagzeuger Neudi, der hier die Bühnenbretter nicht ganz rechtmäßig erklommen hatte, flüchtete sich dann vor dem herannahenden Enforcer in die rettenden Arme der ersten Reihen

Kurz durchschnaufen, Pinkel- und/oder Mampfpause oder einfach nur mal frische Luft schnappen war während der jetzt anstehenden Umbaupause, mit einer kurzen Ehrung für „Swordsister“ Ute Berger durch den Stageleiter Chris (Custard) und eben dem Veranstalter Volker Raabe, bei vielen angesagt. Und dann sollte es endlich Zeit für die Griechen Bloodstained sein, die die Running Order gehörig durcheinander gewirbelt hatten. Der Grund ist recht schnell erklärt: Ihr Schlagzeuger hatte beim Abflug seinen Pass vergessen, der Anschlussflug wurde dann wegen unseres Schneechaos gestrichen bzw. nach München umgeleitet. In einer Odyssee ging’s dann mit dem Zug nach Andernach und eigentlich direkt aus diesem auf die Bühne. Viele Zuschauer waren zu Setstart noch nicht wieder in der Halle und verpassten so einen zum Posen geborenen Basser in der Aufwärmphase. Ein nicht nach Metal aussehender Sänger mit einem Hammerorgan in allen Höhen und Tiefen zelebrierte nun griechischen Wein, ähm rifforientierten Powermetal. Das zog spätestens nach dem dritten Song wieder einiges an Publikum in die Halle und die Bangerei bei richtig gutem Sound ging von vorne los. Da keine Setlist auslag und die Band für mich musikalisch ebenfalls Neuland war, muss ich mich an dieser Stelle auf den Sänger verlassen, der die angekündigten Songs von der neuen Platte anständig gescreamt und gecrowlt hat. An dieser Stelle ein dickes Danke an den Veranstalter und vor allem die Bands, die nicht auf die Running Order bestanden haben und mir und vielen anderen diesen Hörgenuss gegönnt haben.

Mit guten Kritiken vom Keep it True IV im Gepäck stimmten die Schweden geschickterweise schon während des Linecheck ein Accept Riff an, was oh Wunder, gleich Begeisterungsstürme auslöste und wieder das gemeine Volk, wenn auch nicht mehr ganz so zahlreich, vor die Bühne zurückholte. Fronter Dan, mit seinem bunten zum Teil aus Latex bestehenden Outfit der Paradiesvogel des gesamten Billings, legte sich von Anfang an auch mehr als nur agil ins Zeug und suchte ständig den Kontakt zum Publikum. Stimmlich an einen Udo Dierkschneider erinnernd, ging mit aber schon nach kurzer Zeit sein schrilles Gekreische zu seinen Ansagen auf die Nerven. Wer auf Accept on Speed, geschminkte und abgedrehte Akteure on Stage steht, kommt hier bei diesem Quartett auf seine Kosten, zumal musikalisch hier eine obere Arschtritt Liga am Start war. Hoffentlich war von den Nordmännern niemand erkältet, denn es wurden einige Flaschen Wasser nach einer vollzogenen Mundspülung in die vorderen Reihen befördert. Erstmals versuchten sich auch zwei Mädels als Stagediver, die dann auch für ein paar Meter auf den Händen von wahren Männern durch die Halle getragen wurden. Als Zugabe spendierten die Mannen als Zugabe einen Song ihrer ersten EP von 1983. Echt true.

Eher als Rausschmeißer und nicht als Headliner empfand ich Witchhammer. O k., es war mittlerweile schon spät und jeder hatte massig Oktaven über sich in den letzten 12 Stunden ergehen lassen müssen, aber das norwegische Quintett empfand ich mit ihrer Mischung aus Thrash, Power- und Doom Metal nicht ganz so prickelnd. So ähnlich dachten wohl auch einige andere und so sahen nur noch knapp 70 Peoples die Deutschlandpremiere der Skandinavier. Gesanglich einem Rob Zombie gleichend und barfuss mit Raggae-Bewegungen in welchem Nirvana auch immer rumhüpfend, schlich Sänger Per über die Bühne. Obwohl stimmlich das alles gut rüberkam und Basser, sowie Leadgitarrist sich anständig am Backgesang machten, kam bei mir keine Stimmung mehr auf. Auch nicht als ich beim fotografieren durch zwei an der Vögelgrippe infizierte abgelenkt wurde. Da versuchte „er“ am Bühnenrand nach reichlich Fingerfertigkeit „ihr“ doch aus ihrer Stretchjeans zu „helfen“, um ihr dann ein Platz zum „sitzen“ auf seiner „Stange“ anzubieten. Welch ein Schauspiel! Fotos hiervon sucht ihr Musikfreunde aus Pietätsgründen  aber vergeblich bei uns.

Mit nem Grinsen im Gesicht trat ich dann die Heimreise an und lege euch Metalheads und Undergroundsupportern dieses Festival der kleinen Preise und der großen Unterhaltung ans Herz.
Schaut selbst mal rein am 16.09.06 im JUZ Andernach…!

 Setlists:  

Viron:
blow the fuse
lucifer arise
run for tomorrow
bound to be
ride on
doomsday
for her majesty

Black Knight:
metal sunny
beware of the blin
excavated
screaming
profound
why I am
like to ride
creature
story of the day

Double Diamond:
ride the wind
murder at midnight
run if you can
anubis
seventh seal
conquer
father of time
hell or paradise
flash in the sky
battle hymns

Existence:
voyager
nights in the dessert
waste your time
under one’s yard
goodfahter death
inquisitor
the ritual
eventful visions
insomnia
the reason why

Ironsword:
into the arena
nemedian chronicles
dragons of the sea
march on
brothers of the blade
wrath of crom
king of all kings
first masters
cimmeria
the wench
crown of iron
burning metal

Warrant:
satan
bang that head
ordeal or death
sen ya’ to hell
condemned forever
die young
torture in the tower
betraye
enforcer
corwards or martyrs
ready to command
nuns have no fun
scavegers daughter
the rack

Bloodstained:
Liegt nicht vor

Torch:
warlock
beyond the treshold
hot on your heels
sweet desire
sinister eyes
battle axe
watcher of the night
gladiator
thunderstruck
electrikiss
cut troath tactics
beauty and the beast
fire raiser
hatched man

Witchhammer:
hallowes eve
kill all in sight
confrontation
the burning court
human rights
cold turkey
enola gay
dust
whore of babylon
my execution
by this axe
the ultimate constallation
deliver us from evil
touch of an angel
transylvania
curiosity about death

 

 Plakat ©  by Swordbrothers Festival

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.