DORO - Frankfurt/M.

11 doro flyerKonzert vom 17.11.22
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Nun war es also DORO, das erste Konzert, welches sich seit fast zwei Jahren wieder komplett anfühlte. Ich muss gestehen, dass es nicht oben auf der Agenda stand, obwohl ich mit „Triumph And Agony“ aufgewachsen bin. Vielleicht habe ich sie zu oft gesehen, aber klasse war es immer. Und am Ende blieb sie als einige der wenigen Künstler standhaft und sagte ihre Tour nicht ab, gab dafür den Hopefuls von OVERSENSE in der Batschkapp eine Chance.

Dass diese genutzt wurde sah man an dem großen Interesse anschließend am Merchstand. Dabei war der Beginn noch etwas frostig, die Leute mussten erst noch das Wetter aus den Knochen schütteln. Genau das spricht für eine Bands, wenn sie es schafft das Interesse an ihr hochzupushen, und man sah den Musikern auch an, die sie mit wachsendem Zuspruch immer sicherer wurden. Am deutlichsten machte sich das bei Leadgitarristin Jasmin Pabst bemerkbar. Hatte man noch zu Beginn den Eindruck, sie wäre komplett auf ihr Instrument konzentriert, entwickelte sie sich zum Aktivposten in Sachen Stageacting.

Immer wieder war der Blickfang auf der Bühne unterwegs und suchte den Kontakt zu ihren Mitstreitern, die Mimik hatte schon was Flirtendes an sich, auch weil sie oft wie eine Katze um ihre Kollegen herum schlich. Diese blieben aber fest stehen und verließen ihren Platz hinter dem Mikrofonständer nicht, wobei Frontmann Danny Meyer schon den Fels in der Brandung gab. Oft breitbeinig dastehend bearbeite er seine Gitarre vehement und konnte mit seiner variablen, melodischen Stimme punkten. Bei seinen Ansagen konnte man ihm ein gewisses Charisma ebenfalls nicht absprechen, er strahle von Beginn an Sicherheit aus.

Immer wieder feuerte er das Publikum an, das reagierte auch entsprechend und wurde mit fortschreitender Konzertdauer lauter und dichter. Seine markigen Riffs wurden von der Pabst oft mit feinen Leadmelodien verziert, was den Songs eine sehr interessante und eigene Note verlieh. Die Elfe mit den feurigen Haaren zauberte so einiges aus ihrer Ibanez, auch solistisch konnte sie glänzen. Zu eher klassischem Melodic Metal mit teils zurückgenommenen Strophen servierten die beiden Saitendehner öfter modernere Riffs, wozu auch der Groove von Patrick Lippert passte.

Wenn er nur Hi-Hat und Becken bearbeitete, trieb er die Songs ebenso an, wie wenn er wie in „Antisocial“ die DoubleBass auspackte. Überhaupt gab er richtig Gas hinter der Schießbude, beackerte sämtliche Teile unablässig und gab nicht nur stoisch den Takt vor. Vielleicht stachelte ihn auch das wesentlich größere Kit zu den Leistungen an, welches direkt hinter ihm stand. Geboten wurde vor allem Material vom gerade erschienenen „Egomania“ wie „Love“ oder „Toast To The Devil“ aber auch vom letzten Longplayer „The Storyteller“ und der „Dreamcatcher“-EP.
Optisch hat die Band auch eine klare Linie, die Endzeitklamotten geben dem Auftreten noch mehr eigene Identität, wobei man sich die Hauptakteurin des Abends auch prima in der Garderobe der guten Jassi hätte vorstellen können. Bei den Songs könnte man vielleicht noch die vorhandenen Stärken und Einflüsse zu einem wirklich eigenständigen Sound bündeln, die Ansätze für mehr sind auf alle Fälle vorhanden. Schön zu sehen, dass der deutsche Nachwuchs sich nicht den Umständen beugt und verdient viel Applaus einfuhr.

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Applaus und Zugaberufe, ja das hat man alles schon gehört in dem Jahr, irgendwo im ganz kleinen Club oder dem Biergarten bei einer Coverband. Aber dass der Bandname skandiert wurde, hat der Autor schon seit DIMU BORGIR und AMORPHIS im Januar 2020 nicht mehr erlebt, dafür an dem Abend bereits als die Lichter ausgingen und quasi nach jedem Lied. Man könnte meinen, die Zuschauer wären ausgehungert, was in der Tat wohl zutrifft, aber für die Musiker noch viel mehr.

Einfach dieses Selbstverständnis mit dem erst einmal die vier Herren heraus stürmen und mit dem Intro loslegen, da war dieses unbedingte Wollen zu spüren, dieser Hunger. Als dann noch die erklärte Metal Queen mit einem ganz alten Gassenhauer loslegte , wurde es noch lauter in der Menge, die Fäuste gingen in die Luft, der Bewegungsdrang hielt sich zwar zurück, dafür erwiesen sich die Anhänger als textsicher.

Die Fünf brannten ein Feuerwerk ab, die Funken sprühten auch ohne Pyrotechnik auf der Bühne. Klar, so Typen kannst Du blind da hoch schicken, die wissen was sie da tun, hochprofessionell und für die Bühne geboren. Und so eine Leidenschaft muss ebenso angeboren sein. Hundert Minuten Vollgas, Drummer Johnny Dee pumpte später auch mal ordentlich während einer Ansage, aber dann geht es mit unverminderter Härte weiter. Und immerhin konnte er während seines Solos keine Pause genießen.

Die Saitenfraktion war blendend aufgelegt, sprang wie wild umher, Spagat in der Luft, dann wieder ganz breitbeinig, die Gitarre wie ein Gewehr vorgehalten. Es wurde sich in alle erdenklichen Posen geworfen, die Äxte hochgerissen und auch mal über dem Kopf gespielt. Bei einem Solo ging es mit Bas Maas komplett durch, als er auf Knien DORO entgegen schlitterte. Die Pure Spielfreude, die jedem Akteur auch im Gesicht anzusehen war.
Doch bei all der Show wurde das Spiel nicht vernachlässigt, das tight und ungeheuer druckvoll aus den Boxen ballerte, die schneidenden Riffs wurden mit Macht in die Menge geschleudert. Da merkte man auch den Zusammenhalt in der Band, man sah wie die Musiker auf und abseits der Bühne miteinander kommunizierten, das war einfach ein großartiges Miteinander.
Bei den Soli der einzelnen Musiker hielten sich die Kollegen bereitwillig im Hintergrund, um dem jeweiligen Mucker noch mehr Spotlight zu verschaffen. Frau Pesch betont ja immer wieder wie gerne sie lange mit ihren Jungs zusammen arbeitet, wobei es überraschte dass Nick Douglas nicht dabei war. Am Langholz stand. Stefan Herkenhoff von BEYOND THE BLACK fügte sich gut ein und durfte auch ein paar derben Backingvocals beisteuern, was er bei BEYOND THE BLACK gelernt hat.

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Die gute DORO hatte sichtlich Spaß am Treiben ihrer Mitstreiter, die sie immer wieder ankündigte und ihnen Gesten zu noch mehr Aufmerksamkeit verhalf. Sie selbst hatte da wenig Problem sich durchzusetzen, war sie doch unablässig an der Rampe zu finden. Es schien, als wolle sie mit jedem einzelnen Zuschauer persönlich in Kontakt kommen. Man sah ihr an, wie sehr sie das genoss, was so lange gefehlt hat. Immer wieder bedankte sie sich bei ihren Fans und deren Treue und Hingabe. Bei ihr sind das aber keine Floskeln, man merkte, dass es vom Herzen kam, dass sie weiß, wem sie das alles zu verdanken hat.

Jene lebt sie aber auch vor, ihre Energie und Leidenschaft steckt alle an, Anhänger wie Mitmusiker. Sie lebt ihre Songs, die Metalröhre hat immer noch genug Power. Bei den Balladen ebenso das notwendige Feingefühl, während Bill Hudson und einer der Techniker auf zwei Yamaha-Synthesizern für die bombastische Untermalung sorgten. Als besondere Wertschätzung durfte das Publikum über die letzten Zugaben entscheiden.
Wobei hier der einzige Kritikpunkt aufkam, denn „Bad Blood“ wird schon länger immer wieder gefordert. Auf den von der Sängerin gehörten Wunsch konterte ein der Redaktion bekannter Zuschauer, dass der wegen der Thematik gegen rechts wichtig sei. Doro Pesch erwiderte zwar, dass der wirklich wichtig sei, leider blieb er erneut im Köcher. 1993 war es schon ein starkes Statement, heute hat es sogar noch mehr Relevanz.
Ansonsten gab es natürlich Vollbedienung, gerade für die Old School-Fraktion, mehr als die Hälfte des Sets bestand aus WARLOCK-Reißern. Fünf alleine vom Klassiker „Triumph And Agony“, an zweiter Position machte der ACCEPT-table Groove schon früh alles klar. In der Folge spielte sich die Band in beschriebenen Rausch, bleibt zu hoffen, dass die Bühnen nicht bald wieder dunkel sein werden, der „Notnagel“ ließ verdammt viel Blut lecken.

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Setlist DORO:
Earthshaker Rock
I Rule The Ruins
Three Minute Warning
Burning The Witches
Fight For Rock
Metal Racer
Raise Your Fist
East Meets West
Für Immer
Hellbound
-Drumsolo-
Blood, Sweat And Rock´n´Roll
Soldiers Of Metal
Revenge
Breaking The Law
All We Are
Evil
All For Metal
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Love Me In Black

 

Weitere Fotos vom Konzert findet ihr >hier<


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