SWEDENROCK - Sölvesborg - Samstag, 06.06.2026

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Samstag, 06.06.2026

TREAT (Rock Stage)
Heute ging es wieder mit dem Standard-Programm los, Hair Metal zum Frühstück auf der zweitgrößten Bühne, vorgetragen in Ermangelung der US-Prominenz von einer einheimischen Combo. Und jenen wurde Ende der Achtziger zugetraut, in deren Regionen vorstoßen zu können, es kam anders, wie wir alle wissen. Nach einer längeren Pause kam die Truppe 2010 für das Album „Coup De Grace“ wieder zusammen, von dem es ganze vier Stücke wie „Skies Of Mongolia“ oder „Papertiger“ zu hören gab.
Den Anfang machte zuvor „One Minute To Breathe“, der Opener des aktuellen Longplayers „The Wild Card“, von welchem gerne mehr als „1985“ hätte kommen dürfen. Die schwedischen Acts feiern das Jahrzehnt, in dem diese Musik ihre Hochzeit hatte, Nestor haben ja analog ihr „1989“. Dafür gab es mit unter anderem „Home Of The Brave“ zwei Nummern aus dem etwas schwächeren Vorläufer „The Endgame“, während das großartige „Tunguska“ leer ausging.

Aber es war eigentlich egal, denn kaum wurde in den Refrain-Modus geswitcht, war die Menge da und feierte richtig ab. Sogar wenn man mit dem Material weniger vertraut war, konnte man spätestens nach der zweiten Strophe problemlos mitgrölen. Dafür sorgten auch die knalligen Breaks von Jaime Borger, der diese lässig aus seinem relativ kleinen Kit zauberte. Der Fluss innerhalb der Songs ist immer noch bestechend, selbst wenn die neueren doch einen modernen Geist atmen. Die Tastenklänge von Patrick Appelgren besaßen da eine gewisse symphonische Note, während sie beim alten Material die typisch süßlichen Flächen verwendeten. Dabei machte sogar der Mann noch Stimmung, auch wenn er hinter seinem Turm gebunden war.

Bei den Führungsfiguren hingegen machten sich die Alterserscheinungen bei Auftreten schon ein bisschen sichtbar. Rober Ernlund wirkte unter seinem Cowboyhut etwas blass, sein Gang war nicht ganz rund, dennoch kämpfte er sich bravourös durch das Set. So schwer ihm die Wege zu sein schienen, er vergaß auch die Fans ganz weit außen nicht, schritt die gesamte Bühne ab. Dazu lieferte er gesanglich absolut ab, die Performance ließ den optischen Eindruck komplett vergessen, da hatte jeder Ton richtig Power, da hätte es die Chöre seiner Kollegen gar nicht gebraucht.
„Gary“ Wikström wirkte ebenfalls etwas angeschlagen, die Haare bieder zum Zopf gebunden, war dennoch agil auf der Bühne. Gerade bei seinen Soli konnte er immer wieder mit melodischem Ton begeistern, stieg dazu öfter auf den Riser ganz vorne. Die gute Stimmung wurde zum Ende hin stadionverdächtig ausgebaut, als die Hits aus der Frühphase kamen, „Get You On The Run“ eröffnete den Reigen. Aber natürlich nichts gegen die Top-20-Single „World Of Promises“, mit der die Norje Bucht endlich in kollektive Ekstase verfiel.

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Fotos: Rainer Petry

CLAWFINGER (Festival Stage)
Zu ihrer Glanzzeit hätte man den Crossover-Pionieren nachgesagt, dass sie Bands wie dem Act zuvor die Butter vom Brot nahmen, heute gehören sie selbst zu den klassischen Bands. Nach ebenfalls langer Pause meldeten diese sich erst in dem Frühjahr mit „Before We All Die“ zurück. Davon gab es dann auch drei Auszüge zu hören, darunter der Titeltrack, die große Resonanz gehört allerdings den Klassikern aus den Neunzigern. Los ging es mit „Hold Your Head Up“ vom selbstbetitelten Longplayer, das bei bestem Wetter die Leute direkt in Wallung brachte.
Wobei das mit dem Wetter wohl das Outfit von Frontmann Zak Tell beeinflusst hatte, Shorts und Kurzarmhemd über Unterhemd wirkten genauso stylisch wie strandkompatibel, gut der wäre ja in der Nachbarschaft. Und so gut gelaunt war der Mann auch unterwegs, die aggressive Note der Kompositionen spiegelte sich nicht in seinem Auftreten wider. Lässig referenzierte er über die Freude da oben stehen zu können nach so vielen Jahren, den Jubel der Menge nahm er wohlwollend entgegen, während er lange Ausflüge auf den Steg unternahm.

Da hatte er scheinbar Probleme seine staccatoartigen Raps zu hören, so dass Jocke Sorg, sonst zuständig für die Beats im Hintergrund die beiden Monitore am Aufgang umdrehte. Seine Beiträge waren nicht in jeder Phase gefragt, weswegen sich der Spaßvogel den Scherz erlaubte. Auch bei den Vocals unterstützte er seinen Sänger, schnappte sich sein Mikro und eröffnete die eine oder andere Battle. Da turnten beide wild über die Bretter und hatten so richtig Laune, bei dem was sie da tun. Wenn da vorne zwei spielfreudig zu Gange waren, ließen sich die Fans, welche CLAWFINGER gewiss nicht vergessen haben, gerne anspornen und ließen ihrerseits den Boden beben. Daneben übte sich vor allem André Skaug in der permanenten Auf – und Abwärtsbewegung.

War das Ganze ohnehin sehr locker, so tobte sich Tell an seinem Spielzeug in Form einer Handyhalterung aus. Jene stand manchmal auf der Bühne und filmte über die vielen Köpfe hinweg, oder diente ihm, um das Teil möglichst sicher über die Bühne zu tragen, wo reichlich gefilmt wurde. Technische Probleme gab es nur weiterhin mit den Monitoren, bis Stagehands Kabel verlegten und die Boxen ganz vorne platzierten. So kamen die Front Pits in den Genuss von PA – wie auch Monitorspund, Dolby Surround für Fortgeschrittene. Mit „Nothing Going On“ kam der erste Hit recht früh, anschließend erstmal späteres Material wie „The Price We Pay“. Dank der präzisen Riffs von Bård Torstensen war auch genügend Druck vorhanden, und nicht alles nur Partystimmung.

Wobei es kaum eine andere Band versteht, beides so miteinander zu verknüpfen, obendrein wurde mit gesellschaftskritischen Ansagen nicht gegeizt. So bringt man Entertainment mit dem notwendigen Anspruch, Integrität war ihnen schon immer wichtig, weswegen auch das missverstandene „Nigger“ nicht mehr im Programm steht. Fiel nicht sonderlich ins Gewicht, wenn in einer Stunde noch Knaller der Marke „Biggest & The Best“, „The Truth“ und „Do What I Say“ untergebracht werden mussten. Gerade Letzteres auf der Schlussposition ließ die Menge endgültig ausrasten, die lauthals mitgrölte. Die bekam einiges zurück, der gute Zak sprintete durch den Fotograben, Skaug gab den Bass an Sorg weiter und sprang gleich mittenrein, so kann man ein Comeback feiern.

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CANDLEMASS (Rock Stage)
Beim nächsten gewaltigen Kontrastprogramm erblickte man auf der Bühne gegenüber das beste Bühnenbild des Wochenendes. Zwei Kreuze, eines davon mit einem Seil umschlungen, an dessen Ende am Querbalken der Letzte-Hilfe-Knoten baumelte. Besser kann man ein ganzes Genre nicht auf den Punkt bringen, alleine schon die Tristesse so einsam da oben stehend. Mittlerweile ist es das sechste Mal, dass ich die Truppe bei dem Festival erlebe, das Set variiert immer ein wenig, wobei der Schwerpunkt meist auf den frühen Songs lag. In Anbetracht ihres vierzigsten Jubiläums des szeneprägenden Erstlings war klar, dass es diesmal nur darum gehen dürfte, so wurden keine Tunes nach den ersten vier Platten gebracht.

Zuerst kam jedoch ein Stück vom zweiten Album, dem Opus Magnum „Nightfall“, bei dem das Publikum früh in ihr Ritual fiel. Die getragenen Passagen und weiten Refrains wurden lauthals mitgesungen, bei den tonnenschweren Riffs war dann SloMo-Banging angesagt. Die epischen Hymnen verfehlten ihre Wirkung nicht, beim folgenden Hit aus „Ancient Dreams“ war richtig Alarm vor der Bühne, auch wenn die Herren es auf den Brettern eher gemächlich angehen ließen.
Gerade Mats Björkman stand lieber als Wachposten für den Galgen da, mit Hippie-Brille, der graue Ansatz weitestgehend rausgewachsen. Sollte man nun die mangelnde Euphorie angesichts der stilistischen Ausrichtung als authentisch ansehen. Lars Johansonwar auf der anderen Seite ebenso angewurzelt, riss aber cool seine Gniedelsolo der Marke „Slayer auf Valium“ gekonnt runter. Wenn die beiden gemeinsam bei der Riffarbeit harmonierten zeigte sich die Stärke von CANDLEMASS, das rollte unaufhaltsam über das Auditorium hinweg.

Als Aktivposten etablierten sich Johan Langquist und Leif Edling, wobei es immer wieder überraschte wie man den Ur-Sänger nach so langer Zeit integrierte. Nicht nur die Stücke von „Epicus Doomicus Metallicus“ konnte er gut umsetzen, auch die restlichen Klassiker machte er sich zu Eigen. Ständig gestikulierte er mit den Händen, hob diese beschwörend in die Höhe, und setzte auch sonst auf Theatralik. Erhaben stolzierte er umher, übte dabei oft den Kniefall, suchte aber auch den Kontakt zu den Fans und taxierte jene mit stechendem Blick.
Verwandelt kam dem Beobachter der Bassist und Bandgründer vor, der bei der letzten Stippviste gar nicht dabei war. Wo früher die Haare nicht so lang waren, hängt die angegraute Matte lang runter, Bart und Doktorbrille runden das Erscheinungsbild ab. Vorbei die Zeiten der Introvertiertheit, der Mann hatte mächtig Spaß und warf sich in die ein oder andere Pose. Als verbindendes Glied zwischen seinen Mitmusikern war er am meisten unterwegs, gerne an der Rampe und pushte die Stimmung bis zum obligatorischen Finale.

Setlist CANDLEMASS:
Bewitched
Mirror Mirror
At The Gallow´s End
Under The Oak
Bells Of Acheron
Dark Reflections
Crystall Ball
Well Of Souls
Solitude

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Fotos: Rainer Petry

YNGWIE MALMSTEEN (Festival Stage)
Unter den Bands dieser Ausgabe, die ich bereits bei meinem ersten SWEDENROCK gesehen habe, ist auch der bekannteste Exil-Schwede der Szene. Wobei ich 2005 schon leicht enttäuscht war, denn in eineinhalb Stunden brachte der Mann gerade mal acht Songs auf die Bühne, der Rest waren endlose Soli. So hoffte ich auf Wiedergutmachung, zumal ja die Show in Wacken als „Greatest Hits“ angekündigt worden war. Was er dort auf die Beine stellen wird, lässt sich nicht absehen, womöglich haben sich Jensen und Hübner vorsichtshalber rechtlich abgesichert. Denn die folgenden eineinviertel Stunden beantworteten lediglich die Frage, wie viele Noten Malmsteen in einer Minute spielt: ALLE!

Dabei fing es gut an, die Band nahm schonmal vor den riesigen Marshalltürmen Platz, die des Meisters Motto optisch deutlich machten: „Mehr ist Mehr!“ Ein kurzes Einspielen mit einem Hendrix-Riff und der Mann enterte die Bühne, vom kolportierten Übergewicht nichts zu sehen. Das Hemd weit offen bis zum Hosenbund von einem sehr eng anliegenden Paar, der perfekte Achtziger-Rockstar-Habitus. Dick aufgetragen wurde nur an den Backen, die Koteletten würden in der Pfanne den Welthunger alleine bekämpfen. Ein bekanntes Intro erfüllte das Feld vor der Bühne, los ging es mit „Rising Force“, ein toller, wenn auch erwartbarer Opener, der laut bejubelt wurde.

Man könnte jetzt noch verzeihen, dass Keyboarder Nick Marino sang und es neben dem Guitar Hero keinen Frontmann gab, der erledigte seine Sache ordentlich. Doch irgendwie kam einem das Solo nach dem ersten Refrain nicht bekannt vor, dachte man an ein zusätzlich eingepflegtes Lead, so wollte dies gar nicht mehr enden. Nach mehreren Minuten dämmerte es den meisten, dass es mit dem Titel nicht mehr weitergehen würde. Nur welcher Titel war nun an der Reihe, ein paar Melodiefetzen, wenn der Flitzefinger das Tempo drosselte konnte man identifizieren. Nett von ihm, dass er die Fotografen vier Lieder im Graben ließ, aber auch die Dame vom Presseteam war überfragt, wo man sich nun befinde.

Sie ging von vier aus, meine Kollegin meinte drei, ich habe fünf gezählt, wirklich ausgespielt wurde nicht ein einziges. Es wurde eine Setlist auf den Boden geklebt, die jedoch nie jemand zu Gesicht bekommen hat, einschlägige Seiten im Netz geben auch wenig her, von anderen Konzerten schon. Will er uns diese Aneinanderreihung von Bruchstücken, die kaum als Medley durchgehen, ernsthaft als Konzertprogramm verkaufen? Dazu sang er plötzlich selbst, „Relentless Fury“ vom aktuellen „Parabellum“ konnte man heraushören, in das kurz ein Riff von „Tom Sawyer“ von RUSH integriert wurde. Damit des Coverns nicht genug, auch „Red House“ des guten alten Jimi sang er mehr schlecht als recht.

Als er sich noch mit Topmusikern umgab, nahm er auf „Inspiration“ einige DEEP PURPLE-Klassiker auf, die durchaus gefallen hätten. Legendärstes Riff der Rockgeschichte hin oder her, aber „Smoke On The Water“ ist wirklich derart abgedroschen, warum nur, wenn man sonst so auf Avantgarde macht? Klar, wieder nur eine Strophe, einen anständigen Singalong beim Refrain, dann wurde das originale Solo wieder bis zum Exzess improvisiert und weiter ging die wilde Fahrt, bei der auch immer wieder die berühmten Instrumentals „Trilogy Suite Op: 5“ oder „Far Beyond The Sun“ vorbeischauten. Bei „Baroque & Roll“ kamen von Marino ein paar Orchestersamples, ansonsten war die Hintermannschaft Staffage.

Ohne den Steg vorne ins Publikum zu nutzen zog YNGWIE MALMSTEEN seine Show ab, traktierte seinen Stratocaster wie ein Wilder, schleuderte die Axt zigmal um seine Körper. Spielerisch war das sicher auf atemberaubendem Niveau, seine Fertigkeiten sind immer noch sensationell. Wie er das Griffbrett rauf, die Skalen runterzockte war beeindruckend, in der Masse leider schier ermüdend. Öfter setzte er zum Solo an, bei dem seine Begleitmusiker ganz Pause hatten. Marino war schon froh, wenn er sich kurz mit seinem Chef duellieren durfte, das feierte er förmlich mit geballter Faust über dem langen Nietenarmband. Dann nutzte er die Boxen und das Feedback, oder rieb sein Spielgerät auf den Marshalls.

Das brachte seinen, je nach Sichtweise, Roadie oder Sklaven auf den Plan, der ein neues anreichen und das alte entfernen musste. Dies geschah öfter als geplant, denn der Meister war nicht ganz zufrieden damit, und attestierte seiner Gitarre einen ausgewachsenen Jetlag. Da wurde dann mitten in der Darbietung gestimmt, oder schnell der Sechssaiter gewechselt. Um ja noch mehr Showelemente rein zu bringen, kickte er die Plektren ins Publikum, die die dort nie ankamen, sondern auf dem Catwalk, umgeben von Lichtbändern zu enden. Dort fanden sich tatsächlich viele, die das Treiben abfeierten und für jede noch so überzogene Abfahrt dankbar waren, auch wenn er kaum auf sie einging.

Von allen Dingen, die vom All aus sichtbar sind, dürfte das Ego von Malmsteen sicher dazu gehören. Dabei konnte man froh sein, mal die Gitarre sehr gut zu hören, oft war in dem Jahr die Doublebass zu präsent, aber er holte im Alleingang alles wieder raus. Als sich die eine Axt nicht vom Jetlag erholte, riss er alle Saiten bis auf eine, hielt denn Ton und ließ den vom Effektgerät immer höher oszillieren. Im selben Maße jubelten die Anhänger immer lauter, ist schon eine Leistung, IHK-Kurs, zweites Lehrjahr.
Dann endlich, Keyboardfanfaren, die von „Seventh Sign“ und „You Don´t Remember, I´ll Never Forget“ kündeten fühlten sich wie eine Erlösung an. Wieder vom Tastenmann brauchbar intoniert, war die Herrlichkeit jedoch ebenso schnell wieder vorbei. Irgendwann hätte uns der Saitenhexer etwas rockbares gönnen können, aber er gab uns Yngwie. Am Ende musste der arme Techniker dann noch eine Akustische bringen, auf der in „Black Star“ eingeleitet wurde, welches das musikalische Treiben beendete.

Damit nicht genug im Kuriositätenkabinett, denn plötzlich wurde ein neues rotes Kabel an eine Strat angeschlossen. Jenes war aber nur zum Schleudern derer gedacht, wobei die öfter hochflog und zu Boden krachte. Jedenfalls so oft, bis sie endlich zerschellte, was wiederum einige begeisterte. Hätte er wenigstens die Teile ins Publikum geworfen, man hätte es nachvollziehen können. Es gab Menschen, die tauschten mit auf dem Headliner wartenden Fans für die Dauer des Gigs den Platz, was diese wohl dachten?
Es sollen Menschen im Publikum gesichtet worden sein, welche ob der Darbietung aufgelöst waren oder ihm vorwarfen alles kaputt gemacht zu haben. Seine eigene Legende hat er auf jeden Fall endgültig zerlegt, weil er weiterhin völlig beratungsresistent das so egomanisch durchzieht, auch wenn der Ferrari längst in der Sackgasse parkt. Was hat der Typ Songs geschrieben, die mal wieder im Köcher blieben, von „I´m A Viking“ über „Queen In Love“ zu „Heaven Tonight“ und „Making Love“, ich möchte es gerne verstehen.

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CRASHDIET (Blåkläder Stage)
Irgendwie erwischte ich an dem Tag nur einheimische Bands, diesmal sogar zwei aus dem unendlichen Fundus des Hair Metal. Wo die vorherigen mittlerweile etwas gesetzter rüberkamen wurde hier konsequent die Achtzigerlinien gefahren, in buntes Leder gehüllt mit toupierten Haaren gaben sich die Combo nicht so sleazy wie sie sich gerne sieht. Doch egal welche Ausprägung der Spielart sie nun bedienen wollen, authentisch waren sie auf alle Fälle.
Vom Stageacting her hätte man auch eine größere Bühne gefüllt, das Selbstvertrauen der Musiker schrie ohnehin nach Stadion. Obwohl Sänger John Elliot und Schlagzeuger Michael Sweet erst zwei Jahre an Bord sind war der Vierer sehr gut eingespielt. „Chaos Magnetic“ von gemeinsamen „Art Of Chaos“ gab den standesgemäßen Opener, der schon gute aufgenommen wurde und eine ordentliche Portion Rotz transportierte.

Da pumpte direkt der Bass von Peter London, der nicht stillstand, und mehrfach kleine Riser oder den vom Schlagzeug enterte, um dann herunter zu springen. Er bildet mit Martin Sweet die Konstanten im Gefüge, welche seit dem Debüt „Rest In Sleaze“ dabei sind, von welchem mehrere Lieder gespielt wurden wie „Breaking The Chainz“ oder „It´s A Miracle“. Beide schienen auch den gleichen Friseur zu haben und suchten darüber hinaus die Nähe des anderen. Vorne aufgereiht standen sie da, je einen Fuß auf dem Monitor und die Haarpracht geschüttelt, sofern es das Haarspray zuließ. Auch der Bruder des Gitarristen war szenetypisch unterwegs, hatte für den Platz auf dem Drumschemel tief in den Kosmetikkoffer gegriffen.

Der Frontmann trug zumindest das Haar glatt hängend, bei Kajal griff er ebenso zu. In Sachen Metern auf der Bühne stand er seinen Kollegen in nichts nach, nicht selten prallten die Musiker fast zusammen. Mit mehreren Vorgängern war es schwierig dem gesamten Material gerecht zu werden, Elliot meisterte seine Aufgabe jedoch mit Bravour. Indem er sich gut integrierte und den Songs seinen Stempel aufdrückte mit seiner hohen und dennoch leicht angerauten Stimme.
Den coolen bluesigen Touch von „Cocaine Cowboys“ macht er sich ebenso zu Eigen wie das Up-Tempo von Riot In Everyone“. Welche das Publikum in Wallung brachten wie auch andere Hymnen zwischen Groove und Druck. Da wurde gesanglich ebenso unterstützt wie von der Saitenfraktion oben, deren Gangshouts so richtig reinschnitten. Um die Schauwerte noch zu erhöhen leisteten die Pyrotechniker beim aufmunitionieren Schwerstarbeit. Mit jedem Song konnten die Fans mehr gebunden werden, ein starker Gig, der in „Generation Wild“ sein umjubeltes Ende fand.

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Fotos: Rainer Petry

HÄLLAS (Sweden Stage)
Recht hoch im Billing angesetzt waren die mit viel Vorschusslorbeeren aus Jonköping angereisten Seventies-Maniacs. Die Deko machte schonmal was her, das Cover des kürzlich releasten „Panorama“ als Backdrop in bester Roger Dean-Tradition, die beiden Spiegelobelisken und Stalagmiten ließen dies noch plastischer wirken. Eine verwunschene Landschaft, eingehüllt in viel Nebel, wie gemacht für das Gebräu, dass die Band selbst Adventure Rock nennt. Dazu trugen alle lange schwarze Umhänge, Keyboarder Nicklas Malmqvist in Rick Wakeman-Manier mit Glitzer, dazu waren die Augen phantasievoll geschminkt, optisch schon ein Kunstwerk.

Als dann die Musik mit „Repentance“ von Debüt „Excerpts From A Future Past“ loslegte klappte direkt die Kinnlade runter, wie kann man das große Jahrzehnt des Rock so authentisch rezitieren? Diese Wärme bei bestem Sound transportierte ganz viele Emotionen, die Instrumentierung war sehr fein abgestimmt. Dabei vereinten sie wunderbar getragene Harmonien mit einem unterschwelligen Drive, Kasper Eriksson garnierte alles mit knalligen Arrangements der KANSAS-Klasse.
Geführt wurden die Songs von vielen Leadgitarren, die Marcus Petersson und Richard Swahn gerne zweistimmig präsentierten. Der Hauch von Wishbone Ash war nicht zu überhören, wenn HÄLLAS auch flüssiger agieren, melodischer britischer Hard Rock der frühen Achtziger hat auch seine Spuren in dem dichten Sound hinterlassen. Stilecht setzten die beiden auf klassische Instrumente, Petersson an der Les Paul, sein Kollege am Stratocaster. Auch wenn sie erst seit einem Album zusammen spielen war das unglaublich tight.

Malmqvist garnierte alles mit vielen Klangfarben, die aus ebenso traditionellen Tasteninstrumenten kam. Analoge Synths umschmeichelten die Gitarren, wenn er auf die Orgel umgriff standen die Zauberer und Fabelwesen aus den Wäldern von Uriah Heep mit auf der Bühne. Tommy Alexandersson konnte so seine weichen Vocals auf wunderbare Wolken betten, die wegzuschweben schienen. Aufwind bekamen diese zusätzlich, wenn seine Mitmusiker zu diesen wunderschönen mehrstimmigen Gesängen ansetzten wie etwa in „Carry On“ oder dem epischen „Astral Seer“. Dabei bediente er seinen Rickenbacker nicht so knarzig wie viele andere berühmte Bassisten.

Eigentlich war ich nur gekommen, um mir das mal anzuschauen, aber ich war überwältigt, so eine musikalische Finesse, die bei aller Ausgereiftheit nie die Frische vermissen ließ. Wenn einen nach vier Tagen Festival eine unbekannte Band so wegbläst, muss sie schon was Besonderes sein. Natürlich konnte meine Wenigkeit unbefangen an die Mischung durch alle vier Langrillen heran gehen, die mit der Bandhymne von der EP ihren Abschluss fand.
Die Security war ob der kolportierten wachsenden Popularität etwas in Alarmbereitschaft Hier jedoch äußerte sich der Zuspruch in beseeltem Hüpfen, sowie lautem Skandieren, etwas anderes wäre auch unpassend gewesen, Trotzdem muss die Stimmung schon als frenetisch bezeichnet werden, es lagen sich alle in den Armen und feierten eine Band, die das beste zurück brachte, was in der Rockhistorie in den goldenen Zeiten zu bieten hatte, die ganz große Überraschung des Festivals.

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BRING ME THE HORIZON (Festival Stage)
Wie schon im letzten Jahr ging das SWEDENROCK für unser Delegation auf der Tribüne an der Seite des großen Infields zu Ende. Da kann man nach all den Strapazen, der täglichen Anreise zur Unterkunft gechillt das Geschehen verfolgen, wenn man mit einem Headliner nicht so viel anfangen kann. Dass es da an Schauwerten nicht mangeln würde, war nachmittags schon klar, als man die ganzen Lichterrahmen rund um die Bühne sah. In der Tat war die Lightshow wirklich massiv, wie bei VOLBEAT konnten die unterschiedlichen Segmente so verschoben werden, dass die Rigs verschiedene Formen bildeten. Das sah gerade von der Entfernung richtig Klasse aus, der Abstand hatte den zusätzlichen Vorteil, dass man ob der Stroboskop-Effekten nachts noch schlafen konnte.

So hektisch präsentierte sich die Musik der Briten, die aus vielen Elementen zusammengesetzt ist. Die Metalcoreanteile hackten uns ihre Staccato um die Ohren, die Elektronik flackerte permanent durch die Bucht. Wobei die allerdings aus der Konserve kam, das war einfach zu viel und nahm dem Liveerlebnis das Organische. Zudem übernahm man die elektronischen Interludien, die im letzten Jahr Slipknot und Korn boten und den Fluss noch mehr zerfransten.
Ganz krass fiel das auf, als „Kingslayer“, das Duett mit Babymetal runter geprügelt wurde, und die Stimmen der Damen eben auch vom Band kamen. Überhaupt bedienen BRING ME THE HORIZON in großer Zahl Jugendliche mit einem Faible für asiatische Popkultur, was sich auch in den Outfits der Fans an dem Tag zeigte. Die machten an dem Abend mächtig Alarm, die Aufforderung zum Crowdsurfen dürfte die Security ins Schwitzen gebracht haben, zumal der Staub der Pits das Auditorium nur noch schwer ausmachen ließ.

Oli Sykes hatte indes sehr viel Spaß an der Show und nutzte die ganzen Wege, welche die mächtigen Aufbauten boten. Das Schlagzeug von Matt Nicholls stand an der Seite, bot den Terrassen noch mehr Raum, auf denen auch Gitarrist Lee Malia und Bassist Matt Kean standen. Beim Headbanging sehr engagiert, war deren sonstiger Bewegungsumfang etwas zu gemächlich. Leben kam in die statische Bühnenaufteilung rein, als zu „Antivist“ eine Zuschauerin auf die Bühne gebeten wurde, die ihr Glück kaum fassen konnte.
Da war einer von mehreren Liedern von „Sempiternal“ wie auch „Can You Feel My Heart“, welche die ältesten im Set darstellten, die ersten drei Alben blieben außen vor. Gerade die Balladen wie „Teardrops“ zeigen eine komplette Abkehr von ihren Metalcore-Wurzeln, die live gar nicht mehr stattfinden. Stattdessen setzte man auf die mittlere Karrierephase, neben besagtem Album bestimmte „That´s The Spirit“ wie „Happy Song“ das Programm, da soll noch mal wer über Metallica schimpfen.