SWEDENROCK - Sölvesborg
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Konzert vom 03.- 06.06.2026
Bands: IRON MAIDEN, VOLBEAT, JOAN JETT, BRING ME THE HORIZON, OFFSPRING, HELLOWEEN, SAXON, etc.
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SWEDENROCK
Wie immer markiert das traditionsreiche schwedische Festival eines der großen Auftaktevents in der europäischen Szene. An jedem ersten Juni-Wochenende, immer um den Nationalfeiertag am 06.Juni herum findet im südschwedischen Sölvesborg das SWEDEN ROCK FESTIVAL statt. An vier Tagen gaben sich fast einhundert Bands die Ehre, mit einem sehr breitgefächerten Bandangebot, dass in der Form seinesgleichen sucht. Ungefähr 35.000 waren bei der 33. Ausgabe jeden Tag vor den Toren der Stadt in der Norje Bucht, um dieses Happening zu feiern. Schöner kann ein Gelände auch kaum liegen, die Ostsee in direkter Nachbarschaft, was mit zum Flair des Festivals beiträgt. Wie schon seit ein paar Jahren war FFM-ROCK mittendrin statt nur dabei, um davon zu berichten.
Anreise:
Irgendwas muss ja immer passieren, und neben den obligatorischen Staus im nun bundesligafreien Bundesland, meldete sich plötzlich das Opel-Gefährt. Irgendwas vibrierte schon deutlich, bis dem Verfasser dieser Zeilen einfiel, dass nicht umsonst darauf hingewiesen wird, nach 50 Kilometern die Radmuttern nachzuziehen. In der Tat lockerte sich der nagelneue Sommerreifen, was früher kein Problem gewesen wäre. Nur wer hat heute in Zeiten ohne Reserverad noch einen passenden Schlüssel? Glücklicherweise strandeten wir in der Nähe unserer lieben Kollegin Jutta, die tatsächlich ein Radkreuz vorbeibrachte.
Am Ende wurde es spät in der Nacht, auch weil man sich in Norddeutschland ein Fischmahl munden ließ. Die Unterkunft auf der Halbinsel Hällevik erwies sich als gut ausgestattetes Tiny House mit etwas geringer Deckenhöhe im obigen Schlafraum. Der Blick auf das Meer war ein weiterer Bonus neben der sehr ruhigen Lage am Ende einer Sackgasse, der Weg ans Gelände war überschaubar und ein privater Parkplatz stand nahe zur Verfügung. Die zwei Tage bis zum Start wurden mit der obligatorischen Elchsafari gefüllt, dazu luden die Fluten ein, sich darauf und darin sportlich zu bewegen.
Mittwoch, 03.06.2026
EUROPE (Blåkläder Stage)
Klar pfiffen es die Spatzen von den Dächern, wer sich nun hinter dem ominösen Überraschungsgast verbarg, der in der Mittagssonne das Open Air eröffnen durfte. Dennoch war der Jubel groß, als der Vorhang mit dem großen Fragezeichen darauf fiel und die Hair Metal-Legende schlechthin dahinter loslegte. So voll war der Hang vor der zweitkleinsten Bühne schon zu Beginn noch nie, und die frohe Kunde machte für die Ahnungslosen dank des wundervollen Telefonsystems schnell die Runde.
Auch wenn der Opener vom demnächst erscheinenden neuen Album bislang den wenigsten geläufig sein durfte, war die Stimmung sofort oben. Sicher nutzte der Headliner-Kandidat die Möglichkeit, um für „Come This Madness“ die Werbetrommel zu rühren und gab dem an die ersten Reunion-Alben erinnernden Stücke viel Aufmerksamkeit. In der Folge schob man noch ein rockigeres Lied nach, manch einer dachte, sie würden jenes lang ersehnte Werk in Gänze auf die Bühne bringen.
Doch EUROPE wissen zu sehr um ihren Katalog an Klassikern, als dass sie ihn außen vor lassen könnten. Schon folgte die wohl schnellste Nummer der Bandgeschichte, welche das Publikum richtig auf Trab brachte und die ersten Hörner hochgehen ließ. Den Musikern war wohl nach Rocken zumute, die beiden vorgestellten Nummern waren auch recht kernig, und auch der Rest des kurzen Programms ging ordentlich nach vorne. Wobei die mitsingkompatiblen Titel zum Schluss kamen, allerdings auf den schlussendlichen Herunterzähler verzichtet wurde. Einige mögen das bemängelt haben, ich sah darin wie schon bei Kee Marcello im letzten Jahr kein Manko.
Das Wetter zu dem Zeitpunkt sprach natürlich das sonnige Gemüt des ewig jungen Frontmanns an, dessen Strahlelächeln schon Wochen zuvor bei ROCK MEETS CLASSIC bezauberte. Ob schon größere Mengen bei dem Anlass gewohnt, war Joey Tempest über den Zuspruch sehr erfreut, und nahm von der ersten Sekunde an Tuchfühlung auf. Dabei begab er sich mehrmals vorne auf die Boxen, um seinen Fans nahe zu sein, die Sonnenbrille verhinderte den Augenkontakt ein wenig. Bei seiner typischen Mikroständerakrobatik störte das indes kaum, das Teil machte einige Rotationen auf den Brettern. So locker wie Tempest das von der Hand ging, bewegte er sich auch unablässig, die Frische war beeindruckend.
Dem standen seine Nebenleute kaum nach, speziell John Levén konnte eine vergleichbare Leichtigkeit an den Tag legen, und zockte lässig auf seinen vier Saiten. Wenn sein Sänger die linke Bühnenseite freigab, so nutzte er den Raum, um seinerseits mit dem Publikum zu flirten. Da wurde selbst weit außen noch animiert, für jene, die Probleme hatten, die Späße des hart aufspielenden Ian Haugland zu sehen. Musikalisch eher im Hintergrund hielt sich Mic Michaeli, wobei seine Tasten bei der Songauswahl wenig gefragt waren. Rechts spielte John Norum sehr versiert auf der Flying V, der immer mehr die Rockstar-Posen verlässt und mit sehr viel Feeling glänzen kann.
Schon beim Konzert in Stuttgart vor drei Jahren hatte ich festgestellt, dass er nicht nur vom Spiel her immer mehr Gary Moore nahekommt. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass er sich mit dem Iren zu dessen Lebzeiten im Teleporter von Seth Brundle befunden hat. Wie er bei seinen genialen Soli das Gesicht verzog, jeden Ton mitlebte, war großartig, atmete stets den Geist des zu früh gegangenen Großmeisters. Damit setzte er beim knalligen Material, dass vom Publikum aufgesogen wurde, die spielerischen Glanzpunkte, und zeigte, was immer noch in dieser Band steckt. Kaum jemand verbindet so stark Eingängigkeit und musikalische Klasse wie das schwedische Nationalheiligtum.
Setlist EUROPE:
One on One
The Cult Of Ignorance
Scream Of Anger
Superstitious
Rock The Night


THE POODLES (Rock Stage)
Wie groß der Impact seinerzeit der Helden ihrerzeit auf die heimische Szene war zeigte sich auch daran, wie viel Hair Metal Bands in dem Jahr in Sölvesborg an den Start gingen. Bis auf H.E.A.T eigentlich die gesamte Speerspitze der Szene, darunter im Anschluss jene bemerkenswerte Reunion. Seit acht Jahren stand die Formation nicht mehr auf der Bühne, nun ist sie mit erweiterter Originalbesetzung zurück. Neben Henrik Bergqvist war auch Pontus Norgren an der Gitarre zurück, dazu übernahm Pontus Egberg wieder das Langholz. Interessant in dem Zusammenhang auch, dass Sänger Jakob Samuel beim angesprochenen Showcase von Kee Marcello am Mikro stand.
Mit schicker Brille das Rockstar-Outfit optimierend gab er den Mittelpunkt der Show und stolzierte durchgehend über die zweitgrößte Bühne. Womit er jedoch nicht verbergen konnte, dass deren Dimensionen doch etwas zu groß für die nun fünfköpfige Formation waren. Die großen Vorbilder wusste die schon öfter zu füllen, aber gerade zu Beginn agierten die Protagonisten zu statisch. Was vielleicht daran gelegen haben dürfte, dass jeder für die mehrstimmigen Chöre zurück am Mikro sein wollte. Bei einem Fronter wie Samuel aber eigentlich kein Problem, kam er öfter zu seinen Mitstreitern, um gemeinsam in sein Mikrofon zu singen.
Musikalisch war die neu gewonnene Einheit durchaus gewinnbringend, wie man am tighten Zusammenspiel sehen konnte, zudem konnte jeder seine individuelle Klasse einbringen. Norgren legte seine Soloparts mit bluesiger Schlagseite an, was hier deutlich willkommener war als bei HAMMERFALL. Seinem Partner gestand er ebenso seine Spots zu, da herrschte kein Ego-Gebolze untereinander. Dass ihr Material aber dennoch nicht so zündete lag eher an Drummer Christian Lundqvist, der mehr Breaks hätte setzen müssen, um die Arbeit seiner Vorderleute zu akzentuieren. Hier blieben THE POODLES deutlich unter ihren Möglichkeiten, fanden nur schwer den Zugang zum Publikum.
Natürlich war der Zeitpunkt denkbar schlecht nach der Demonstration direkt davor, so musste der gute Jakob um jeden Zuspruch kämpfen. Getreu dem Motto der Reunion speiste sich die Setlist fast komplett aus Liedern der ersten beiden Scheiben wie „Echoes From The Past“ sowie „Metal Will Stand Tall“ vom Debüt als Auftakt oder Nummern wie „Line Of Fire“ und „Flesh And Blood“ vom Zweitwerk „Sweet Trade“.
Mit der Zeit wurde die Connection zum Auditorium enger, weil die Truppe mehr aus sich heraus ging und spielfreudiger agierte. Zu „Like No Tomorrow“, einer der wenigen Nummern aus der Phase ohne Pontus Norgren hatte man sich endgültig eingegroovt. „Seven Seas“ geriet dann zum großen Epos, wo die Zuschauer ihren Teil mit beitrugen. Dennoch muss man auch nach dem Musikfestivalen-Beitrag „One Night Of Passion“ attestieren, dass sie von allen am wenigsten zwingend agierten.


JARED JAMES NICHOLS (Blåkläder Stage)
Nun zum Holzfäller aus Wisconsin in ebenjenem Outfit, der leichte Orientierungsprobleme musikalischer Natur zu haben scheint. Nur so ist es zu erklären, dass er klingt, als käme er tief aus dem Süden, irgendwo zwischen der rauen Attitüde von Jacksonsville und dem Feeling der Swamps. Sich auf der Hinfahrt öfter die Promo zu seinem neuen Studiowerk „Louder Than Fate“ reinzuziehen erwiese sich als hilfreich. Bei seinem bislang schmalen Output waren Stücke daraus wie das tonnenschwer groovende „Ghost“, das lässige „Way Back“, eingängiges wie „Runnin´ Hot“, oder das treibende „Let´s Go“ prominent vertreten.
Auf Platte nicht mal so spektakulär waren es seine bisherigen Gigs, unter anderem hier vor ein paar Jahren, die mich gerne wieder bei ihm vor die Bühne trieben. Wie er live aufspielt ist einfach eine Klasse für sich, denn er transportiert den massiven Sound tatsächlich noch dicker auf die Bretter dieser Welt. Das drückte so dermaßen aus den Boxen, dass die kleine Bühne zu wackeln begann, ohne jetzt nur brutal in die Saiten zu hauen. Alleine seine Technik ließ Kennern die Kinnlade runterklappen, denn Nichols drückt die Saiten seiner Bratpfanne lediglich mit den Fingern, erschuf so einen Signature-Sound.
Das wissen sogar die Kollegen anzuerkennen, am Rande der Bühne sah man Pepper Keenan und Kirk Windstein von DOWN sich das genau unter die Lupe zu nehmen. Dabei sind die beiden, die später noch dran waren, bereits ausgemachte Experten, wenn es darum geht, die Riffs tiefer zu legen. Immer schwang auch ein leicht psychedelischer Ansatz mit, gerade bei seinen effektbeladenen Soli. „Throw Me To The Wolves“ bewies, dass er es auch ruhiger kann, und das warme Solo in „Killing Time“ war einfach nur magisch.
So energisch sein Spiel war, so auch sein Auftreten, seine wilde Lockenpracht schüttelte das Muskelpaket unentwegt, ohne die Kontrolle über sein Arbeitsgerät zu verlieren. Darunter war immer das spitzbübische Lächeln zu sehen, die Spielfreude steckt einfach an, oft stand er breitbeinig auf dem Bühnenrand und mit dem anderen Bein vorne aus den Boxen und haute seine kraftvollen Töne raus, wenn er nicht in flottem Tempo unterwegs war. Hatte ich beim Act zuvor auf der Stage schon über den Teleporter von Seth Brundle referiert, so steckte der Derwisch wohl mit Ted Nugent darin.
Bei so viel Präsenz gerieten seine Mitstreiter fast zu Statisten, dabei musste er sich auf deren Beiträge verlassen können, um selbst derart glänzen zu können. Ryan Rice lieferte hinter seinem Kit die derben Schläge so wunderbar in das Spiel hinein, dass es alles noch zusätzlich anschob. Gerade die coolen Shuffles in „Keep Your Light On Mama“ machten richtig Laune und für das abschließende Cover von „War Pigs“ avancierte er zum perfekten Partner. Schon lange an seiner Seite ist Brian Weaver, der seine dicken Saiten ebenfalls tief gestimmt hatte und die ruhigen Lieder mit ein paar schönen Backings zusätzlich veredelte. JARED JAMES NICHOLS haute uns da richtig was um die Ohren und bleibt in der Bucketlist weit oben.


Fotos: Rainer Petry
ROY KHAN (Sweden Stage)
Eine Spezialität des Festivals sind Gigs von früheren Mitgliedern größerer Bands, die mit einem speziellen Set ihrer früheren Brötchengeber auftreten. Für die einen ein Hauch von Coverband, für die anderen die Möglichkeit ein paar vergessenen Perlen zu lauschen. KAMELOT hatten immer gut Spots in der Norje Bucht, weswegen ihr ehemaliger Sänger ROY KHAN dort guten Anklang finden dürfte. In der Tat fanden sich viele Power Metalheads ein, als der Norweger mit seiner Begleittruppe aufwartete.
Gerne hätte ich bei der Songauswahl nachgebessert, stand da „The Black Halo“ im Mittelpunkt, meiner Meinung nach die Scheibe mit der die US-Band nachgelassen hat. Auch vom folgenden „Ghost Opera“ gab es zwei Nummern, „Poetry For The Poisoned“, das letzte Album mit Kahn am Mikro blieb dann außen vor. Leider auch die beiden ersten Platten mit ihm, gerade vom progressiven „Siege Perilous“ habe ich was vermisst, ganz zu schweigen von seiner Zeit mit CONCEPTION.
Was etwas überraschend war, immerhin hatte er mit Lars Andre Kvistum den Keyboarder seiner Prog Metal-Kultformation mit dabei. Jener war auch gut zu hören, was den teils opulenten Kompositionen zugute kam. Oft wurde bei der diesjährigen Auflage die Rhythmusfraktion in den Vordergrund gemischt, was den ein oder anderen Melodiebogen nicht zur Geltung kommen ließ. Davon profitierte auch das tolle Solospiel des brasilianischen Talents Caio Kehyayan, der immer wieder Akzente setzen konnte und sicher auch mit seiner eigenen Combo FIREWING für Aufsehen sorgen dürfte.
Darüber hinaus setzte Khan auf die Dienste von Musikern der ebenfalls anwesenden SEVEN SPIRES, wie Bassist Peter Albert De Reyna. Wobei natürlich Sängerin Adrienne Cowan gesondert erwähnt werden muss, mit ROCK MEETS CLASSIC oder AVANTASIA die meistgebuchte Backgroundsängerin der Welt. Sie lieferte sich tolle Duelle mit dem Ausnahmesänger, die auch optisch zelebriert wurden, als sich beide auf der Bühne umgarnten. Dazu waren es nicht nur die hohen weiblichen Töne, welche die Dame beisteuerte, auch die auf Platte von DIMMU BORGIR´s Shagrath eingesungenen Grunts übernahm sie sehr gekonnt.
Mit ihrem weißen Kleid gab sie den Gegenpart zur ganz in schwarz gekleideten Charakterglatze, der wie gewohnt in seinen Roben auftrat. Der untermalte jede Silbe mit der passenden Gestik, steigerte so das theatralische Element zusätzlich. Ein Kniefall war ihm ebenso wenig fremd wie das weit ausholende Zurücklehnen des Oberkörpers. Tauchte er vorne am Bühnenrand auf, so taxierte er die vorderen Reihen mit seinem eindringlichen Blick. So stellte er Mittelpunkt und ruhenden Pol in Personalunion in einem spiel- und bewegungsfreudigen Ensemble dar, das zu Recht gefeiert wurde und viele Singalongs erntete.
Setlist ROY KHAN:
When The Lights Are Down
Soul Society
Moonlight
Center Of The Universe
The Haunting (Somewhere In Time)
Rule The World
Karma
Forever
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Ghost Opera
March Of Mephisto


DOWN (Festival Stage)
Dann machte unsere Abteilung auch mal bei der größten Bühne Station, wo schon wieder den Südstaaten gehuldigt wurde, diesmal explizit Louisiana. Obendrein noch eine ganze Spur heftiger als beim Mann aus Wisconsin, der nun seinerseits am Bühnenrand den Beobachter gab. Im Gegensatz zu dem ließen es die Herren bei ihrer Performance dann gemächlicher angehen, der Doom, dem viele Mitglieder nebenher frönen, hinterließ hier seine Spuren.
Kirk Windstein ist ja zurück, ohnehin nicht als Energiebündel bekannt, stand da oben mit umgedrehtem Käppi und grinste aus seinem Rauschebart. Ohnehin schienen alle eine gute Zeit zu haben, Pepper Keenan bearbeite die andere Bühnenseite, wippte dabei auch nur hin und her und verbreitete kaum die Aggression, welche ihre Kompositionen teilweise beinhalten. Lediglich Bassist Pat Bruders war viel unterwegs, schüttelte sowohl sein Haupthaar als auch seinen nicht minder langen Bart.
Sein Rhythmuspartner legte eher eine stoische Haltung wie der Rest der Instrumentalisten an den Tag, das kleine Kit ließ ohnehin wenig Raum für ausladende Breaks. Dennoch drückte ihr Sound richtig kraftvoll aus den Boxen, nach all den Jahren wissen die Herren genau, was sie tun, da braucht es keine Mätzchen oder Posen. Die Szenerie hatte etwas von einer Probe unter guten Freunden, man scherzte genüsslich miteinander oder schaute dem grauen Wolf am Viersaiter zu.
Dann war da auch noch der ewig umstrittene Phil Anselmo, der den Steg zum Publikum runter exzessiv nutzte. Mit weiten Shorts reihte auch er sich in das Geschlurfe seiner Kollegen ein, zumal der Sänger barfuß unterwegs war. Mit seinen zugekniffenen Augen und den lässigen, aber bestimmten Gesten stellte er die Definition der Neunziger dar. Noch auffälliger seine Mikrofonhaltung von unten und sehr steil nach oben gehalten, der Mann war schon eine Erscheinung.
Bei all der Kritik an seiner Person muss man ihm ein beachtliches Charisma attestieren, das Wutschnaubende seiner Vergangenheit zeigte sich nicht, in den Ansagen gab er sich eloquent. So konnten DOWN auch die Anhängerschaft begeistern, selbst wenn ihre Präsenz nicht die mitreißendste war. Nun ist ja auch der Konsum an Grünzeug ein Thema, das diese beeinflusst hat, allerdings auch das Songwriting, die Orange-Verstärker geben ein kleines Zeugnis davon ab.
Jenes war auf ihrem Debüt "NOLA" bahnbrechend und maßstäblich für das Sludge-Genre. So wunderte es wenig, dass der Großteil des Programms daraus zusammengesetzt war, „Lifer“, „Hail The Leafs“ „Temptation´s Wings“ oder das abschließende „Bury Me In Smoke“ seien genannt, vom den wenigen Stücken des Zweitwerks setzte sich „Ghosts Along The Mississippi“ im Gedächtnis fest. Am Ende übernahm dann Jared James Nichols eine Gitarre, während die anderen Äxte an Techniker zum Schlussakkord weiter gereicht wurden.


THE OFFSPRING (Festival Stage)
Eine weitere Legende der Neunziger konnte sich auf den Co-Headliner-Posten hieven, wobei angesichts der Hitdichte in ihrer Geschichte noch mehr drin gewesen wäre. Kein Wunder, dass die Truppe in den letzten Jahren öfter umgebaut wurde. So nahm Brandon Pertzborn auf dem linken Riser hinter dem Schlagzeug Platz, Jonah Nimoy kam vor drei Jahren mit ihm und war rechts hinter einem kleineren Kit zu finden, daneben Tasten und eine weitere Gitarre.
Die erste übernahm wie immer der gute, alte Noodles, dessen Haarpracht wie immer schwarz-weiß gefärbt war, optisch wird der Punk noch immer gelebt. Wobei er sich vom Stageacting eher der Lässigkeit des Vorgängeracts an der Stätte anglich und seine Riffs stoisch herunter zockte. Da war sein Kumpan Dexter Holland ein ganz anderes Kaliber, ständig unterwegs, mal mit, mal ohne weitere Axt gab er den Aktivposten, dabei immer um den Kontakt zum Publikum bemüht und mit reichlich Spiellaune.
Dabei taten die Gassenhauer ihr Übriges, um die Menge sofort abzuholen, „Come Out And Play“ gab den perfekten Opener. Der Twang der Gitarren war witzig und der Refrain nahm direkt jeden mit, und schon ging Sölvesborg steil. Man merkte den Leuten schon an, dass sie frisch waren, denn im Laufe des gesamten Festivals notierte ich keine solche Bewegung im Publikum. Vorne versuchten einige verzweifelt ihren Platz zu halten, während aus den Pits dahinter immer wieder jemand in deren Reihen flog.
Da wurde gehüpft, gemosht und auch laut mitgesungen, in der Intensität erzeugte das feinstes Körpergulasch. Dabei gab es in der Folge eher Titel neueren Datums, was aber kaum für Nachlassen sorgte, immer wieder flogen auch Crowdsurfer über die Köpfe hinweg. Allerdings ist das nicht unbedingt eine schwedische Disziplin, so fielen einige vor dem Ziel Fotograben herunter. Für weitere Unterhaltung sorgte die Leinwand, die zum ersten Mal ausgiebig genutzt wurde und viele Comicstrips präsentierte.
THE OFFSPRING gehören sicher zu den jung gebliebenen, das machte sich auch im Altersschnitt vor der Hauptbühne bemerkbar. Zudem waren sie sich bewusst auf einem von vielen Metallern bevölkerten Open Air zu spielen, und so coverte man sich in einem Medley durch die Geschichte von Ozzy Osbourne, „Crazy Train“ sollte an dem Wochenende noch öfter zu hören sein. Egal was gebracht wurde, die Stimmung glich einem Tollhaus, Pertzborn trieb unglaublich nach vorne.
Nach dem stilistischen Exkurs ging es Schlag auf Schlag, „Gotta Get Away“ eröffnete den Reigen der absoluten Smasher, schön von Bassist Todd Morse eingeleitet. Nun gab es endgültig kein Halten mehr, das Drumsolo krachte mit rasender Geschwindigkeit dazwischen, dann hatte Nimoy bei „Why Don´t You Get A Job?“ Schwerstarbeit. Aus tausenden Kehlen mitgesungen nahm die Party immer mehr ihren Gang. Bei „Pretty Fly (For A White Guy)“ wurden etliche Lookalikes des Fly Guy aus dem Publikum hochgehoben, herrlich wie sich einige so zum Affen machten. Drumherum flogen die Leiber nur so durch die Gegend, ohne dass einer vergaß, nochmal alles aus seinen Stimmbändern heraus zu holen.
Holland nahm das natürlich mit Wohlwollen zur Kenntnis, nur um die Fans noch mehr anzustacheln. Mit seinen Ansagen und Interaktionsspielchen hatte er alles im Griff, THE OFFSPRING ruhten sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern hauten das Material mit Verve heraus. Wer dachte, der Chor bei „The Kids Aren´t Alright“ wäre nicht zu übertreffen, der wurde beim obligatorischen Schlusspunkt eines Besseren belehrt. Hier standen die Leute jetzt eher, die Hände nach oben und „Self Esteem“ mitgebrüllt, als gäbe es weder einen Headliner noch die weitere Tage SWEDEN ROCK. Eine absolute Abreibung über 75 Minuten, die ich so nicht erwartet hätte, aber zu gerne mitgegangen bin.
VOLBEAT (Festival Stage)
Man sollte es kaum glauben, aber tatsächlich schien die Norje Bucht sich ein wenig zu verausgabt zu haben während des letzten Acts. Jedenfalls war nicht so viel Bewegung im Auditorium, wenn auch die Lautstärke des Beifalls mitzuhalten wusste. Vielleicht kam sogar aus dem hinteren Feld etwas mehr, während zuvor der Punk vorne in den Pits abging. Doch Michael Poulsen wäre nicht Michael Poulsen, wenn er das so einfach hinnehmen würde. Jener Poulsen, der einst seine Vision vom Elvis-Metal umsetzte, und froh war, als seine Platten ein paar Ländern charteten. Bei aller Abgeklärtheit, bei aller Routine, die sich über die Jahre aufgebaut hat, nimmt er nichts als selbstverständlich.
Da wurde versucht jeden zu animieren, bei den Spaziergängen auf den Planken inmitten der Massen ständig auf der Suche nach direktem Kontakt. Ganz vorne, fast auf Augenhöhe, fühlte er sich am wohlsten, wenn er die Nähe förmlich spürte. Charismatisch und oft lange erklärend, plauderte er bei seinen Ansagen aus dem Nähkästchen, ließ den nötigen Humor nicht vermissen. Selbst vom einsetzenden Regen ließ er sich nicht abhalten, der die Menschen vor der Bühne zusätzlich auslaugte. Mühelos wusste er diese zu binden, und in das Geschehen zu integrieren. Wie selbstbewusst und souverän er dabei singt und seine Riffs aus dem Ärmel schüttelt, ist bemerkenswert.
Es braucht natürlich eine gewisse Sicherheit, um den musikalischen Beitrag bei all dem Fokus auf die Anhänger nicht außer Acht zu lassen. In der Disziplin machte dem Mann niemand was vor, lässig traktiert er seine SG, stolzierte dabei allen verfügbaren Raum ab, dazu standen überall Mikrofone für ihn bereit. Gerade wenn die Riffs schön von Dur-Akkorden in flinke Läufe wechselten, gingen die Haarrotoren rum und die Hörner hoch, bei den rockigeren Liedern der Hochphase waren die Reaktionen dafür lauter. Wobei auch gegenüber den Punks zuvor die Hits nicht so komplett in der Gesamtkultur verankert sind, die alles mitsingen konnten.
Ab und an folgten ihm seine Bandkollegen auf den Steg nach vorne, die sonst eher im Hintergrund das Fundament legten. Dabei war Kaspar Boye Larsen mit seinem Fischerhütchen sehr locker unterwegs, tänzelte die ganze Zeit umher. Flemming C. Lund, gerade zum festen Mitglied befördert war breitbeiniger mit festem Stand unterwegs, feuerte seine Solospots mit genau der klaren Präzision heraus. Vor allem ihm war es anzusehen, wie sehr er das Bad in der Menge genoss. Das hätte auch Jon Larsen gerne, der musste aber hinter der Schießbude für den nötigen Punch sorgen, doch so oft es ihm möglich war stand er auf und heizte die Scharen ebenfalls an.
Gegenüber dem letzten Headlinerauftritt vor vier Jahren war das Set nicht ganz so metallisch, was auch daran lag, dass die letzte Scheibe „God Of Angels Trust“ nicht so heftig ausfiel. Damals gab es sechs Lieder vom aktuellen „Servants Of Mind“, mit dem VOLBEAT zu den Anfängen zurückkehrten, von welchem es diesmal lediglich „The Devil Rages On“ und „Shotgun Blues“ gab.
Ansonsten war die Setlist gut durchgemischt, am Ende kam mit „Pool Of Booze, Booze, Booza“ auch ein Beitrag vom Debüt. Zuvor hallten die Chöre der beiden populärsten Stücke „For Evigt“ und „Still Counting“ durch die Bucht. Ebenfalls begeistert aufgenommen wurde der vor „Sad Man´s Tongue“ kurz angespielte Evergreen „Ring Of Fire“, den wohl alle Altersklassen kennen dürften.
Abgerundet wurde der musikalische Beitrag noch von eilig herein geschobenem Piano und Saxophon in „Die To Live“. Als zusätzlicher optischer Reiz diente das aus neun beweglichen Feldern bestehende Lightrig, welches die Show sehr variabel unterstrich. Die Dänen bewiesen damit erneut ihre Headlinerwürden, weil sie es schaffen, Massen aus verschieden Genres mit ihren Hymnen zu vereinen.
Donnerstag, 04.06.2026
ECLIPSE (Rock Stage)
Ein neuer Tag begann, und wieder mit einer schwedischen Hard Rock-Truppe zum zweiten Frühstück. Wobei Erik Mårtensson und seine Mannen gerne mal ein wenig im Rockabilly wildern und das ganze roher und direkter unter das Volk bringen, was im Besonderen der zweite Song „All I Want“ belegte. Als Zeichen davon sicher die Verwendung einer Gretsch, die eben in der Ära zum Standard gehörte. Die baumelte aber öfter am Frontmann herunter, oder er legte sie ganz ab, wenn er sich auf Ausflüge über die Bühne begab. Unglaublich agil wusste er deren vollen Umfang zu nutzen und war die ganze Stunde nicht zu bremsen, sprang sogar öfter vom Drumriser.
Zum Glück war ja mit Magnus Henriksson noch ein zweiter Sechssaiter auf der Bühne, der notfalls alleine weiterspielen konnte. War ihm dann auch ganz recht, so konnte er sich die Soli komplett unter den Nagel reißen. Trotz des Blueserkäppi gab er ebenso mächtig Gas, wirbelte sein Arbeitsgerät umher und warf sich in viele Posen. Die beiden konnten sich blind aufeinander verlassen, musizieren sie schon seit fast dreißig Jahren miteinander. So lange ist Victor Crusner noch nicht an Bord, doch optisch fügte er sich gut in das energetische Gesamtbild ein. Beide Sidekicks stimmten auch sehr gut in die melodischen Chöre ein, welche manche Refrains abheben ließen.
Hinten wurde ebenso gewirbelt, Philip Crusner ließ seine Sticks schön kreisen, nutzte Zwischentöne, um sie einfach zwischen den Fingern zu drehen, nur um sie dann zu den knalligen Breaks herab zu senken, mit denen er das Material antrieb. Während „Downfall Of Eden“ beförderten ihn seine Kollegen mit einer Snare nach vorne, von wo auch er die Fans anfeuern konnte. Was nicht unbedingt nötig war, bei Krachern wie „Saturday Night (Hallelujah)“ oder dem Melodifestivalen-Beitrag „Runaways“ sang die Menge begeistert mit. Auf große Showelemente wurde verzichtet, der Vierer stand im Mittelpunkt, auf der Leinwand flimmerten nur etliche Logos umher.
Verzichtet wurde jedoch unverständlicherweise auf „Apocalypse Blues“, die sicher beste Nummer von ECLIPSE. Ohnehin gab es von den „Megalomanium“-Schwesteralben lediglich drei Beiträge, während die Durchbruchphase Ende der Zehnerjahre im Vordergrund stand. „Black Rain“ von „Momentum“ setzte ein paar modernere Akzente, mir gefällt die Band am Besten, wenn sie diese leicht irisch geprägte Melancholie einbringt. „Things We Love“ sei da genannt, oder „Anthem“, das der Sänger alleine anspielte, bevor zum Ende die Band mit einstieg. Am Ende wurde der starke Gig mit „Viva La Victoria“ standesgemäß abgefeiert, der die Fans ins Hüpfen brachte.


EVERGREY (Festival Stage)
Waren ECLIPSE ein wenig bieder bei der Nutzung der Leinwand, so nutzten die Prog Metaller alle Möglichkeiten, die sich ihnen in dem Rahmen boten. Einer der Vorteile des Festivals, dass verhältnismäßig kleine Bands hier eine große Show auffahren können. Die drei kleinen Screens in der Mitte der Bühne dürften aus ihrem eigenen Gepäck stammen, das selbe Programm haben sie aber auf der riesigen LED-Wand eingespielt. Ohnehin eine interessante Bühnenaufteilung, vor den kleinen Bildschirmen ist ein weiteres Mikro, während Keyboarder Rikard Zander und Simen Sandnes seitlich davon auf ihren Risern thronen. Gerade bei Letztgenanntem ungewöhnlich, einen seitlich zum Publikum sitzenden Drummer kenne ich sonst nur von SAGA.
Deren progressiven Anspruch findet man auch in der Musik der Schweden, wobei diese ihn deutlich düsterer ausgestalten. Natürlich unterstützen die aufwendigen Projektionen aus Bildern, CGIs und Textfetzen wunderbar die Atmosphäre, hier hat man viel Zeit und Kreativität investiert. Allerdings hatte der Slot auch seinen Nachteil, denn auf die Hauptbühne muss man dann eben in der Mittagssonne, was nicht unbedingt mit der musikalischen Ausrichtung der Formation korrespondierte.
Tom S. Englund war dies egal, er strahlte ob des großen Interesses an dem Gig, was auch mit dem später stattfindenden ähnlichen Programm zu tun gehabt haben dürfte. Beseelt brachte er seine großen melancholischen Melodien unter das Volk, bestach dabei mit einer stimmlichen Glanzleistung. Zusätzliche Wärme brachten die weiten mehrstimmigen Chöre, an denen sich auch der ansonsten dauerbangende Bassist Johan Niemann beteiligte.
Nicht nur er, sondern auch Sandnes, der natürlich gut sichtbar war, warf öfter mal den Haarrotor an, ohne dass sein Timing darunter litt. Der von Devin Townsend her bekannte Stephen Platt zockte seine Riffs eher stoisch herunter, während der Mastermind viel unterwegs war. Klanglich kamen die epischen Kompositionen auch gut zur Geltung, von Zander kamen sowohl Orgel als auch Synthies sauber vernehmbar. Alles vermengte sich zu einem großen Ganzen, das viele Emotionen freisetzte. Natürlich erreicht man damit nicht die große Euphorie im Publikum, welches lieber staunend dastand oder in den Liedern versank.
Umso bemerkenswerter, da die Hälfte vom tags darauf erscheinenden „Architects Of A New Wave“ stammte wie der Titeltrack oder „Heaven“. Die erste Karrierehälfte wurde komplett ausgespart, als ältestes Stück kam der Klassiker „King Of Errors“ vom 2014er „Hymns For The Broken“. Immer mehr entfalteten Lieder wie „Eternal Nocturnal“ oder „Say“ ihre Sogwirkung, die alle aus der Dekade stammen, Englund steigerte sich immer mehr in seinen Vortrag hinein. Am Ende vereinten sich Band und Publikum total, Bilder und Stimmungen übertrugen sich auf dessen Bewegungen, und bei „Oxygen!“ gelang es einen wunderbaren Singalong anzustimmen, der aus einem feinen Gig ausleitete.


TOM MORELLO (Festival Stage)
Inmitten des anspruchsvollen Metals wirkte der Gitarreninnovator fast wie ein Fremdkörper, aber die Mischung macht das SWEDEN ROCK auch aus. Zumindest in Sachen Anspruch stand er mit seiner Formation in Nichts nach, wenn sie sich auch vor allem auf die politischen Aussagen bezog. TOM MORELLO sprach nicht nur durch seine Saitenkünste, er gab auch das Sprachrohr für das politische Bewusstsein der Szene. Linken Aufwiegler mögen ihn einige Unverbesserliche nennen, die Projektionen im Hintergrund wirkten gerade in ihrer Statik. Kraftvoll in Szene gesetzte PoC in alten Soldatenuniformen, rudimentären Waffen und mit Parolenschildern moderner Bewegungen wie Occupy.
Den Anfang machte das programmatische „Soldier In The Army Of Love“, eine Co-Arbeit mit seinem Sohn Roman. Ob der immer noch großen revolutionären Kraft ist man erstmal geplättet, bevor einen der hymnische Refrain mitreißt. Dabei ist es eher der Groove, der die Menge bewegt, es ist unmöglich still zu stehen, Morello hat es einfach drauf wie kein anderer, sein Spiel hatte dieses unglaubliche Feuer. Unterstützt wurde er vom lässig dahin schlendernden Viersaiter Dave Gibbs, sowie einer zweiten Axt von Carlo Restivo, der auch einige Vocals übernahm. Dahinter knallte Eric Gardner mit seinen wuchtigen Schlägen genau den richtigen Hintergrund rein, der alle Glieder in die Gänge setzte.
Alleine die teils massiv modifizierten Spielgeräte des Zeremonienmeisters waren sehenswert, teilweise auf Basis eines Stratocasters. Jene hören auf Namen wie „Soul Power“ oder „Arm The Homeless“, die auf dem Korpus neben einigen anderen Slogans prangten. Seine langen Ansagen wurden genutzt, um diese zu untermauern, mehrfach forderte er auf, dem verfluchten Faschismus den Mittelfinger zu zeigen, dem das Publikum gerne nachkam. Nur blieb er beim musikalischen Beitrag eher still, kümmerte sich vornehmlich um die Animation wie das Spielchen mit dem gemeinsamen Aufspringen.
So reihte er bei den Medleys von RAGE AGAINST THE MACHINE Riff an Riff, ohne wirklich in die Songs einzutauchen. Könnte man als langweilig bezeichnen, wenn einem da nicht dieser Groove um die Ohren gehauen worden wäre. Es waren die gesprochenen Worte von „Adjourn It“ oder „Everything Burns“, welche die Flammen entzündeten. Man fühlte sich an die Zeiten erinnert, als die Neunziger wirklich Aufbruch versprachen, was leider alles verkauft wurde. Wenn dann Melodien kamen, dann von Restivo, während der gute Tom sich um die Raps kümmerte, wobei man klar sagen muss, dass die originalen Vokalisten nicht ansatzweise erreicht wurden.
Gerne hätte ich mehr von AUDIOSLAVE gehört, „Cochise“ wäre super im Set aufgehoben gewesen, doch es blieb bei „Like A Stone“, das dafür mit feiner Hommage an den tragischen Chris Cornell. Was allerdings bei weitem nicht der emotionale Höhepunkt bei einem sicherlich aufwühlenden Spektakel darstellte. Unter allen Kollaborationen in seiner Karriere stolperte TOM MORELLO mehrfach über „The Ghost Of Tom Joad“ von Bruce Springsteen. Schon als ein Solo als Intro erklang stellten sich alle Nackenhaare, die Version ging unglaublich tief, trieb die ersten Tränen des Wochenendes in die Augen. Gerade wegen der Message, die sich wieder auf die Seite der Schwachen der Gesellschaft stellt.
Für die Tracks der Band, die einst die Rockwelt auf den Kopf stellte, benötigten die Fans weiterhin kaum Vocals. Den Schluss von „Bullet In The Head“ konnte jeder mitgrölen, während er wild herum pogte. Es passte zum Zeitgeist, wo die Kluft zwischen Stars und Publikum schwand, als Zeichen der Vereinigung wurde das Mikro zu „Killing In The Name Of“ herumgedreht. Die Norje-Bucht sang alles punktgenau und inbrünstig mit, bevor das wutschnaubende Ende jeden ausrasten ließ. Trotz einiger Arrangement-technischer Fragen endete der Gig begeistert mit Covern von „Power To The People“ und „Rock´n´Roll All Nite“, pure Freude gegen das Unrecht der Welt.


Fotos: Rainer Petry
SAVATAGE (Festival Stage)
Nun war es Zeit für den absoluten Höhepunkt, wurde es zuvor schon reichlich emotional, so sollten sich solche Momente aneinanderreihen. Die zwei Tastenmänner eröffneten mit ein paar Melodien aus der Historie, bevor da auch die Saitendehner mit einstiegen. Man durfte schon gespannt sein, welcher Opener sich aus den verschiedenen Themen herausschälen würde. Die Wahl fiel auf den Opener des Konzeptwerkes über den Bosnienkrieg, dessen sägendes Riff sofort alles mitriss.
Eine Kraft lag in der Luft, die greifbar war, von einer sehr spielfreudigen Kapelle transportiert, die Norje-Bucht war im Handumdrehen geentert. Zak Stevens war bestens bei Stimme und trotz ein paar Wohlstandspfunden unglaublich agil, forderte immer wieder die Fans auf, die nur zu gerne mit lautstarken Chören antworteten. Sogar die ganz hohen Screams aus Zeiten von Jon Oliva gingen ihm gut von der Hand, wo dann die Wenigsten vor der Bühne folgen konnten, die Gestik opulent wie auch die Kompositionen.
Vormachen konnte er Gitarrist Chris Caffrey in Sachen Bühnengebaren allerdings nichts, der Mann riss nur so Meter runter auf der Bühne, war weit außen vor den Boxen zu finden. Dabei warf er sich in jede einzelne Solonote, zelebrierte die Songs förmlich, kickte auch mal sein Spielgerät umher oder hüpfte wild über das Feld. Unfassbar, dass er dennoch so unglaublich tight mit seinen Kollegen agierte, die Leadparts teilte er sich mit Al Pitrelli, der die gefühlvolleren bekam und etwas gesetzter auftrat. Wenn dann die Riffsalven gemeinsam losbretterten gingen die Köpfe im Publikum rund, nicht nur zum Auftakt schnitten die sich durch alles durch.
Im Verlaufe der ersten beiden Lieder bekam dann der Soundmann das tiefe Dröhnen in den Griff und gab so Johnny Lee Middleton die Bahn frei, damit sein Intro differenziert pumpte. Beim Chorus war dann die gesamte Szenerie eins, es trug die Wogen weit auf das Meer hinaus. Was die Herren dann in den Kanongesängen anstellten, war schlicht atemberaubend, ein Zauber von Stimmen, alles so auf den Punkt. Vielleicht hat man ja auch nur zwei Tastenmänner dabei, um hier mehr Möglichkeiten zu haben.
Der Titelsong von „The Wake Of Magellan“ sollte der einzige aus dem Opus bleiben, nahm es doch auf der Tour im letzten Jahr einen beträchtlichen Raum ein. Doch SAVATAGE können aus den Vollen schöpfen, schwache Songs gibt es nicht, im Prinzip hätten sie die Setlist komplett neu aufstellen können, wären da nicht die unverzichtbaren Nummern. Eine Überraschung sicherlich der zweite Auszug von „Edge Of Thorns“ neben dem unvermeidlichen Namensgeber, der Einstand von Stevens ging immer etwas unter.
Hinten auf dem überdimensionalen Schirm gab es schon einen Vorgeschmack auf den Headliner, doch auch was die Tampa Boys darauf projizierten, war großes Kino und unterstützte die Atmosphäre blendend. Immer wieder wogte es von tiefer Theatralik hin zu gnadenlos nach vorne marschierenden Attacken, die Dynamik wurde auf der Bühne noch verstärkt. Hatte man ein paar Bedenken aufgrund von Blas Elias an den Drums, so zerstreute der Aushilfsdrummer diese im Wind.
Wie er da hinten wirbelte, seine Sticks kreisen ließ, um die Arrangements so punktgenau zu setzen, war phänomenal, und obendrein eine wahre Augenweide. Aus den angewinkelten Armen haute er die irrsten Breaks heraus, die nur so über die Bucht zischten. Damit verstärkte er vor allem die orchestralen Ausbrüche wie beim Signature-Song, mit dem sie einst die Art Satzgesang im Metal etablierten. Ein würdiger Ersatz für Jeff Plate und falls es ihm auf dem SWEDEN ROCK gefallen hat, darf er gerne mit SLAUGHTER wiederkommen.
Jener Zehnminüter leitete das Finale mit den großen Hits ein, bei denen die schiere Wucht wegblies, die zudem filigran dargeboten wurde. Kurz hielten alle inne, als sich der „Mountain King“ himself, Jon Oliva zu Wort meldete und per Videobotschaft die Jahrhundertballade anstimmte. Zur zweiten Strophe stieg die Band ein, und wem nicht spätestens hier die Tränen runter liefen, hat ein Herz aus Stein, sogar der Himmel war so gerührt, dass er leise mitweinte.
Was allerdings niemanden störte, jeder war komplett gefangen in der Magie dieser Nacht. Als dann ein Song von vor langer Zeit angekündigt wurde, kam noch mehr Spannung auf, die sich in der Faust des Metalkid entlud. Letztes Jahr nicht immer am Start kam die Überhymne endlich und wurde vollkommen abgefeiert. Bevor dann der Screen das Tor zur Unterwelt öffnete, und das Auditorium mit herunter nahm in die Halle des Bergkönigs. Der regiert unten, SAVATAGE herrschen oben!
Setlist SAVATAGE:
Dead Winter Dead
Jesus Saves
The Wake Of Magellan
Strange Wings
Sirens
Lights Out
Handful Of Rain
Chance
Believe
Gutter Ballett
Edge Of Thorns
Power Of The Night
Hall Of The Mountain King
IRON MAIDEN (Festival Stage)
Hier kann eigentlich nur der unangefochtene Headliner einen drauflegen, früher Wunschband Nummer Eins, heute schauen sie auf jeder Tour vorbei. Mit einer weiteren History-Tour war es wieder mal so weit, diesmal ging es weit zurück in der Geschichte, nur ein Lied nach den Achtzigern im Programm. Nachdem man zum Intro „The Ides Of March“ den Einmarsch sehr ausschweifend feierte, war gleich Schluss mit lustig und eine ihrer rauesten Tunes erschallte.
Bei den messerscharfen Leads im Refrain zeigte sich die Einheit der Band, die beim letzten Auftritt hier nicht so ins Auge stach. Heuer agierte die Legende besser miteinander, suchten mehr ihre Nebenleute auf der Bühne. Da kamen Dave Murray und Adrian Smith auf ihrer linken Seite oft zusammen, gerade wenn sie sich bei ihre Solospots abwechselten. Auch Bandgründer Steve Harris war oft bei ihnen oder ging mit seinem Sänger gemeinsam nach vorne Richtung Anhängerschaft.
Passend zu den ersten Titeln sah man die dunklen Straßen vom Paris der Jahrhundertwende über die ganze Bühne gespannt. Leinwände gab es nicht nur hinten, sondern auch rund um die Aufbauten, im Eck standen dann riesige Kerzenleuchter. Damit muss man nicht mehr die ganze Eislandschaft von „Seventh Son Of A Seventh Son“ aufbauen, man lädt sie einfach auf die Bildschirme. Da kann man das Blut in Eddie´s Torso schön zirkulieren lassen, was alles plastischer wirken ließ. Das Maskottchen kam früh und teilte passend zum Thema mit der Axt aus. Der zweite Song eignete sich hervorragend, um das Geschehen vor der Bühne miteinzubeziehen, der Chorus kam einmal von Dickinson, dann zehntausendfach zurück.
Nachdem „Killers“-Block ging es noch tiefer in die Geschichte mit dem ersten Longtrack ihrer Karriere. Der rollte zum gigantischen Bild eines alten Theaters über die Köpfe hinweg, bevor dann das Tempo rausgenommen wurde. Wie man schon in den Anfängen verstand filigran zu komponieren wurde hier deutlich, wenn auf die butterweichen Gitarren immer mehr drauf gepackt wird, sich die Dynamik immer weiter steigerte, bis das Hauptthema losbretterte, war großes Kino.
Noch mehr Schauermär gab es im Anschluss, als zum früh gebrachten Ultra-Klassiker Ausschnitte vom originalen „Nosferatu“-Film über die Mattscheibe flimmerten. Eine Institution wie IRON MAIDEN vermochte das noch zu steigern, denn was zu ihrem Mammut-Track showtechnisch aufgefahren wurde, war phänomenal. Klar kann man acted effects vermissen, aber was in den vierzehn Minuten ablief, war ein Kurzfilm erster Güte, in welchem dem Titel entsprechend viel Seemannsgarn gesponnen wurde.
Bei all den Schauwerten blieb ein wenig die Aktivität des Publikums auf der Strecke, selbst vorne in den Pits blieb es recht ruhig. Natürlich machten sich die Leute stimmlich bemerkbar, jedes Stück wurde laut bejubelt und textsicher sind die Schweden sowieso. Als die Glocken erklangen, dürfte es niemanden gegeben haben, der stumm geblieben wäre. Ihren vielleicht besten Song kann man selbst als Pausentape bringen, und es wird laut mitgesungen, besonders der getragene Beginn.
Beim Übergang ein Paradestück für vokalistische Höchstleistungen, die Bruce Dickinson mit fast siebzig immer noch stemmen konnte. Dabei machte er viele Meter, rannte Bühne und Aufbauten ab, und schlüpfte in viele Rollen wie den Trooper mit Flagge und Säbel. Beim angesprochenen Klassiker fand er sich im Käfig, später am Ende am Galgen wieder, nur um dann aus dem Nebel aufzutauchen, und sich den Strick von Hals zu reißen. Geheiligt sei sein Name!
Dabei hatte das Auditorium in Janick Gers den idealen Antreiber, der sich wie immer wie ein Irrer gebärdete. Halten tun sich weiter die Gerüchte, dass seine Gitarre nicht eingestöpselt sei, was man nicht unbedingt widerlegen konnte, wenn man sah, wie er die Axt an Backline und Masten rieb oder sie dauernd um die Hüfte kreisen ließ. Zumindest wenn seine Kollegen im Frickel-Infight waren, hörte man schon seine Rhythmusspuren. Möglicherweise legte er den Schalter bei Bedarf um, damit das zusätzliche Stageacting nicht den Vortrag störte.
Weniger spektakulär agierte Simon Dawson in die ganzen Leinwände eingebettet hinter seinem Kit. Da flogen die Arme von Nicko McBrain deutlich mehr umher, und brachten mehr Power auf die Becken, doch als Taktgeber erwies er sich absolut zuverlässig, IRON MAIDEN hätten ihn sicher musikalisch stärker ersetzen können, mit den versiertesten Kandidaten monatelang Auditions abhalten können. Die Freude darüber, dass sie die menschliche Entscheidung wählten, war dem Mann und seinem Spiel die ganzen zwei Stunden anzusehen.
Die Zugabe stellte jeden pflichtbewussten Metaller vor eine schwierige Wahl, die zwei größten Dinos der NWOBHM direkt hintereinander auf die Bretter zu schicken, überforderte einige. Ich wählte den Weg auf die andere Seite genau während der ganz großen Hymne, welche die letzten Kräfte mobilisierte. Zu sehen, wie jeder in dem Lied drin war, ob wild bangend, laut mitgrölend oder einfach genießend, gibt so eine Idee des Zusammenhalts, wenn jeder das Selbe fühlt und mit Dir feiern will. Vor der Rock Stage angekommen, um noch von mittendrin zu berichten, traf ich einen langjährigen Freund, um mit ihm gemeinsam den finalen „Somewhere In Time“-Hit zu feiern.
Setlist IRON MAIDEN:
Murders In The Rue Morgue
Wrathchild
Killers
Phantom Of The Opera
The Number Of The Beast
Infinite Dreams
Powerslave
2 Minutes To Midnight
Rime Of The Ancient Mariner
Run To The Hills
Seventh Son Of A Seventh Son
The Trooper
Hallowed By Thy Name
Iron Maiden
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Aces High
Fear Of The Dark
Wasted Years
SAXON (Rock Stage)
Ist die womöglich größte Metalband des Planeten mittlerweile in progressiven Sphären unterwegs und hat ihre spielerische Klasse kultiviert, so halten ihre Weggefährten den rauen, ursprünglichen Charme hoch. In den letzten Jahren sogar mehr, nachdem man zwischendurch zeitgemäßer produzierte. Davon kündete direkt der eröffnende Titeltrack vom noch aktuellen Langeisen, der rasant in die Nacht hineinschnitt. Und irgendwie war in der Menge mehr Bewegung, die Handydisplays beleuchteten nicht die ganze Szenerie. Ja, das war die gute, alte Schule, welche die Sachsen nach wie vor zelebrieren, und was so weiterhin so relevant hält.
Old School war auch das Motto der Zusammenstellung, zwei Titel neueren Datums, der Rest aus der ersten Hälfte der Achtziger, davon zehn von der „Holy Trinity“. Natürlich nahm sich Biff wie gewohnt die Setlist vor, ließ ein paar Alternativen offen, nur um zum unverzichtbaren Programm zurückzukehren. Ein paar Sachen muss man ja in der Hinterhand halten, man weiß nie, wie lange so ein Set dauert, wie die Fans reagieren, die Singalongspielchen jedenfalls nahmen ihre Zeit in Anspruch.
Der eisgraue Wolf am Mikro weiß natürlich um die Wirkung, seine Formation war nie etwas für den Mainstream, sondern lebt von den treuen Fans und ihrer Authentizität. Und natürlich von seiner Präsenz, mit der er das Geschehen nach Belieben diktiert und solche Reaktionen auch einfordert, oft stand er einfach da oben und genoss. Was musste der Mann in den letzten Jahren an gesundheitlichen Rückschlägen wegstecken, doch er kommt jedes Mal noch stärker zurück.
Die Gesundheit oder wenn man so will das Alter machte es vor ein paar Jahren Paul Quinn nicht mehr möglich, um solche kraftraubenden Touren zu fahren. Brian Tatler von Diamond Head ist nun auch nicht merklich jünger, übernahm aber dessen Axt. Mit ihm kommt auch etwas mehr Wärme in den Sound, welche die letzten Platten auszeichnete, er benutzt seine Flying V ein bisschen gefühlvoller. Das kam vor allem den psychedelischen Spielereien zugute, die sich durch die Mondlandungshymne ziehen und mit den schweren Riffs abwechseln. Passend dazu landete natürlich der Adler, obwohl jenes Lightrig mit den Spannen eine solch große Bühne kaum füllen konnte.
Obwohl der jüngste auf dem Platz scheint die Zeit an Nibbs Carter vorüber zu gehen, er hat immer noch dieses jugendliche Ungestüm. Im Überschwang haute er öfter ohne einen Bund zu drücken in die dicken Saiten und bewies ohnehin eine hohe Lässigkeit beim Umgang mit seinem Instrument. In Sachen Laufleistung dürfte er an dem Wochenende der Spitzenreiter gewesen sein, dazu bangte er noch unablässig. Kein Wunder, dass er sich nach wenigen Songs seiner Oberteile entledigen musste, und den Blick auf seinen drahtigen Körper frei legte. Bei all den Aktionen versprühte er eine Euphorie, die sich zusätzlich auf das Auditorium übertrug.
Eine gut geölte Maschine, die auch mal das ein oder andere Ersatzteil verträgt, live so sicher wie die Bank von England. Auch an dem Abend blieben wenig Wünsche offen, doch selbst wenn das reine Zielgruppenbedienung darstellte, es machte den Herren einfach so viel Spaß. Doug Scarrat und hinten der stoische Nigel Glockler hatten immer ein Grinsen auf den Lippen, kein Wunder, wenn die Anhänger nach Mitternacht immer noch so steil gehen. Da reicht es, wenn im Hintergrund nur die schwere Trutzburg der Metal-Kreuzritter zu sehen war. Am Ende regelte die sagenumwobenen Speed-Nummer alles, egal wie die Knochen schmerzten.
Setlist SAXON:
Hell, Fire And Damnation
The Power & The Glory
Sacrifice
And The Bands Played On
Heavy Metal Thunder
The Eagle Has Landed
Dallas 1 P.M.
Strong Arm Of The Law
Motorcycle Man
Denim & Leather
Never Surrender
747 (Strangers In The Night)
Wheels Of Steel
Crusader
Princess of The Night


Freitag, 05.06.2026
STRÖM (Blåkläder Stage)
Mal zur Abwechslung keinen Hair Metal zum Frühstück, auch wenn Hard Rock auf der Speisekarte stand. Doch die Schweden legen ihren Riff Rock deutlich dreckiger und rauer an, lassen dabei sicher die Vorbilder durchblicken. Wo die vielen schwedischen Ansagen für Nichteinheimische schon ein Problem darstellten, legte der Fünfer noch einen drauf, und sang gleich in Schwedisch. Es sprach für das Material, dass es beim Zugang so wenig Hürden aufbaute, das Zeug lief direkt gut rein und animierte zum gepflegten Headbangen. Wobei die Protagonisten dem Publikum zu gerne vormachten, wie so etwas geht, denn von Beginn an rannten sie wie wild auf der Bühne herum.
Wobei diese Frontmann Zdravko Zizmond schnell zu eng war, er turnte lieber vorne von einer PA-Box zur nächsten und stachelte die Menge mit seiner blendenden Laune weiter an. Um sein Mikro leichter mit sich schleppen zu können hatte er nur den oberen Teil des Ständers dabei, so etwas kennt man ja beispielsweise von Chuck Billy. Zwischen den Stücken unterhielt er die Leute mit witzigen Ansagen, welche die Stimmung zusätzlich steigerten. Wenn sein Reibeisen während der Songs nicht verlangt war, war er dennoch weiter Aktivposten, gesellte sich zum jeweiligen Solisten und schüttelte sein Locken, begleitete dazu auf der Luftgitarre.
Ein Wunder, dass die Schiebermützen von Gitarrist Calle Sjöqvist und Bassist Adam Butler nicht gleich das Weite suchten, so wie ihre Träger in Action waren. Zumindest Erstgenannter entledigte sich dessen recht schnell, pink passte eh nicht so zum vorherrschenden schwarz und anderen Denim-Stoffen. Johan Siljedahl verzichtete gleich ganz drauf, hatte aber mit einem rechts gespielten Linkshänder-Expander die coolste Axt am Start, das Instrumentarium ohnehin so vintage wie der Sound von STRÖM. Das wurde im Laufe des Gigs in alle möglichen Positionen gehalten, dazu alles an Posen ausgepackt, die der Rock'n'Roll so bietet.
Den Soundtrack lieferten die Jungs von ihren beiden Alben wie „Ta Mig Tillbacks“ oder „Tiden Sjunger“ vom Debüt oder den Titeltrack vom aktuellen „En Orkan På Vår Sida“. Dazwischen wurden immer wieder Tunes von EPs und Singles geschoben, etwa „Ödet Slårt Hårt“. Fehlen durfte auf keinen Fall die Hymne auf ihre Heimat „Småland“, von wo wohl jeder greifbare Metalfan angereist war. Diese Gruppe machte den meisten Alarm vor der Bühne, hatten von Wimpel, Flagge bis Spruchband alles von ihrer Provinz dabei. Trotz viel Lokalkolorit konnten auch die übrigen Anwesenden abgeholt werden, die mit einem Bombardement aus T-Shirts belohnt wurden.


ROCKKLASSIKER ALLSTARS (Pistonhead Stage)
Einer der obligatorischen Programmpunkte war der Allstar-Jam im Zelt, der immer einen Tag dort eröffnet. Der bekannte Radiosender bringt eine Reihe Stars und Szenehelden auf den Brettern zusammen, die sich mit wechselnden Sangesartisten durch eine Reihe Evergreens zocken. Diesmal stand eher die jüngere Garde auf der Bühne mit Love Magnussen von Dynazty und Rasmus Ehrenborn vom Night Flight Orchestra an den Gitarren oder Drummer Christian Lundqvist von den Poodles. Später waren für ein paar Songs Mikkey Dee und Pontus Egberg von Treat dabei, während Jona Tee von H.E.A.T für die Tasten zuständig war.
Die meisten Stücke dürften die Mitwirkenden schon aus jungen Zeiten kennen, als sie sich quer durch die Rockhistorie coverten. Deswegen mussten sie sich wenig auf ihr Spiel konzentrieren, und konnten stattdessen nach Herzenslust posen. Breitbeinig stand man sich gegenüber, ließ die Spielfreude spüren und die Äxte nur so durch die Gegend wirbeln. Was auch für den Stargast Mikkey Dee hinterm Kit galt, der noch einmal mehr antrieb, immer noch ein Tier, einer der letzten Überlebenden von Motörhead.
Im letzten Jahr hatte sie die ersten Einsätze bei der Anmoderation, dieses Jahr übernahm Nina Södergren einen Großteil der Bandankündigungen auf der Bühne. So führte sie auch bei den Allstars durch das Programm und übernahm mit einem Titel von KISS den ersten Leadgesang. Von jenen stammte auch der Rausschmeißer, bei dem dann alle Vokalisten auf der Bühne vereint waren. Passend dazu trug sie ein enges, kurzes Kleid aus KISS-Patches und ein paar von anderen Bands, das recht offenherzig ausfiel.
Zwar war der Zuspruch nicht besonders, im Zelt war noch Platz, aber diejenigen, die da waren, feierten die Sachen gebührend ab. Jedoch hätte man bei der Songauswahl etwas mehr Sorgfalt walten lassen können, da mehrere Dopplungen verzeichnet wurden. Von Iron Maiden wären einem auch Stücke eingefallen, die nicht am Vorabend zu hören waren, auch wenn Niels K. Rue glänzen konnte. Ein Lied des Headliners vorweg zu nehmen ist noch ungeschickter, das hatte man im letzten Jahr mit ein paar Whitesnake-Covern.
Das hier Aufgeführte sang Mats Levén, der damals schon mit Vandenberg ein Set der Legende zockte. Als Bon Jovi-Verschnitt präsentierte sich „Rockstar For A Day“-Gewinner Andreas, der optisch mehr als gesanglich überzeugte. Der Fokus lag erwartungsgemäß bei Ozzy Osbourne, der neben der Lemmy-Kollaboration vorm Finale mit einem Medley geehrt wurde. Die gute Nina konnte das stimmlich erstaunlich gut rüberbringen, wobei zwei Balladen überraschten. Letztere geriet dann zum Abschluss zum emotionalen Highlight einer launigen Show.
Setlist ROCKKLASSIKER ALLSTARS:
Lick It Up
Fight For Your Right (To Party)
Here I Go Again
Bad Reputation
Wanted Dead Or Alive
Hellraiser
Breaking The Law
2 Minutes To Midnight
Vandrar
Bark At The Moon/Paranoid/Crazy Train/Changes/Mama I´m Coming Home
Rock & Roll All Night

THE GATHERING (Rock Stage)
Eine der Shows nach dem Motto „Das wir das noch erleben dürfen“ servierten uns die Niederländer, die sich nach 27 Jahren wieder im klassischen Line-Up zusammengetan haben. Anfangs um auf ein paar kleinen Konzerten in ihrer Heimat das dreißigste Jubiläum ihres Klassikers „Mandylion“ zu feiern, entwickelte die bislang temporär angedachte Reunion schnell ein Eigenleben. Plötzlich sah sich das Sextett im Jahr danach auf allen relevanten Festivals wieder, um einen der Meilensteine des Dark Metal zu zelebrieren. 1995 mit der damals neuen Sängerin Anneke Van Giersbergen aufgenommen, bedeutete es für die Combo qualitativ und kommerziell einen Quantensprung.
Um nicht die Spannung zu sehr wegzunehmen, sparte man sich den eröffnenden Hit für den Schluss auf, und schlich langsam mit ein paar Ausschnitten des titelgebenden Instrumentals auf die Bühne. Mit dem zweiten Song legte die nun wieder zum Sechser angewachsene Formation los und war sofort in ihrem Element, dem legen von dichten Soundteppichen. Allerdings vermisste man die schwebenden Synthesizer etwas, klanglich war das direkter als auf Konserve. Auf der einen Seite machte sich in den ruhigen Parts die psychedelische Schlagseite deutlicher bemerkbar, auf der anderen verfügten die härteren Parts über noch mehr Druck als gewohnt.
Damit kamen die Ansätze deutlicher heraus, die nach dem Nachfolger „Nighttime Birds“ die Richtung vorgaben, der nicht mehr alle Freunde dieser Phase folgen konnten. Kehrte man davor vom Death Metal ab, so folgte seinerzeit ein kompletter Verzicht auf metallische Einflüsse. Die Livesituation unterstrich eher die progressive Note, setzte auf Dissonanzen, die sich interessant rieben. Hier wurde klar, wie sehr das damals auch am Woodhouse-Sound lag, der alles unter einem wuchtigen Mantel vereinte. Die Hagener Soundschmiede verhalf vielen Combos aus dem Todesblei-Sektor mit ihrem klaren Mix auf ein anderes musikalisches Level, drückte ihnen aber einen Stempel auf.
Im Mittelpunkt stand die Sängerin, die mit ihrem fast mädchenhaften Charme bezauberte und viele positive Vibes versprühte. Immer wieder wog sie in den Klangwogen hin und her und schüttelte ihre roten Locken. Ihre Nebenleute waren eher in ihr Spiel und das Erschaffen raumgreifender Atmosphäre vertieft, nur René Rutten ging bei ein paar dieser kraftvoll-elegischen Soli aus sich heraus. Seinem Gitarrenpartner Jelmer Wiersma sah man die lange Zeit ohne Bühnenerfahrung an, selbst wenn er zwischendurch immer wieder aushalf. Etwas gebückt und unsicher unterwegs schien er am meisten eben jene Passagen zu genießen, wenn er seine SG derber erklingen lassen durfte.
In den meisten Fällen legte er filigrane Fills unter die Vorgaben von Rutten, beide türmten Schicht um Schicht auf, um sie dann wieder in den flächigen Meeren von Frank Boeijen zu versenken. Auch mit leicht veränderter Spielweise zog das große Werk unweigerlich in seinen Bann, ohne nun die großen Reaktionen auszulösen, manch einer genoss mit geschlossenen Augen. Die spezielle Ausstrahlung spürbar, auch bei den beiden weiteren Liedern von späteren Scheiben, und die epochale Übernummer wurde gefeiert. Mal sehen wie es weitergeht mit der Reunion, van Giersbergen hat zwar ein Soloalbum in der Pipeline, aber das Gefüge schien mehr drin zu haben als diese Nostalgie.
Setlist THE GATHERING:
Eléanor
Fear The Sea
In Motion #2
On Most Surfaces (Inuit)
Leaves
Sand And Mercury
Strange Machines
Saturnine


DIRKSCHNEIDER (Festival Stage)
Irgendwer von denen spielt immer, vor drei Jahren das große Original, vor zwei Jahren U.D.O ohne ACCEPT-Songs und nun eben diese Formation mit einem ACCEPT-Set unter dem Nachnamen. Warum bei so einem Kanon an Metalgranaten irgendwas in der Hinterhand halten, sich bewusst, dass alles abgefeiert werden würde, kann man gleich in die Vollen gehen. Der „German Tank“ lehrte die Schweden ein wenig Volksmusik, auch wenn die Lyrics gut in deren Sprache aufgehoben wären.
Dann ein langer Schrei und schon zermalmte die DoubleBass von Filius Sven alles, was sich ihr in den Weg stellte. Da wurden keine Gefangenen gemacht, die Fäuste pumpten in die Luft, die Köpfe bangten, damit wurde ein ganzer Genrekosmos entscheidend mitgeprägt. Und weil man in einer Stunde wenig zu verschenken hatte, durften Dee Dammers und Alen Brentini gleich mal zu Hochgeschwindigkeits-Twinsoli nach vorne auf die Rampe, wo der Mainman die meiste Zeit zuhause war.
Der hatte wohl kurz vor der Abfahrt aus Deutschland noch mit Claus Lessmann gepokert und seine weißen Handschuhe gewonnen. Was jetzt zu seinem Tarnanzug deutlich maximal gegensätzlich wirkte, aber wer will dieser Institution irgendwie da jetzt was nachsagen? Mit weit über siebzig stand er da vorne, diktierte die Massen nach Belieben, schon der einleitende Chor schallte weit über die Bucht. Altersmilde mag er sicher geworden sein, genießt all seine Auftritte mit einem zufriedenen Lächeln.
Aber die Kreissäge in seiner Stimme rotierte immer noch wie in besten Zeiten, da legte er sich voll ins Zeug. Flankiert in den Refrains natürlich immer von den Gangshouts seiner Nebenleute, bei denen auch Sven mittels Kopfmikro partizipierte. Inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Band, übernahm er sogar die ein oder andere Ansage oder Anfeuerung für seinen Vater, bei denen er auf seinem Schemel stand. Als weiteres Rückgrat funktionierte Peter Baltes, der seine Locken zum Zopf gebunden hatte und sehr vital jeden Meter der Bühne nutzte.
Da ging es natürlich ab vor der Bühne, das rockige Pumpen des nächsten Stückes sorgte für Hüpfalarm, bevor dann die erklärte Lieblingsnummer des Autors alles regelte. Manch einer mag ein „Balls To The Walls“-Set erwartet haben, aber in der Zeit hätten ein paar andere Lieder herunterfallen müssen. Da wünsche ich mir die Zeiten von längeren Slots als einer Stunde auch früh am Tag zurück, vom kürzlich neu aufgenommenen Klassiker gab es dann nur den Titelsong.
Wobei der wie die letzten drei etwas mit Interaktionen zu sehr in die Länge gezogen wurde, das Publikum ging aber die ganze Zeit mit und skandierte oft den Namen der Protagonisten. Dee Dammers bekam auch seinen großen Auftritt mit der Beethoven-Adaption, die er bravourös meisterte. Sein neuer Kollege Alen Bertini machte unter seinem Bandana mit Schirmmütze auf Achtziger-Rockstar und fügte sich gut ein. Mit dem super schmissig dargebotenen „Breaker“-Stück musste die Party leider enden, nach dem Vorabend ein Traum für Traditionalisten.
Setlist DIRKSCHNEIDER:
Fast As A Shark
Living For Tonite
Midnight Mover
Breaker
Flask Rockin´ Man
Metal Heart
Up To The Limit
Prindess Of The Dawn
Balls To The Walls
Burning

OVERKILL (Sweden Stage)
Für jene waren auch die Thrasher nicht ungeeignet, aus der ersten Generation, welche auf die Ursuppe des Metal folgte. Ihre besten Zeiten haben sie sicher hinter sich, aber einen ganzen Reigen Klassiker dabei, von denen viele gar nicht ausgepackt werden konnten. Was die New Yorker stets bewahrt haben, war ihre Attitüde, mit der sie allen Widrigkeiten trotzen. Da kommt schon mal ihr Landsmann Jeramie Kling auf die Bühne, stellt sich hinter sein Kit und zeigt seinen Landsleuten beide Mittelfinger, aber den hob sich die Menge für später auf. Mittlerweile rotiert seine Position immer häufiger, aber die Umstände rüttelten das Line-Up noch mehr Durcheinander.
D.D. Verni hat man ja schon länger nicht mehr in Europa gesehen, es war krass, wie frapierend der jetzige Ersatz seinem Vorgänger Christian „Speesy“ Giessler ähnelte. Optisch war der belgischstämmige frühere Fear Factory-Basser auch in grauen Gefilden angekommen, der Katzenbuckel war schon von Altenessen inspiriert. Bei den Gitarristen tauchte mit Dave Linsk auch nur einer auf, wo Derek Trailer war, ließ sich nicht klären. Auch wenn die Formation in den Achtzigern lediglich mit Bobby Gustafson antrat, so fehlte schon ein wenig der Druck auf den sechs Saiten. In den Solopassagen musste Christian Olde Wolbers die Rifflöcher stopfen, was dann Schärfe kostete.
Die groovigere Ausrichtung kam dem neuen Material entgegen, mit dem Titeltrack des aktuellen Longplayers stiegen OVERKILL ins Set ein und schon rotierten die ersten Haare. Während sich noch einige darüber unterhielten, was die Band bringen könnte, setzte es einen der absoluten Kracher, der die Stimmung nochmal steigerte. Jedoch kamen von den beiden ersten Alben nur je ein Stück, dafür wurde die Zeit, als man mit dem Wechsel zu Nuclear Blast zu alter Stärke zurück fand, in den Fokus gerückt.
Wie immer führte Bobby „Blitz“ Ellsworth durch das Programm, der immer mehr das alleinige Gesicht seiner Truppe wird. Seine schnoddrigen Ansagen sorgten für Lacher, seine schrille Stimme durchdrang alles. Patentiert dürften seine beiden Lieblingsposen sein: Einmal weit hinterm Mikroständer stehen und das Mikro mit beiden Händen umfassen, und dann mit einem Fuß auf dem Monitor und den Mikroständer an den Oberschenkel angelegt, ohne ihn groß festzuhalten.
Den Kids war es indes egal, wer da oben neben ihm auf der Bühne stand, sie fraßen dem Mann aus der Hand. Er verfügt einfach über eine Aura, die eben auch aus der kompromisslosen Haltung speist. Kompromisslos waren die Fans bei den Aktivitäten, die weit über Headbangen hinaus gingen. Immer wieder tauchten die Selben über den Köpfen der anderen Fans auf und ließen sich bis in den Fotograben tragen. Ist nicht gerne gesehen dort, wird aber inzwischen toleriert, Hauptsache die hatten ihren Spaß, der gute „Blitz“ hatte es auf jeden Fall. Und so stimmte der Frontmann auch das Punk-Cover an, um die Dinge ein weiteres Mal klarzustellen, und nun durfte jeder den Finger benutzen.
Setlist OVERKILL:
Scorched
Rotten To The Core
Bring Me The Night
Hello From The Gutter
Deny The Cross
Electric Rattlesnake
Surgeon
Ironbound
Elimination
Fuck You


FOREIGNER (Festival Stage)
Nun war es an der Zeit für die Bewährungsprobe von Luis Madonado, der recht unspektakulär das Mikro übernommen hat, für die vielen personellen Veränderungen gilt das Selbe wie für die Thrasher zuvor. Der Auftakt ließ wenig Raum zum Glänzen, geriet er zu erwartet, das soll nicht bei allen Konzerten der Tour der Fall gewesen sein. Je mehr man sich einem bekannten Bild nähert, desto mehr Vergleiche drängen sich auf. Es mag Leute geben, die sich fragten, wie die AOR-Helden ohne Lou Gramm funktionieren sollen, ich frage mich her, wie es ohne Kelly Hansen gehen soll.
Stimmlich kann er ihm durchaus das Wasser reichen, seine Tonlage ist etwas höher als das rockige Timbre. Um Präsenz zu zeigen schleppte er seinen Mikroständer direkt über den langen Steg nach vorne, aber es fehlte etwas. Ich habe da einfach mehr Charisma, mehr Power in Erinnerung, dieses unglaubliche Selbstverständnis, mit dem sein Vorgänger auf den Brettern auftauchte. Da reichte ein Lächeln, und schon hatte dieser das Auditorium im Griff, an diese Ausstrahlung reicht der neue Mann bei allen Qualitäten und Lockerheit nicht heran.
Was nicht einmal das einzige personelle Manko war, denn Gründer Mick Jones hat aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Somit ist Basser Jeff Pilson nun das dienstälteste Mitglied, der in Sachen Stageaction immer noch der Antreiber ist. Wenn er breitbeinig dastand, sein Arbeitsgerät tiefhängend, und seine Mähne bangte, spornte er die Zuschauer an. Fast noch mehr Kontakt hatte er, als ein Kurzweil-E-Piano an den Bühnenrand gerollt wurde, mit dem er mehrere Titel, darunter die erste Single mit ihrem markanten Break anstimmte.
In der Zeit übernahm der zweite Gitarrist Russ Irwin seinen Tieftöner, zeigte auch dabei im typischen Früh-Neunziger-Hardrocker-Outfit viel Spielfreude. Sein Kollege Bruce Watson, der das Ensemble nun auch schon fünfzehn Jahre begleitet, war noch bunter gekleidet. Eine gewisse sportliche Note war nicht abzusprechen, die er mit leicht trabenden Ausflügen nach vorne unterstrich. Dazu zeigte er immer wieder lässige Posen, riss während den Soli sein Gibson-Modelle hoch und transportierte die sonnigen Vibes der Songs.
Dem kam der Wettergott nicht immer nach, pünktlich zum Co-Headliner der großen Bühne ließ er einen Schauer nieder, der diesmal ein paar Minuten heftiger ausfiel. Daran dürfte es nicht gelegen haben, dass sich das Publikum bei allen Anstrengungen nicht wirklich erwärmen konnte. Vielleicht sollten FOREIGNER bei der Songauswahl etwas mehr Mut beweisen, nicht alle Hits sind unabdingbar, im Prinzip speist sich die Setlist aus den ewig gleichen sechzehn Liedern, auch vom letzten Rundling „Can´t Slow Down“ findet sich nichts mehr. Auch die Improvisationen von Keyboarder Michael Bluestein und Drummer Chris Frazier vorm letzten Song des regulären Sets kennt man schon zu Genüge, die Led Zeppelin-Jam darin wurde wohl aus Zeitgründen gestrichen.
Solche Nostalgieacts, die nur von ihrer eigenen Legende leben und seit siebzehn Jahren kein neues Material mehr unter das Volk brachten sind immer ein schmaler Grat. Auf der einen Seite wollen die Anhänger das Altbewährte, auf der anderen wirkt manches davon abgedroschen. Und die Formation war nicht in der Lage diese mit dem selben Leben zu füllen wie die Besetzung, die die letzte Scheibe einspielte. Und wenn etwas fehlte, dann war das gleich gravierend, so leidenschaftlich Bluestein auch seine Keytar drückte, die er spazieren trug, Bläser konnte das nicht ersetzen.
So etwas hätte man beispielsweise mit „Blinded By Science“ oder „Rev On The Red Line“ machen können, welche jedoch nie zur Aufführung kommen. Wie soll die Disconummer des „4“-Opus ohne Saxophon funktionieren, da fehlte jeglicher Groove, ein absolutes Sakrileg! In den Zugaben konnte dann wenigstens der Publikumschor im Megahit einiges, versöhnte ein wenig mit der Band. So dass beim Rausscheißer viel gehüpft wurde, und ordentlich Stimmung aufkam. Unterm Strich dennoch zu wenig, ein Hauch von Coverband wehte durch die Bucht.
Setlist FOREIGNER:
Double Vision
Head Games
Cold As Ice
Waiting For A Girl Like You
That Was Yesterday
Dirty White Boy
Feels Like The First Time
Urgent
-Drum – und Keyboardsolo-
Juke Box Hero
----------------------------------------
I Want To Know What Love Is
Hot Blooded


VENOM (Sweden Stage)
Wieder komplettes Kontrastprogramm auf der mittleren Bühne, ein Fakt, den ich am SWEDENROCK so liebe. Einer der Einflüsse auf die Thrashszene, die zuvor mit einem ihrer populärsten Vertreter am Start war, dann von der Entwicklung überholt wurde. Mittlerweile existieren diverse Versionen der Truppe, von der Cronos behauptet die originale zu sein. Man merkte ihm an, dass er sich sehr viel auf die alte Legende verließ, wenig mit dem Publikum kommunizierte, und stattdessen den bösen Zampano gab.
Breitbeinig stand er die ganze Zeit, sein Bass charakteristisch sehr steil gehalten, und zog Grimasen, die dann bösartig rüberkommen sollten. Immer wieder stampfte er im Takt mit einem Bein auf, fuchtelte mit einem Arm in der Luft herum und zog die große beschwörende Show ab. Seine beiden Mikrofone, zwischen denen er wechselte waren wie einst bei Lemmy sehr hoch eingestellt, damit sein Röcheln noch kränker klang, wenn der Kopf weit im Nacken war, die Matte wehte immer noch hinter seinem schütteren Ansatz.
Da war La Rage deutlich zugänglicher, ab und an sah man gar ein Lächeln über seine Lippen huschen, hoffentlich hat es der Chef nicht gesehen. Er nahm gerne Kontakt zum Publikum auf, solierte ganz vorne an der Rampe und hielt sich die Hand beim Teufelshörner-Gruß immer an die Stirn. Mit ihm hat der Mastermind einen Partner gefunden, der die räudige Energie optimal auf die Bühne transportieren kann. So ging es recht kantig zur Sache, musikalische Höchstleistungen durfte man nicht erwarten. Danny Needham hing die Becken hoch, um seine Schläge richtig derbe aussehen zu lassen. Dabei agierte er die meiste Zeit eindimensional unten auf Toms und Snare, um dann bei den Ausbrüchen so richtig fein über sein Kit zu fegen.
Eine Nostalgieshow wurde es indes nicht, auch wenn das Motto „Lay Down Your Soul“ schon im ersten Song skandiert wurde. Jener stammte vom ganz frischen „Into Oblivion“, von dem insgesamt vier Titel erstmals live aufgeführt wurden. Natürlich durfte das dazugehörende „Black Metal“ nicht fehlen, das obligatorisch das Set beschloss. Vom gleichnamigen Zweitwerk gab es weitere Klassiker wie „Countess Bathory“, dazu noch Auszüge aus dem Debüt „Welcome To Hell“ wie den Titelsong.
Einige Hits wie „In League With Satan“ blieben außen vor, dafür kamen obskure Achtziger-Singles wie „Bloodlust“ oder „In Nomine Satan“ zum Einsatz. Aber genau diese Aura versucht der gebürtige Conrad Lant über all die Jahre aufrecht zu erhalten, und die kam beim Publikum an, welche die Undergroundhelden abfeierten. Feiern durften auch wieder die Metalkids, die eifrig am Crowdsurfen waren und die Security einem ziemlichen Stresstest unterzogen. Der Kult lebt!


JOAN JETT (Festival Stage)
Dann kam sicherlich die größte Kontroverse des Festivals, egal mit wem ich mich ausgetauscht habe, niemand konnte nachvollziehen wieso die frühere Runaways-Frau den Headlinerslot nach der Absage von Twisted Sister bekam. Zu wenig war von ihr in den letzten vier Dekaden zu hören, dazu war sie eher auf Singlehits denn nachhaltige Alben gebucht. HELLOWEEN oder FOREIGNER schienen da die bessere Alternative, zumal die gleich viel oder mehr Spielzeit hatten.
Mit „Victim Of Circumstance“ gelang ein guter Einstieg, ihre BLACKHEARTS rockten ordentlich, gerade Dougie Needles erwies sich als kongenialer Partner. Beide hauten die Riffs mit direkter Punk-Schlagseite raus, weit weg vom voluminösen Sound aus zig Gitarrenspuren der Hitsingles. Um die Attitüde zu unterstreichen prangten jede Menge Aufkleber auf ihren Spielgeräten, diese wurden bei den Powerchords hochgerissen, die Action auf der Bühne stimmte zu Beginn.
Michael McDermott hate einen leichten Rockabilly-Swing in seinem Drumming, mit dem er zwischen Drive und Groove pendelte. In der Folge gab es mit „Cherry Bomb“ gleich einen Ausflug in die Zeit mit der alten Mädelstruppe, der seine Rotzigkeit bewahrte. Ohnehin bestand das Set aus sehr vielen Covers, „Do You Wanna Touch Me (Oh Yeah)“ von Gary Glitter kam als nächstes, später noch postpunkiges mit „Androgynous“ von den Replacements. Am stärksten kam da „Light Of Day“, welches ihr Bruce Springsteen einst für den gleichnamigen Film auf den Leib schrieb, schon die zweite Bearbeitung vom „Boss“ an dem Wochenende.
Man musste der Dame zugutehalten, dass sie alle homogen unter einen Hut bekam und allem ihren eigenen Charakter einimpfen konnte. Was ich in Sachen Stageacting vermisste, war der geringe Radius der Musiker, die auch kaum Wege zueinander fanden. Vor einem schlichten Logo auf dem Monitor benötigte die Show nicht mehr Platz, als etwa die Blåkläder Stage hergegeben hätte. Jeder für sich poste lässig, aber auch der Catwalk blieb gänzlich unbenutzt.
So hatte es JOAN JETT schwer, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, abseits der Hits waren die wenigstem mit dem Material wie „Fake Friends“ oder „Lie To Me“ vertraut. Vor mir feierte ein junges Mädchen alles ordentlich ab, als eine der wenigen hat sie ihre Hausaufgaben gemacht. Schön, wenn der Nachwuchs Künstler abseits des Mainstreams entdeckt, an dem Tag waren es zu wenige. Kritik an Donald Trump mag ja wichtig und willkommen sein, aber vom Handy abgelesen wirkte das nicht sehr authentisch.
Dass ihre Miene eher skeptisch war lag nicht an dem Thema, sondern dass sie spürte, dass sie kaum Bindung zum Auditorium bekam. Lita Ford strahlte da vor zwei Jahren deutlich enthusiastischer, da halt auch der immer noch freche Fransenschnitt nicht. Der Vergleich mit ihrer alten Kollegin muss gezogen werden, für mich stehen beide auf einem Level, auch von der Popularität her. Von daher war das eben nicht dem Top-Slot würdig, auch wenn der Gig durchaus Laune machte.
Sogar „I Love Rock´n´Roll“ konnte nicht die große Euphorie entfachen, auch wenn beim Eingangsriff Jubel aufbrandete. Vom Refrain wurde eine Zeile als Singalong angestimmt, der auch nicht voll zündete. Danach geriet „Crimson & Clover“ sehr dröge, die psychedelische Note wollte nicht zum Rest passen. „I Hate Myself For Loving You“ und der Runaways-Titel „Bad Reputation“ rissen dann wieder mehr und gestalteten das Ende sehr schmissig, Fragezeichen blieben dennoch.
HELLOWEEN (Rock Stage)
Dann kam die Band, die für die meisten die Attraktion des Tages war, soviel kann man vorwegnehmen. Was von vorneherein klar war, waren viele Anhänger der Achtziger-Dinos vor Ort, die bis auf JUDAS PRIEST alle versammelt waren. Von der ersten Sekunde an ließen die Kürbisköpfe keinen Zweifel an ihrer Bestimmung, und legten mit einem Track aus besten „Keeper“-Zeiten los. Vom Auftreten war das eine komplett andere Hausnummer, was schon beim Bühnenbild anfing. Von der riesigen Leinwand abgesehen war auch die ganze Rampe hinten von LED-Screens umrahmt, und auf beiden Seiten neben den Masten türmten sich auch welche, die alle miteinander ein stimmiges Bild ergaben.
Doch das war gar nicht nötig, denn der Siebener machte selbst richtig Alarm auf der Bühne und war ständig unterwegs. Nun gut, Michael Weikath machte es sich gewohntermaßen auf dem rechten Flügel bequem, und schnitt eine witzige Grimasse nach der anderen. Gerade seine beiden Kollegen an den sechs Saiten machten viele Meter, wobei Sascha Gerstner noch mit seinen futuristischen Gitarrendesigns auffiel. Markus Großkopf schüttelte seine Locken unablässig, war meist auf dem bühnenumspannenden Drumriser zu finden.
Mit seinem Tieftöner war er eher im Hintergrund, während sich seine Vorderleute die Soli in die Hand gaben, wovon der nach dem Opener eingeschobene Mammutsong reichlich lieferte. Einmal hatte er die Möglichkeit zu glänzen, als er im Anschluss das pumpende Intro des ersten ganz großen Hits einleitete. Waren die Fans schon zuvor richtig „On Fire“, so steigerte sich das endgültig in die Ekstase. Ich stand sowohl beim Headliner als auch hier in der Mitte der vorderen Pits, die Reaktionen waren deutlich lauter als zuvor bei einem Welthit.
Man muss es klar konstatieren, dass die Bedenken eines Großteils der Besucher berechtig waren, hier wurde eine wahre Headliner-Show einer mehr als würdigen Band verschenkt wurde. Irgendwie schien sich das Publikum zuvor ausgeruht zu haben, selten wurde das Midnight Special so abgefeiert, höchstens noch am Tag zuvor bei den alten Haudegen. Diesem Status liefen die Hamburger lange hinterher, der Schwung der frühen Jahre war nach viele Widrigkeiten verpufft, aber die Reunion brachte den Erfolg, der dem Einfluss gebührt.
Die Einigkeit, die auf der Bühne demonstriert wurde, war zu jeder Sekunde spürbar, die Musiker stellten jeweils eher das Können der Mitstreiter in den Fokus. Besonders die beiden Leadsänger standen oft eng beieinander und lebten die Duette, die sie sangen, teilweise mit festem Händedruck vereint. Wer nicht ins Geschehen involviert war, überließ dem Rest die Bühne, ein Lied hatte auch jeder Vokalist alleine. Da gehörte auch Kai Hansen dazu, der natürlich dem Erstling „Walls Of Jericho“ bedachte, wo er ebenso alle Soli bekam.
Jene emotionale Geschlossenheit wirkte sich auf den Druck auf, den HELLOWEEN entfachten, der Sound stand inmitten der futuristischen und fantastischen Welten meterdick. Dass mehr als die Hälfte vom legendären Zwillingsalbum Ende der Achtziger kam, steigerte die Stimmung noch mehr. Obwohl vom zweiten Longtrack zum Schluss nur der Chorus spendiert wurde, aber Chancen zu interagieren hatte Sölvesborg reichlich. Am Ende ein reines Hitbombardement, vielleicht hätte man anstatt des Drumsolos noch einen Song bringen können, aber man wollte Dani Löble ebenfalls seine Momente gönnen. Am Ende ein einziger Rausch, initiiert von einer äußerst spielfreudigen Formation, auf dem verdienten Slot wäre die Messe noch länger gegangen.
Setlist HELLOWEEN:
March Of Time
The King For A Thousand Years
Future World
This Is Tokyo
We Burn
Twilight Of The Gods
Ride The Sky
Into The Sun
-Drumsolo-
I Want Out
Helloween
-------------------------------------------------
Eagle Fly Free
Dr. Stein/Keeper Of The Seven Keys


Samstag, 06.06.2026
TREAT (Rock Stage)
Heute ging es wieder mit dem Standard-Programm los, Hair Metal zum Frühstück auf der zweitgrößten Bühne, vorgetragen in Ermangelung der US-Prominenz von einer einheimischen Combo. Und jenen wurde Ende der Achtziger zugetraut, in deren Regionen vorstoßen zu können, es kam anders, wie wir alle wissen. Nach einer längeren Pause kam die Truppe 2010 für das Album „Coup De Grace“ wieder zusammen, von dem es ganze vier Stücke wie „Skies Of Mongolia“ oder „Papertiger“ zu hören gab.
Den Anfang machte zuvor „One Minute To Breathe“, der Opener des aktuellen Longplayers „The Wild Card“, von welchem gerne mehr als „1985“ hätte kommen dürfen. Die schwedischen Acts feiern das Jahrzehnt, in dem diese Musik ihre Hochzeit hatte, Nestor haben ja analog ihr „1989“. Dafür gab es mit unter anderem „Home Of The Brave“ zwei Nummern aus dem etwas schwächeren Vorläufer „The Endgame“, während das großartige „Tunguska“ leer ausging.
Aber es war eigentlich egal, denn kaum wurde in den Refrain-Modus geswitcht, war die Menge da und feierte richtig ab. Sogar wenn man mit dem Material weniger vertraut war, konnte man spätestens nach der zweiten Strophe problemlos mitgrölen. Dafür sorgten auch die knalligen Breaks von Jaime Borger, der diese lässig aus seinem relativ kleinen Kit zauberte. Der Fluss innerhalb der Songs ist immer noch bestechend, selbst wenn die neueren doch einen modernen Geist atmen. Die Tastenklänge von Patrick Appelgren besaßen da eine gewisse symphonische Note, während sie beim alten Material die typisch süßlichen Flächen verwendeten. Dabei machte sogar der Mann noch Stimmung, auch wenn er hinter seinem Turm gebunden war.
Bei den Führungsfiguren hingegen machten sich die Alterserscheinungen bei Auftreten schon ein bisschen sichtbar. Rober Ernlund wirkte unter seinem Cowboyhut etwas blass, sein Gang war nicht ganz rund, dennoch kämpfte er sich bravourös durch das Set. So schwer ihm die Wege zu sein schienen, er vergaß auch die Fans ganz weit außen nicht, schritt die gesamte Bühne ab. Dazu lieferte er gesanglich absolut ab, die Performance ließ den optischen Eindruck komplett vergessen, da hatte jeder Ton richtig Power, da hätte es die Chöre seiner Kollegen gar nicht gebraucht.
„Gary“ Wikström wirkte ebenfalls etwas angeschlagen, die Haare bieder zum Zopf gebunden, war dennoch agil auf der Bühne. Gerade bei seinen Soli konnte er immer wieder mit melodischem Ton begeistern, stieg dazu öfter auf den Riser ganz vorne. Die gute Stimmung wurde zum Ende hin stadionverdächtig ausgebaut, als die Hits aus der Frühphase kamen, „Get You On The Run“ eröffnete den Reigen. Aber natürlich nichts gegen die Top-20-Single „World Of Promises“, mit der die Norje Bucht endlich in kollektive Ekstase verfiel.


Fotos: Rainer Petry
CLAWFINGER (Festival Stage)
Zu ihrer Glanzzeit hätte man den Crossover-Pionieren nachgesagt, dass sie Bands wie dem Act zuvor die Butter vom Brot nahmen, heute gehören sie selbst zu den klassischen Bands. Nach ebenfalls langer Pause meldeten diese sich erst in dem Frühjahr mit „Before We All Die“ zurück. Davon gab es dann auch drei Auszüge zu hören, darunter der Titeltrack, die große Resonanz gehört allerdings den Klassikern aus den Neunzigern. Los ging es mit „Hold Your Head Up“ vom selbstbetitelten Longplayer, das bei bestem Wetter die Leute direkt in Wallung brachte.
Wobei das mit dem Wetter wohl das Outfit von Frontmann Zak Tell beeinflusst hatte, Shorts und Kurzarmhemd über Unterhemd wirkten genauso stylisch wie strandkompatibel, gut der wäre ja in der Nachbarschaft. Und so gut gelaunt war der Mann auch unterwegs, die aggressive Note der Kompositionen spiegelte sich nicht in seinem Auftreten wider. Lässig referenzierte er über die Freude da oben stehen zu können nach so vielen Jahren, den Jubel der Menge nahm er wohlwollend entgegen, während er lange Ausflüge auf den Steg unternahm.
Da hatte er scheinbar Probleme seine staccatoartigen Raps zu hören, so dass Jocke Sorg, sonst zuständig für die Beats im Hintergrund die beiden Monitore am Aufgang umdrehte. Seine Beiträge waren nicht in jeder Phase gefragt, weswegen sich der Spaßvogel den Scherz erlaubte. Auch bei den Vocals unterstützte er seinen Sänger, schnappte sich sein Mikro und eröffnete die eine oder andere Battle. Da turnten beide wild über die Bretter und hatten so richtig Laune, bei dem was sie da tun. Wenn da vorne zwei spielfreudig zu Gange waren, ließen sich die Fans, welche CLAWFINGER gewiss nicht vergessen haben, gerne anspornen und ließen ihrerseits den Boden beben. Daneben übte sich vor allem André Skaug in der permanenten Auf – und Abwärtsbewegung.
War das Ganze ohnehin sehr locker, so tobte sich Tell an seinem Spielzeug in Form einer Handyhalterung aus. Jene stand manchmal auf der Bühne und filmte über die vielen Köpfe hinweg, oder diente ihm, um das Teil möglichst sicher über die Bühne zu tragen, wo reichlich gefilmt wurde. Technische Probleme gab es nur weiterhin mit den Monitoren, bis Stagehands Kabel verlegten und die Boxen ganz vorne platzierten. So kamen die Front Pits in den Genuss von PA – wie auch Monitorspund, Dolby Surround für Fortgeschrittene. Mit „Nothing Going On“ kam der erste Hit recht früh, anschließend erstmal späteres Material wie „The Price We Pay“. Dank der präzisen Riffs von Bård Torstensen war auch genügend Druck vorhanden, und nicht alles nur Partystimmung.
Wobei es kaum eine andere Band versteht, beides so miteinander zu verknüpfen, obendrein wurde mit gesellschaftskritischen Ansagen nicht gegeizt. So bringt man Entertainment mit dem notwendigen Anspruch, Integrität war ihnen schon immer wichtig, weswegen auch das missverstandene „Nigger“ nicht mehr im Programm steht. Fiel nicht sonderlich ins Gewicht, wenn in einer Stunde noch Knaller der Marke „Biggest & The Best“, „The Truth“ und „Do What I Say“ untergebracht werden mussten. Gerade Letzteres auf der Schlussposition ließ die Menge endgültig ausrasten, die lauthals mitgrölte. Die bekam einiges zurück, der gute Zak sprintete durch den Fotograben, Skaug gab den Bass an Sorg weiter und sprang gleich mittenrein, so kann man ein Comeback feiern.


CANDLEMASS (Rock Stage)
Beim nächsten gewaltigen Kontrastprogramm erblickte man auf der Bühne gegenüber das beste Bühnenbild des Wochenendes. Zwei Kreuze, eines davon mit einem Seil umschlungen, an dessen Ende am Querbalken der Letzte-Hilfe-Knoten baumelte. Besser kann man ein ganzes Genre nicht auf den Punkt bringen, alleine schon die Tristesse so einsam da oben stehend. Mittlerweile ist es das sechste Mal, dass ich die Truppe bei dem Festival erlebe, das Set variiert immer ein wenig, wobei der Schwerpunkt meist auf den frühen Songs lag. In Anbetracht ihres vierzigsten Jubiläums des szeneprägenden Erstlings war klar, dass es diesmal nur darum gehen dürfte, so wurden keine Tunes nach den ersten vier Platten gebracht.
Zuerst kam jedoch ein Stück vom zweiten Album, dem Opus Magnum „Nightfall“, bei dem das Publikum früh in ihr Ritual fiel. Die getragenen Passagen und weiten Refrains wurden lauthals mitgesungen, bei den tonnenschweren Riffs war dann SloMo-Banging angesagt. Die epischen Hymnen verfehlten ihre Wirkung nicht, beim folgenden Hit aus „Ancient Dreams“ war richtig Alarm vor der Bühne, auch wenn die Herren es auf den Brettern eher gemächlich angehen ließen.
Gerade Mats Björkman stand lieber als Wachposten für den Galgen da, mit Hippie-Brille, der graue Ansatz weitestgehend rausgewachsen. Sollte man nun die mangelnde Euphorie angesichts der stilistischen Ausrichtung als authentisch ansehen. Lars Johansonwar auf der anderen Seite ebenso angewurzelt, riss aber cool seine Gniedelsolo der Marke „Slayer auf Valium“ gekonnt runter. Wenn die beiden gemeinsam bei der Riffarbeit harmonierten zeigte sich die Stärke von CANDLEMASS, das rollte unaufhaltsam über das Auditorium hinweg.
Als Aktivposten etablierten sich Johan Langquist und Leif Edling, wobei es immer wieder überraschte wie man den Ur-Sänger nach so langer Zeit integrierte. Nicht nur die Stücke von „Epicus Doomicus Metallicus“ konnte er gut umsetzen, auch die restlichen Klassiker machte er sich zu Eigen. Ständig gestikulierte er mit den Händen, hob diese beschwörend in die Höhe, und setzte auch sonst auf Theatralik. Erhaben stolzierte er umher, übte dabei oft den Kniefall, suchte aber auch den Kontakt zu den Fans und taxierte jene mit stechendem Blick.
Verwandelt kam dem Beobachter der Bassist und Bandgründer vor, der bei der letzten Stippviste gar nicht dabei war. Wo früher die Haare nicht so lang waren, hängt die angegraute Matte lang runter, Bart und Doktorbrille runden das Erscheinungsbild ab. Vorbei die Zeiten der Introvertiertheit, der Mann hatte mächtig Spaß und warf sich in die ein oder andere Pose. Als verbindendes Glied zwischen seinen Mitmusikern war er am meisten unterwegs, gerne an der Rampe und pushte die Stimmung bis zum obligatorischen Finale.
Setlist CANDLEMASS:
Bewitched
Mirror Mirror
At The Gallow´s End
Under The Oak
Bells Of Acheron
Dark Reflections
Crystall Ball
Well Of Souls
Solitude


Fotos: Rainer Petry
YNGWIE MALMSTEEN (Festival Stage)
Unter den Bands dieser Ausgabe, die ich bereits bei meinem ersten SWEDENROCK gesehen habe, ist auch der bekannteste Exil-Schwede der Szene. Wobei ich 2005 schon leicht enttäuscht war, denn in eineinhalb Stunden brachte der Mann gerade mal acht Songs auf die Bühne, der Rest waren endlose Soli. So hoffte ich auf Wiedergutmachung, zumal ja die Show in Wacken als „Greatest Hits“ angekündigt worden war. Was er dort auf die Beine stellen wird, lässt sich nicht absehen, womöglich haben sich Jensen und Hübner vorsichtshalber rechtlich abgesichert. Denn die folgenden eineinviertel Stunden beantworteten lediglich die Frage, wie viele Noten Malmsteen in einer Minute spielt: ALLE!
Dabei fing es gut an, die Band nahm schonmal vor den riesigen Marshalltürmen Platz, die des Meisters Motto optisch deutlich machten: „Mehr ist Mehr!“ Ein kurzes Einspielen mit einem Hendrix-Riff und der Mann enterte die Bühne, vom kolportierten Übergewicht nichts zu sehen. Das Hemd weit offen bis zum Hosenbund von einem sehr eng anliegenden Paar, der perfekte Achtziger-Rockstar-Habitus. Dick aufgetragen wurde nur an den Backen, die Koteletten würden in der Pfanne den Welthunger alleine bekämpfen. Ein bekanntes Intro erfüllte das Feld vor der Bühne, los ging es mit „Rising Force“, ein toller, wenn auch erwartbarer Opener, der laut bejubelt wurde.
Man könnte jetzt noch verzeihen, dass Keyboarder Nick Marino sang und es neben dem Guitar Hero keinen Frontmann gab, der erledigte seine Sache ordentlich. Doch irgendwie kam einem das Solo nach dem ersten Refrain nicht bekannt vor, dachte man an ein zusätzlich eingepflegtes Lead, so wollte dies gar nicht mehr enden. Nach mehreren Minuten dämmerte es den meisten, dass es mit dem Titel nicht mehr weitergehen würde. Nur welcher Titel war nun an der Reihe, ein paar Melodiefetzen, wenn der Flitzefinger das Tempo drosselte konnte man identifizieren. Nett von ihm, dass er die Fotografen vier Lieder im Graben ließ, aber auch die Dame vom Presseteam war überfragt, wo man sich nun befinde.
Sie ging von vier aus, meine Kollegin meinte drei, ich habe fünf gezählt, wirklich ausgespielt wurde nicht ein einziges. Es wurde eine Setlist auf den Boden geklebt, die jedoch nie jemand zu Gesicht bekommen hat, einschlägige Seiten im Netz geben auch wenig her, von anderen Konzerten schon. Will er uns diese Aneinanderreihung von Bruchstücken, die kaum als Medley durchgehen, ernsthaft als Konzertprogramm verkaufen? Dazu sang er plötzlich selbst, „Relentless Fury“ vom aktuellen „Parabellum“ konnte man heraushören, in das kurz ein Riff von „Tom Sawyer“ von RUSH integriert wurde. Damit des Coverns nicht genug, auch „Red House“ des guten alten Jimi sang er mehr schlecht als recht.
Als er sich noch mit Topmusikern umgab, nahm er auf „Inspiration“ einige DEEP PURPLE-Klassiker auf, die durchaus gefallen hätten. Legendärstes Riff der Rockgeschichte hin oder her, aber „Smoke On The Water“ ist wirklich derart abgedroschen, warum nur, wenn man sonst so auf Avantgarde macht? Klar, wieder nur eine Strophe, einen anständigen Singalong beim Refrain, dann wurde das originale Solo wieder bis zum Exzess improvisiert und weiter ging die wilde Fahrt, bei der auch immer wieder die berühmten Instrumentals „Trilogy Suite Op: 5“ oder „Far Beyond The Sun“ vorbeischauten. Bei „Baroque & Roll“ kamen von Marino ein paar Orchestersamples, ansonsten war die Hintermannschaft Staffage.
Ohne den Steg vorne ins Publikum zu nutzen zog YNGWIE MALMSTEEN seine Show ab, traktierte seinen Stratocaster wie ein Wilder, schleuderte die Axt zigmal um seine Körper. Spielerisch war das sicher auf atemberaubendem Niveau, seine Fertigkeiten sind immer noch sensationell. Wie er das Griffbrett rauf, die Skalen runterzockte war beeindruckend, in der Masse leider schier ermüdend. Öfter setzte er zum Solo an, bei dem seine Begleitmusiker ganz Pause hatten. Marino war schon froh, wenn er sich kurz mit seinem Chef duellieren durfte, das feierte er förmlich mit geballter Faust über dem langen Nietenarmband. Dann nutzte er die Boxen und das Feedback, oder rieb sein Spielgerät auf den Marshalls.
Was seinen, je nach Sichtweise, Roadie oder Sklaven auf den Plan brachte, der ein neues anreichen und das alte entfernen musste. Dies geschah öfter als geplant, denn der Meister war nicht ganz zufrieden damit, und attestierte seiner Gitarre einen ausgewachsenen Jetlag. Irgendwann wurde dasTeil mitten in der Darbietung gestimmt, oder schnell der Sechssaiter gewechselt. Um ja noch mehr Showelemente rein zu bringen, kickte er die Plektren ins Publikum, die die dort nie ankamen, sondern auf dem Catwalk, umgeben von Lichtbändern zu enden. Sonderbarerweise fanden sich dort viele, die das Treiben abfeierten und für jede noch so überzogene Abfahrt dankbar waren, auch wenn er kaum auf sie einging.
Von allen Dingen, die vom All aus sichtbar sind, dürfte das Ego von Malmsteen sicher dazu gehören. Dabei konnte man froh sein, mal die Gitarre sehr gut zu hören, oft war in dem Jahr die Doublebass zu präsent, aber er holte im Alleingang alles wieder raus. Als sich die eine Axt nicht vom Jetlag erholte, riss er alle Saiten bis auf eine, hielt den Ton und ließ diesen vom Effektgerät immer höher oszillieren. Im selben Maße jubelten die Anhänger immer lauter, ist schon eine Leistung, IHK-Kurs, zweites Lehrjahr.
Dann endlich, Keyboardfanfaren, die von „Seventh Sign“ und „You Don´t Remember, I´ll Never Forget“ kündeten fühlten sich wie eine Erlösung an. Wieder vom Tastenmann brauchbar intoniert, war die Herrlichkeit jedoch ebenso schnell wieder vorbei. Wenigstens einmal hätte uns der Saitenhexer etwas rockbares gönnen können, aber er gab uns Yngwie. Am Ende musste der arme Techniker dann noch eine Akustische bringen, auf der in „Black Star“ eingeleitet wurde, welches das musikalische Treiben beendete.
Damit nicht genug im Kuriositätenkabinett, ein neues rotes Kabel wurde entrollt und an eine Strat angeschlossen. Jenes war aber nur zum Schleudern derer gedacht, wobei die öfter hochflog und zu Boden krachte. Jedenfalls so oft, bis sie endlich zerschellte, was wiederum einige begeisterte. Hätte er wenigstens die Teile ins Publikum geworfen, man hätte es nachvollziehen können. Da waren Menschen, die tauschten mit auf den Headliner wartenden Fans für die Dauer des Gigs den Platz, was diese wohl dachten?
Es sollen Menschen im Publikum gesichtet worden sein, welche ob der Darbietung aufgelöst waren oder ihm vorwarfen alles kaputt gemacht zu haben. Seine eigene Legende hat er auf jeden Fall endgültig zerlegt, weil er weiterhin völlig beratungsresistent das so egomanisch durchzieht, auch wenn der Ferrari längst in der Sackgasse parkt. Was hat der Typ Songs geschrieben, die mal wieder im Köcher blieben, von „I´m A Viking“ über „Queen In Love“ zu „Heaven Tonight“ und „Making Love“, ich möchte es gerne verstehen.


CRASHDIET (Blåkläder Stage)
Irgendwie erwischte ich an dem Tag nur einheimische Bands, diesmal sogar zwei aus dem unendlichen Fundus des Hair Metal. Wo die vorherigen mittlerweile etwas gesetzter rüberkamen wurde hier konsequent die Achtzigerlinien gefahren, in buntes Leder gehüllt mit toupierten Haaren gaben sich die Combo nicht so sleazy wie sie sich gerne sieht. Doch egal welche Ausprägung der Spielart sie nun bedienen wollen, authentisch waren sie auf alle Fälle.
Vom Stageacting her hätte man auch eine größere Bühne gefüllt, das Selbstvertrauen der Musiker schrie ohnehin nach Stadion. Obwohl Sänger John Elliot und Schlagzeuger Michael Sweet erst zwei Jahre an Bord sind war der Vierer sehr gut eingespielt. „Chaos Magnetic“ von gemeinsamen „Art Of Chaos“ gab den standesgemäßen Opener, der schon gute aufgenommen wurde und eine ordentliche Portion Rotz transportierte.
Da pumpte direkt der Bass von Peter London, der nicht stillstand, und mehrfach kleine Riser oder den vom Schlagzeug enterte, um dann herunter zu springen. Er bildet mit Martin Sweet die Konstanten im Gefüge, welche seit dem Debüt „Rest In Sleaze“ dabei sind, von welchem mehrere Lieder gespielt wurden wie „Breaking The Chainz“ oder „It´s A Miracle“. Beide schienen auch den gleichen Friseur zu haben und suchten darüber hinaus die Nähe des anderen. Vorne aufgereiht standen sie da, je einen Fuß auf dem Monitor und die Haarpracht geschüttelt, sofern es das Haarspray zuließ. Auch der Bruder des Gitarristen war szenetypisch unterwegs, hatte für den Platz auf dem Drumschemel tief in den Kosmetikkoffer gegriffen.
Der Frontmann trug zumindest das Haar glatt hängend, bei Kajal griff er ebenso zu. In Sachen Metern auf der Bühne stand er seinen Kollegen in nichts nach, nicht selten prallten die Musiker fast zusammen. Mit mehreren Vorgängern war es schwierig dem gesamten Material gerecht zu werden, Elliot meisterte seine Aufgabe jedoch mit Bravour. Indem er sich gut integrierte und den Songs seinen Stempel aufdrückte mit seiner hohen und dennoch leicht angerauten Stimme.
Den coolen bluesigen Touch von „Cocaine Cowboys“ macht er sich ebenso zu Eigen wie das Up-Tempo von Riot In Everyone“. Welche das Publikum in Wallung brachten wie auch andere Hymnen zwischen Groove und Druck. Da wurde gesanglich ebenso unterstützt wie von der Saitenfraktion oben, deren Gangshouts so richtig reinschnitten. Um die Schauwerte noch zu erhöhen leisteten die Pyrotechniker beim aufmunitionieren Schwerstarbeit. Mit jedem Song konnten die Fans mehr gebunden werden, ein starker Gig, der in „Generation Wild“ sein umjubeltes Ende fand.


Fotos: Rainer Petry
HÄLLAS (Sweden Stage)
Recht hoch im Billing angesetzt waren die mit viel Vorschusslorbeeren aus Jonköping angereisten Seventies-Maniacs. Die Deko machte schonmal was her, das Cover des kürzlich releasten „Panorama“ als Backdrop in bester Roger Dean-Tradition, die beiden Spiegelobelisken und Stalagmiten ließen dies noch plastischer wirken. Eine verwunschene Landschaft, eingehüllt in viel Nebel, wie gemacht für das Gebräu, dass die Band selbst Adventure Rock nennt. Dazu trugen alle lange schwarze Umhänge, Keyboarder Nicklas Malmqvist in Rick Wakeman-Manier mit Glitzer, dazu waren die Augen phantasievoll geschminkt, optisch schon ein Kunstwerk.
Als dann die Musik mit „Repentance“ von Debüt „Excerpts From A Future Past“ loslegte klappte direkt die Kinnlade runter, wie kann man das große Jahrzehnt des Rock so authentisch rezitieren? Diese Wärme bei bestem Sound transportierte ganz viele Emotionen, die Instrumentierung war sehr fein abgestimmt. Dabei vereinten sie wunderbar getragene Harmonien mit einem unterschwelligen Drive, Kasper Eriksson garnierte alles mit knalligen Arrangements der KANSAS-Klasse.
Geführt wurden die Songs von vielen Leadgitarren, die Marcus Petersson und Richard Swahn gerne zweistimmig präsentierten. Der Hauch von Wishbone Ash war nicht zu überhören, wenn HÄLLAS auch flüssiger agieren, melodischer britischer Hard Rock der frühen Achtziger hat auch seine Spuren in dem dichten Sound hinterlassen. Stilecht setzten die beiden auf klassische Instrumente, Petersson an der Les Paul, sein Kollege am Stratocaster. Auch wenn sie erst seit einem Album zusammen spielen war das unglaublich tight.
Malmqvist garnierte alles mit vielen Klangfarben, die aus ebenso traditionellen Tasteninstrumenten kam. Analoge Synths umschmeichelten die Gitarren, wenn er auf die Orgel umgriff standen die Zauberer und Fabelwesen aus den Wäldern von Uriah Heep mit auf der Bühne. Tommy Alexandersson konnte so seine weichen Vocals auf wunderbare Wolken betten, die wegzuschweben schienen. Aufwind bekamen diese zusätzlich, wenn seine Mitmusiker zu diesen wunderschönen mehrstimmigen Gesängen ansetzten wie etwa in „Carry On“ oder dem epischen „Astral Seer“. Dabei bediente er seinen Rickenbacker nicht so knarzig wie viele andere berühmte Bassisten.
Eigentlich war ich nur gekommen, um mir das mal anzuschauen, aber ich war überwältigt, so eine musikalische Finesse, die bei aller Ausgereiftheit nie die Frische vermissen ließ. Wenn einen nach vier Tagen Festival eine unbekannte Band so wegbläst, muss sie schon was Besonderes sein. Natürlich konnte meine Wenigkeit unbefangen an die Mischung durch alle vier Langrillen heran gehen, die mit der Bandhymne von der EP ihren Abschluss fand.
Die Security war ob der kolportierten wachsenden Popularität etwas in Alarmbereitschaft Hier jedoch äußerte sich der Zuspruch in beseeltem Hüpfen, sowie lautem Skandieren, etwas anderes wäre auch unpassend gewesen, Trotzdem muss die Stimmung schon als frenetisch bezeichnet werden, es lagen sich alle in den Armen und feierten eine Band, die das beste zurück brachte, was in der Rockhistorie in den goldenen Zeiten zu bieten hatte, die ganz große Überraschung des Festivals.


BRING ME THE HORIZON (Festival Stage)
Wie schon im letzten Jahr ging das SWEDENROCK für unser Delegation auf der Tribüne an der Seite des großen Infields zu Ende. Da kann man nach all den Strapazen, der täglichen Anreise zur Unterkunft gechillt das Geschehen verfolgen, wenn man mit einem Headliner nicht so viel anfangen kann. Dass es da an Schauwerten nicht mangeln würde, war nachmittags schon klar, als man die ganzen Lichterrahmen rund um die Bühne sah. In der Tat war die Lightshow wirklich massiv, wie bei VOLBEAT konnten die unterschiedlichen Segmente so verschoben werden, dass die Rigs verschiedene Formen bildeten. Das sah gerade von der Entfernung richtig Klasse aus, der Abstand hatte den zusätzlichen Vorteil, dass man ob der Stroboskop-Effekten nachts noch schlafen konnte.
So hektisch präsentierte sich die Musik der Briten, die aus vielen Elementen zusammengesetzt ist. Die Metalcoreanteile hackten uns ihre Staccato um die Ohren, die Elektronik flackerte permanent durch die Bucht. Wobei die allerdings aus der Konserve kam, das war einfach zu viel und nahm dem Liveerlebnis das Organische. Zudem übernahm man die elektronischen Interludien, die im letzten Jahr Slipknot und Korn boten und den Fluss noch mehr zerfransten.
Ganz krass fiel das auf, als „Kingslayer“, das Duett mit Babymetal runter geprügelt wurde, und die Stimmen der Damen eben auch vom Band kamen. Überhaupt bedienen BRING ME THE HORIZON in großer Zahl Jugendliche mit einem Faible für asiatische Popkultur, was sich auch in den Outfits der Fans an dem Tag zeigte. Die machten an dem Abend mächtig Alarm, die Aufforderung zum Crowdsurfen dürfte die Security ins Schwitzen gebracht haben, zumal der Staub der Pits das Auditorium nur noch schwer ausmachen ließ.
Oli Sykes hatte indes sehr viel Spaß an der Show und nutzte die ganzen Wege, welche die mächtigen Aufbauten boten. Das Schlagzeug von Matt Nicholls stand an der Seite, bot den Terrassen noch mehr Raum, auf denen auch Gitarrist Lee Malia und Bassist Matt Kean standen. Beim Headbanging sehr engagiert, war deren sonstiger Bewegungsumfang etwas zu gemächlich. Leben kam in die statische Bühnenaufteilung rein, als zu „Antivist“ eine Zuschauerin auf die Bühne gebeten wurde, die ihr Glück kaum fassen konnte.
Da war einer von mehreren Liedern von „Sempiternal“ wie auch „Can You Feel My Heart“, welche die ältesten im Set darstellten, die ersten drei Alben blieben außen vor. Gerade die Balladen wie „Teardrops“ zeigen eine komplette Abkehr von ihren Metalcore-Wurzeln, die live gar nicht mehr stattfinden. Stattdessen setzte man auf die mittlere Karrierephase, neben besagtem Album bestimmte „That´s The Spirit“ wie „Happy Song“ das Programm, da soll noch mal wer über Metallica schimpfen.
Fazit:
Das SWEDENROCK bewies sich erneut als Stelldichein der Spitzenkräfte sämtlicher Rockspielarten, dessen Programm immer breiter gefächert wird. Jedoch muss man auch anmerken, dass die frühere Kernkompetenz AOR/Hair Metal bis auf eine Ausnahme lediglich von einheimischen Bands bedient wurde. Man vermisste einige Namen, die derzeit unterwegs sind, etwa TYKETTO, im klassischen Metal auch die Tourbegleitungen von SAVATAGE oder im Thrash Metal ANTHRAX. Ohnehin ist mit mittlerweile mehr als neunzig Bands eine Grenze erreicht, die das Programm ein bisschen beeinträchtigen.
Es war mal ein Alleinstellungsmerkmal, dass die Shows 75 Minuten oder eineinhalb Stunden gehen, zudem der Curfew inzwischen bei 00:30 liegt. Dadurch kommen nur noch Co-Headliner oder die Headliner der Rock Stage auf diese Zeiten, bzw. das Midnight Special. Wegen des langen Slots von IRON MAIDEN waren an dem Tag auch oft nur fünf Minuten Changeover, anstatt den üblichen fünfzehn, was schon Stress bedeuten konnte. Dennoch leisteten die Crews ganze Arbeit und errichteten in den Pausen mächtige Stagesets, um kleineren Acts große Shows zu ermöglichen und die von großen wie Headlinerevents aussehen zu lassen.
Dass man bei den frühen Schlusszeiten Probleme haben dürfte mit der Bevölkerung, glaube ich nicht, die haben das Festival sehr gut angenommen. Die Kapazitäten der offiziellen Campingflächen und regulären Campingplätze waren bei 25.000 eigentlich schon ausgereizt. Heute vermieten die Bewohner einfach alles, wo man irgendwie drin schlafen kann, in Norje direkt gegenüber gibt es einen Imbiss, der nur eine Woche im Jahr geöffnet hat, manche Gastrostände machen sich aus den Vorgärten auch die typischen Steinmauern als Theke nützlich. So gab es auch viele Partys in den Gärten der Anwohner, teils mit Familie, teils mit den Gästen.
Die geht dann auch auf den offiziellen Campingplätzen weiter, direkt unterhalb des Geländes fand beim Norje Boke Camping in der Strandbar eine Auftaktparty mit Coverband statt, Strand und Uferzone sind komplett von schwarz gekleideten Menschen besiedelt. Wobei das nicht immer die vorherrschende Farbe ist, in Sachen verrückter Kostüme wissen die Schweden auch mitzuhalten, dazu kommen landestypische Trachten. Ohnehin ist das Happening ein Volksfest im Land der Elche, wo so viel mehr gefeiert wird wie nur die Musik, dass es immer um den Nationalfeiertag stattfindet ist Beleg dafür.
Ein Problem des letzten Jahres wurde bei der Ausgabe gut angegangen, das Festivalessen wurde nicht wieder merklich teurer, dafür hat man in Sachen Qualität nachgebessert. Anscheinend haben die Standbetreiber beim Personal nachgebessert, denn lange Schlangen wie 2025 sah man in dem Jahr selten. Die Auswahl ließ auch kaum Wünsche offen, wenn sich auch die Stände der einzelnen Betriebe wiederholten. Aber vom klassischen Grillstand, darunter auch mediterrane, über wirklich großartige Burger, diverse Pastaangebote, Langos, asiatische Küche, Tex Mex, Döner mit allen Fleischsorten bis hin zu Wild, oder auch die Toastbaguettes war alles zu haben. Pizzen wurden großenteils komplett in der praktischen Pappschachtel serviert, und die Süßwarenstände hatten dick verzierte Donuts, sowie die einheimischen Munkbullars in der Auswahl.


Fotos: Rainer Petry
Was ein wenig anzukreiden war bei der Auflage war der Sound, gerade an den großen Bühnen. Die tiefen Frequenzen waren einfach zu präsent und ließen viele Details verschwinden. Zuletzt hatte man diese Probleme vermehrt 2022, seitdem war der Sound immer gut, an den zwei letzten Tagen bekamen es die Mischer besser in den Griff. Ich kann jedoch nur von den vorderen Bereichen sprechen, da ich versuche so nah wie möglich am Geschehen zu sein. Aber bei der Logistik, die dahintersteht, hinter den Bühnen steht ein Fuhrpark, wie ihn große Bauunternehmen nicht besitzen, sollte so etwas nicht passieren. Sonst lief technisch alles reibungslos, ein viertel Stunde nach SAXON lud der Bildschirm schon die Videos von HELLOWEEN hoch und zwei Trucks mit Kürbis-Logo rollten ein.
In Sachen Bequemlichkeit für das Publikum konnten ebenso Verbesserungen verzeichnet werden, die Schlangen an den ausnahmslos Spültoiletten auf dem Gelände waren nicht mehr so lang. Dazu wurde das Taschenverbot der letzten beiden Jahre etwas gelockert, wobei es immer möglich war seinen Campingstuhl mit rein zu nehmen, aber auch andere aufblasbare Sitzgelegenheiten wurden gesichtet. Deren Besitzer werden zwar gebeten, sich nicht zu weit vorne zu platzieren, dem sie auch nachkommen. Die größte Population findet sich zwischen den beiden größten Bühnen, wo eher gechillt wird und man nur aufsteht, um beim Wechsel den Sitz umzudrehen.
Dass dies so reibungslos funktioniert, und man keine gesonderten Anweisungen benötigt, liegt am über die Jahre gewachsenen Respekt zwischen den Ordnungskräften und Publikum. Die Security ist sehr unprätentiös, hält sich immer im Hintergrund und versucht auch durch ihr Auftreten gute Laune zu verbreiten. Da kommt nichts so sehr befehlend rüber, man nimmt vieles locker, legt eher wert darauf, dass die Zuschauer zufrieden sind, indem Trinkwasser in die vorderen Reihen gereicht wird. Hier ist von deren Seite viel Verständnis für die Fans vorhanden, weil sie selbst welche sind, da wird sogar aufgepasst, dass diejenigen, die den ganzen Tag vorne ausharren nicht verdrängt werden.
Obwohl ich in dem Jahr auch die Sicherheitskräfte kritisieren muss: Ich weiß, dass Crowdsurfing eigentlich verboten ist, und dass man laut Festivalordnung dafür rausgeworfen werden kann. Von daher ist die Nachsicht schon eine nette Geste, aber beim Hinausgeleiten aus dem Graben könnte man die Kids etwas sanfter anpacken. Klar stellen die direkt vorne an der Barriere ein Sicherheitsrisiko dar, weil ja weitere aus dem Publikum herübergetragen werden, aber hier vermisste ich das sonstige Verständnis. Für die meisten Zuschauer ist das jedoch auch schwer, da dies weniger gewohnt sind, und viele Surfer oft fallen gelassen werden, weil das niemand auf dem Schirm hat. Hier sollte für die Zukunft eine bessere Lösung gefunden werden.
Gut finde ich hier, dass sich Henrik von der Sweden Stage und Johan von der Blåkläder Stage mit ihren Teams gegenseitig unterstützen, und zum Teil auch an der Festival Stage aushelfen. Dort sind meist die beiden Chefs Conny Olsson und Thomas Carlsson zuständig, die den Laden mit ihrer lockeren, aber bestimmten Art im Griff haben. Mit Olsson hatte ich ein längeres Gespräch, in dem er positiv anmerkte, dass die Taschendiebstähle in dem Jahr deutlich weniger waren. Natürlich ist Polizeipräsenz nicht das, was der Besucher haben möchte, wenn es aber hilft, gerade die strukturelle Kriminalität abzuschrecken, dann kann ich damit leben.
Sonst gab es nur etwa achtzig Anzeigen, die meisten wegen BTM-Delikten, das SWEDENROCK ist ein friedlicher Ort inmitten einer immer verrückteren Welt. Wo sonst hat man so ein Klima zwischen Publikum und Security, wo sich Sven und Marie an der Rock Stage, oder Mikael und Don an der Festival Stage über die Reaktionen der Fans freuen, da sie von den Shows ja optisch nichts mitbekommen. Da fühlt man sich gut aufgehoben, da die Leute sehr aufmerksam sind, und genau hinschauen, wenn jemand körperlich zu schwächeln droht oder sich bückt, um die Schuhe zu binden. Man kann den Wert dieses Teams für das Festival und das Miteinander nicht hoch genug einschätzen.

Fotos: Rainer Petry
Alle Fotos, sofern nicht anderes vermerkt von Celia Frontrow

